Flüchtlinge harren im Elend von Idomeni aus

Im griechischen Grenzort Idomeni harren weiterhin knapp 12'000 Flüchtlinge aus. Obwohl sich Gerüchte über eine Grenzöffnung am Wochenende nicht bestätigten. Und auch viele der in Piräus festsitzenden Flüchtlinge wollen nicht in die staatlichen Auffanglager. Sie fürchten, dort nicht mehr wegzukommen.

Video «Ausharren im Elend von Idomeni» abspielen

Ausharren im Elend von Idomeni

0:24 min, aus Tagesschau vom 27.3.2016

Die an der griechisch-mazedonischen Grenze festsitzenden Flüchtlinge hoffen weiterhin, demnächst in Richtung Westen weiterreisen zu können. Obwohl sich Gerüchte über eine Grenzöffnung am Wochenende nicht bestätigten und von Aktivisten organisierte Proteste erfolglos blieben, reisten im Anschluss nur wenige der fast 12'000 Menschen ab.

Karte von Griechenland und Mazedonien

Bildlegende: Die Flüchtlinge hoffen auf eine Grenzöffnung, aus den Lagern im Landesinnern fürchten sie, nicht mehr wegzukommen. srf

Am Sonntag war es in Idomeni zu Tumulten gekommen, nachdem Unbekannte das Gerücht verbreitet hatten, Deutschland werde Tausende Schutzsuchende aufnehmen und die Grenze werde deshalb geöffnet. Die Polizei informierte über Lautsprecher auf Arabisch und Farsi, dass die Gerüchte nicht stimmten, wie Augenzeugen berichteten.

Angst, aus staatlichen Lagern nicht mehr wegzukommen

Athen hält vor Ort Busse bereit, mit denen die Flüchtlinge gratis in organisierte Aufnahmelager reisen können. Genauso wie ein Grossteil der über 5000 Flüchtlinge, die derzeit in Wartehallen am Hafen von Piräus festsitzen, fürchten sie, aus den staatlichen Auffanglagern später nicht mehr wegzukommen.

Dennoch plant Athen, innerhalb der nächsten drei Wochen zusätzliche Unterkünfte für 30'000 Menschen zu schaffen. Insgesamt halten sich in Griechenland seit der Grenzschliessung des Nachbarstaates Mazedonien mittlerweile etwas mehr als 50'000 Flüchtlinge auf.

Wieder leicht mehr Flüchtlinge aus der Türkei

Von Sonntag auf Montag setzten 232 Flüchtlinge von der türkischen Küste nach Griechenland über. Nach Angaben des Flüchtlingskrisenstabs der griechischen Regierung hat sich der Zustrom damit wieder leicht erhöht; an den beiden Tagen zuvor wurden 73 beziehungsweise 78 Neuankünfte gezählt.

Dennoch ist insgesamt ein starker Rückgang zu verzeichnen: Noch im Februar hatten pro Tag durchschnittlich 2100 Menschen übergesetzt. Seit Inkrafttreten des Flüchtlingspakts zwischen der EU und der Türkei am 20. März werden Neuankömmlinge auf den griechischen Inseln in sogenannten «Hotspots» festgehalten.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • FOKUS: Flüchtlingselend in Idomeni

    Aus 10vor10 vom 11.3.2016

    Die Grenzen auf der sogenannten Balkanroute sind dicht. Über 12‘000 Menschen harren in der griechischen Grenzstadt Idomeni unter unzumutbaren Bedingungen aus.

  • Hölle Idomeni

    Aus Tagesschau vom 10.3.2016

    Nach wie vor ist man von einer Lösung in der Flüchtlingskrise weit entfernt. Die Zustände im griechisch-mazedonischen Grenzort Idomeni machen das Versagen der Politik deutlich. Seit Tagen sitzen dort tausende Flüchtlinge fest – unter menschenunwürdigen Bedingungen.

  • Notstand auf der Balkanroute

    Aus Tagesschau vom 5.3.2016

    An der griechisch-mazedonischen Grenze stossen die Behörden an ihre Grenzen. Im Flüchtlingslager Idomeni, welches für die Betreuung von 2‘000 Menschen eingerichtet ist, harren derzeit rund 13‘000 Flüchtlinge aus. Die Lage ist so schlimm, dass der Gouverneur der Region den Notstand ausrufen will.