«Ernste Antwort» auf Giftgaseinsatz bringt Obama unter Zugzwang

Die USA und England haben eine «ernste Antwort» angekündigt, sollte sich der Giftgaseinsatz durch das syrische Regime bestätigen. Der Iran warnt Washington vor den Konsequenzen eines militärischen Einsatzes in der Region.

Die neuste Entwicklung in Syrien bringt US-Präsident Barack Obama unter Zugzwang. Noch stehen zwar die Ergebnisse der UNO-Inspektoren aus. Diese werden am Montag in der Nähe von Damaskus ihre Ermittlungen aufnehmen.

«Kaum Zweifel»

Westliche Regierungen zeigten sich am Wochenende zunehmend überzeugt, dass bei dem Angriff am Mittwoch Chemiewaffen zum Einsatz kamen und dass die Regierung verantwortlich sei. Frankreichs Präsident François Hollande sagte, vieles deute darauf hin, dass die syrische Regierung einen Chemiewaffenangriff verübt
habe.

Video «Einschätzungen von SRF-Korrespondent Pascal Weber» abspielen

Einschätzungen von SRF-Korrespondent Pascal Weber

1:18 min, aus Tagesschau vom 25.8.2013

Assad hat Angst

Die Drohkulisse hat bei Assad Spuren hinterlassen, sagt SRF-Korrespondent Pascal Weber. Assad habe Angst vor einem militärischen Eingreifen des Westens. Die Schwierigkeit der Inspekteure sei nicht der Nachweise von Nervengas, sondern wer dieses Giftgas eingesetzt habe, so Weber weiter – und das sei die entscheidende Frage.

Ein US-Regierungsvertreter sagte, es bestehe angesichts der Zahl der Opfer und ihrer Symptome sowie aufgrund von US-Geheimdienstinformationen «kaum Zweifel» daran, dass Giftgas gegen Zivilisten eingesetzt worden sei.

US-Armee ist bereit

Das Weisse Haus hatte mitgeteilt, es werde über «mögliche Antworten der internationalen Gemeinschaft» nachgedacht. Obama telefonierte mit dem britischen Premierminister David Cameron und traf sich mit seinen Sicherheitsberatern.

Der Handlungsspielraum der USA ist aber knapp bemessen, meint Joachim Krause im «Echo der Zeit». Der Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel rechnet nicht mit einer grossangelegten Intervention. Dazu seien die USA derzeit nicht in der Lage.

Obama unter Druck

Die Grossmacht ist mit zwar bald mit vier Kriegsschiffen in der Region präsent, die Einsatzmöglichkeiten beschränkten sich aber höchstens auf gezielte Raketenangriffe auf einzelne Stellungen. Bodentruppen schliesst er aus.

Die Forderung nach einer Intervention werden immer lauter. Mit dem Begriff der «roten Linie» hat sich Obama selbst unter Druck gesetzt. Was aber beim Überschreiten der Grenzlinie geschieht, bleibt weiter unklar.

Russland und Iran warnen

Nicht alle unterstützen eine militärische Aktion, darunter die Verbündeten des syrischen Regimes, Russland und Iran. Moskau warnte die westlichen Regierungen vor einem militärischen Eingreifen im Syrien-Konflikt. Dies wäre ein «schwerer Fehler» erklärte der Sprecher des Aussenministeriums in Moskau.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Syrien: Grünes Licht für UNO-Inspektoren

    Aus Tagesschau vom 25.8.2013

    Chemiewaffen-Experten der Vereinten Nationen dürfen den mutmasslichen Giftgas-Angriff in Syrien untersuchen. Das Assad-Regime macht für den Angriff die Rebellen verantwortlich. Einschätzungen von den SRF-Korrespondenten Pascal Weber aus Kairo und Arthur Honegger aus Washington.

  • Syrienkonflikt beschäftigt die Welt

    Aus Tagesschau vom 24.8.2013

    US-Präsident Obama hat ein Sondertreffen zur Lage Syriens einberufen. Seine Militärs sind für ein Eingreifen, die Politiker bislang dagegen. Unterdessen sind UNO-Inspektoren im Land, dürfen aber keine Untersuchungen anstellen.