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Europawahlen Europawahl-Duell: «Chlorhühnchen? Mit mir nicht!»

Unterschiede bestenfalls im Detail: Im ersten TV-Duell der beiden Bewerber um das Amt des EU-Kommissionspräsidenten herrscht in den meisten Sachfragen Einigkeit. Kein gutes Signal für die Mobilisierung der Wähler.

Legende: Video Werbetour für Europawahlen abspielen. Laufzeit 07:09 Minuten.
Aus 10vor10 vom 08.05.2014.

Es fing schon sehr harmonisch an, denn die beiden Spitzenkandidaten waren sich einig im Protest. Jean-Claude Juncker wies, ein bisschen empört, darauf hin, dass er noch nicht 60 sei, wie in der Ansage zum TV-Duell behauptet. Und Martin Schulz sprang ihm bei: Denn er selbst ist erst 58 Jahre alt, nicht 59, wie angegeben. Und so blieb es dann auch.

Keine persönlichen Angriffe

Meistens waren die Spitzenkandidaten für die Europawahl einer Meinung, Kontroversen blieben aus, persönliche Angriffe auch. Es war eine Premiere, aber Premieren sind eben auch nicht immer spannend. Über weite Strecken tauschten Juncker und Schulz Floskeln und Freundlichkeiten aus.

Richtig gekracht hat es bei dem Fernsehduell der beiden Spitzenkandidaten für die Wahl am 25. Mai nicht. Wie denn auch? Denn der Sozialdemokrat Schulz und der Konservative Juncker sind seit Jahrzehnten dabei im europäischen Geschäft. Schulz ist seit 20 Jahren Abgeordneter im Europäischen Parlament, seit 2012 dessen Präsident; Juncker war über 18 Jahre Ministerpräsident Luxemburgs und hat als langjähriger Chef der Euro-Gruppe die Finanzpolitik der EU massgeblich mitgestaltet.

Dissens bei Steuerpolitik

Dass sein kleines Heimatland eine Steueroase sei, wies Juncker natürlich auch zurück. Das war vielleicht der einzige echte Dissens. Wettbewerb bei den Steuersätzen zwischen den EU-Ländern müsse es geben, sagt Juncker. «Entschieden anderer Meinung» erklärte dazu der SPD-Mann Schulz.

Bei fast allen anderen Fragen Einigkeit. Chlorhühner aus den USA? «Mit mir wird es das nicht geben», sagt Schulz in Anspielung auf US-Forderungen für das auszuhandelnde Freihandelsabkommen mit der EU. Auch Juncker sagt dazu «Nein», vielleicht ein bisschen weniger überzeugt.

Absolute Mehrheit nicht in Sicht

Erstmals streiten sich zwei Spitzenkandidaten um das Amt des EU-Kommissionspräsidenten. Ob aber wirklich einer der beiden das wichtigste Amt in der EU übernimmt, ist noch längst nicht ausgemacht. Die Staats- und Regierungschefs müssen das Ergebnis der Europawahl am 25. Mai berücksichtigen, mehr nicht. Wer das Ergebnis nicht akzeptiere, «verübt einen Anschlag gegen die europäische Demokratie», sagt Schulz.

Und Juncker warnt vor einer institutionellen Krise, wenn das Ergebnis der Wahl nicht akzeptiert wird. Abwarten. Allerdings steht schon jetzt einigermassen fest: Eine absolute Mehrheit im Europaparlament wird weder Junckers konservative EVP erzielen noch die Sozialisten und Sozialdemokraten, für die Schulz ins Rennen geht.

Zwei Männer
Legende: Kaum echte Kontroversen beim TV-Duell der Spitzenkandidaten zur Europawahl, Schulz (links) und Juncker. Keystone

Koalition gegen Rechtspopulisten

Schon jetzt gibt es im Europäischen Parlament eine grosse Koalition, durch den erwarteten Zulauf für Rechtspopulisten wird diese noch unvermeidlicher. Fragt sich nur, mit welchem Personal an der Spitze.

Am Schluss dann noch ein kleiner Akzent. Was denn das allerwichtigste Ziel sei im Amt des Kommissionspräsidenten, werden die beiden gefragt. Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, sagt Schulz. Dauerhaftes Wachstum und stabile Staatsfinanzen, meint Juncker. Aber ein richtiger Wiederspruch ist das wohl auch nicht.

Junker, Schulz und die Schweiz

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Sie sind Schwergewichte der europäischen Politik: Jean-Claude Juncker, der bürgerliche Ex-Premier Luxemburgs, und der deutsche Sozialdemokrat Martin Schulz. Beide wollen EU-Kommissionspräsident werden. Wie stehen sie zur Schweiz? SRF-Korrespondent Bruderer beantwortet die wichtigsten Fragen. Mehr.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    «Chlorhühnchen? Mit mir nicht!» Das möchte ich sehen, wenn es soweit ist. Der TTIP wird (fast sicher) kommen, über die Köpfe der EU-Volksinteressen hinweg und hinter verschlossenen Türen ausgehandelt. Auch ein Vertragswerk mit der Option "Alles oder nichts". Jahrzehnte in Europa erkämpfte Konsumenteninteressen, Umweltauflagen, Tierschutz/Haltung usw., auf US-Vorkriegs-Standard zurückgestuft. The money makes the World go round :-( Was soll’s. Hier im Hinterhof der USA ist es schon so weit.
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  • Kommentar von M Jaeger, Wildwil
    Die EU gleicht immer mehr der ehemaligen Sowjetunion mit ihren Apparatschiks!
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  • Kommentar von j.ruf, rodersdorf
    Beide Kandidaten sind EU-Sektierer erster Güte. Aber wie sagt man so schön: "Der Fisch stinkt vom Kopf her."
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    1. Antwort von A. Scheifele, Kaltental
      die Schweiz braucht aber die "EU-Sektierer", sonst geht in der Schweiz nichts mehr! Was soll also die ständige Hetze gegen die EU, deren Politiker und Bürger?
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Die Schweiz existierte & funktionierte aber auch ohne die "EU-Sektierer". Und ist man gegen die EU & die Politiker, ist man deswegen nicht gegen diese Bürger. Im Gegenteil ist man voller Anteilnahme für diese, weil viele doch sehr unter dem Diktat aus Brüssel & ihren Politikern zu leiden haben. Dahin gehend sind unsere Probleme mit unseren Politikern Peanuts, weil wir Mitspracherecht haben.
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    3. Antwort von Thomas Koblet, Rickenbach
      @E.W: Ich bin hocherfreut, mal zu 80% gleicher Ansicht zu sein wie Sie. Es wird wieder ein Rhetorischer Zirkus der Sonderklasse abgehalten, wer soll das noch ernst nehmen? Die einfachen EU-Bürger sicher nicht.
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    4. Antwort von Mathias Reier, Greifenhagen
      @Waeden: "Dahin gehend sind unsere Probleme mit unseren Politikern Peanuts, weil wir Mitspracherecht haben." Dann seien Sie glücklich und zufrieden...Und die EU wird auch weiterhin existieren und funktionieren, ob mit oder ohne CH. Im übrigen bin ich überaus erfreut für Ihr Mitleid für uns arme EU'ler, aber machen Sie nicht zuviel Werbung für CH, nicht dass demnächst 500 Mio. an den CH-Grenzen stehen:-)
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    5. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @M. Reier: Für gute Werbung hat schon ein deutscher Landsmann gesorgt! Zitiere ungefähr: "Die Schweiz & Schweizer/Innen = Vorbild für die EU. Diese Willensnation ist ein erstrebenswertes Beispiel für die Staaten der EU." :-)
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