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International Eskalation der Gewalt im Irak

Bei einer Reihe von Bombenanschlägen im Irak sind bis zu 90 Menschen getötet worden. Die Sunniten versuchen, die Regierung so zu schwächen.

Legende: Video Bombenanschläge im Irak abspielen. Laufzeit 1:16 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.05.2013.

Bei Bombenanschlägen und Angriffen in mehreren irakischen Städten wurden fast 90 Menschen getötet mehr als 200 verletzt, wie Polizisten und Rettungskräfte mitteilten.

Bei einem doppelten Autobombenanschlag in der südlichen Hafenstadt Basra kamen 13 Menschen ums Leben. Weitere 48 Menschen wurden verletzt. In der Hauptstadt Bagdad wurden sieben Anschläge mit Autobomben verübt, zudem explodierte ein Sprengsatz am Strassenrand. Insgesamt starben in Bagdad mindestens elf Menschen, mindestens 102 weitere wurden verletzt.
 
In der nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Samarra kamen bei einer Autobombenexplosion zwei Al-Kaida-feindliche Kämpfer ums Leben, zwölf Personen wurden verletzt. Drei Verwundete gab es durch die Detonation eines Sprengsatzes in der nordirakischen Stadt Mossul. Zunächst bekannte sich niemand zu den Taten. In Bagdad zielten die Anschläge vor allem auf Stadtviertel mit überwiegend schiitischer Bevölkerung. 

Polizisten entführt und erschossen

In der westlich von Bagdad gelegenen, sunnitisch dominierten Unruheprovinz Al-Anbar wurden in der Nacht zum Montag 24 Polizisten bei Angriffen auf Polizeiwachen getötet. Nach Angaben von Polizei und Rettungskräften wurden zwölf Polizisten erschossen, die am Samstag entführt worden waren und von Sicherheitskräften befreit werden sollten. Ob die Opfer ins Kreuzfeuer gerieten oder von ihren Entführern erschossen wurden, war zunächst unklar.
 
Weitere zwölf Polizisten starben am Sonntagabend bei Angriffen auf eine Polizeiwache in Haditha und eine Wache in Rawa. Beide Städte liegen ebenfalls in Al-Anbar. Das von Sunniten dominierte Al-Anbar zählt zu den Zentren der regierungsfeindlichen Proteste im Irak. Die Sunniten werfen der Regierung des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki vor, sie an den Rand zu drängen. 

Anschläge auf Moscheen

Bei zwei Anschlägen auf schiitische Moscheen in der südlich von Bagdad gelegenen Stadt Hilla wurden mindestens 13 Menschen getötet und mehr als 70 weitere verletzt. Eine der Bomben explodierte während des Abendgebets am Montag in der Al-Wardijah-Moschee. Vor der nahen Al-Graita-Moschee zündete ein Selbstmordattentäter seinen Sprengstoffgürtel.

Insgesamt hat die Gewalt im Irak zuletzt deutlich zugenommen. Seit Jahresbeginn wurden jeden Monat mehr als 200 Menschen gewaltsam getötet. «Ausgangspunkt war die Auflösung eines sunnitischen Protestcamps im Nordirak. Dabei starben mindestens 44 Menschen», sagt NZZ-Korrespondentin Inga Rogg gegenüber Radio SRF. Die Sicherheitslage im Land sei seitdem wesentlich kritischer geworden.

Radikalisierung der Sunniten

Regierungschef al-Maliki möchte diese Welle der Gewalt mit einer neuen Sicherheitsstrategie und einem personellen Umbau stoppen. Das Kabinett werde entsprechende Entscheidungen treffen, kündigte er am Montag an. Zudem würden einige ranghohe Verantwortliche für die Sicherheit ausgetauscht.

«Statt auf die Sunniten zuzugehen, setzt al-Maliki auf den Einsatz von Sicherheitskräften», kritisiert Inga Rogg. Ob das der richtige Weg ist, die Lage zu beruhigen, ist fraglich, denn es handle sich um einen «Konflikt zwischen einem Regierungschef, der autoritäre Tendenzen zeigt, und einer Minderheit, die sich durch diese Regierung benachteiligt fühlt», ist sie überzeugt.

Diese Minderheit aus sunnitischen Arabern reagiere nun immer mehr mit Gewalt. «Selbst Sunniten, die sich vor Jahren noch gegen Extremisten gestellt hatten, greifen inzwischen wieder zu den Waffen», konstatiert die Korrespondentin. Dadurch erhielten die Zusammenstösse zwischen Sicherheitskräften, Stammesmilizen und Extremisten in den vergangenen Monaten eine neue Qualität.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von O. Toneatti, Bern
    Diesen Bürgerkrieg müssen die Amerikaner allein auf ihre Kappe nehmen. Ein Diktator gestürzt, das Land Irak ausgeplündert, (Erdöl) und hundert korrupte, amerikahörige Diktatoren installiert. Täglich dutzende getötete und verstümmelte Menschen. So sieht der Frieden nach amerikanischem Muster leider aus. Grauenhaft.
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @O. Toneatti: Im Irak waren schon immer Aufstände u. bürgerkriegsartige Zustände an der Tagesordnung. Wurden erst durch die Revolution der Baath-Partei und später durch die Diktatur v. S. Hussein unterdrückt. Oder wie äussern Sie sich zu den Giftgasangriffen der irak. Luftwaffe gegen die Kurden? Es zeigt mir, dass Sie keine Ahnnung über die Geschichte des Landes haben. Informieren Sie sich doch bevor Sie so eine Behauptung von sich geben.
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    2. Antwort von O. Toneatti, Bern
      H. Girschweiler: Können Sie uns erklären, warum die Amerikaner im Irak, ohne UNO-Mandat, einen völlig unsinnigen Oelkrieg entfacht haben. Glauben Sie tatsächlich, dass es nach dem Sturz von S. Hussein den Leuten in diesem, von den Amis zerstörten und geschundenen Land, heute besser geht? Was haben die Amis mit ihren verlogenen Geheimdiensten, in diesem Land zu suchen? Können Sie uns das tatsächlich glaubhaft erklären? mfG OT
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    @Robin Tschudin: Die UNO hat kein Mandat für die Gestellung v. UNO-Truppen. Irak wäre in wirtschaftl. Hinsicht interessant. Auf Grund der sich verschlechternden Sicherheitslage kommen für wirtschaftl. Beziehungen nur die autonomen Kurdengebiete in Frage. Ich rechne in Kürze mit einem Bürgerkrieg zwischen Sunniten u. Schiiten. Die Kurden werden sich raushalten, da sie mehr die TK im Auge behalten müssen als Bagdad. Umsomehr, als man die Brüder im östlichen Syrien allenfalls unterstützen muss.
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  • Kommentar von Robin Tschudin, Neuenegg
    Und wo sind die Blauhelme? Da die Amis nun andere Länder im Visier haben scheint es der NATO in Irak nicht mehr interessant, obwohl sich deren Politiker (was ich sehe) auf gutem Weg befinden.
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