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International Flüchtlingsströme: Grossbritannien baut Grenzsicherung aus

Das britische Innenministerium stellt zusätzlich mehr als 10 Millionen Franken für Sicherheitsmassnahmen beim Ärmelkanaltunnel bereit. Alleine in der vergangenen Nacht versuchten 2000 Flüchtlinge durch den Eurotunnel nach Grossbritannien zu gelangen.

Legende: Video Frankreich und Grossbritannien verstärken die Grenzsicherung abspielen. Laufzeit 1:18 Minuten.
Aus Tagesschau am Vorabend vom 29.07.2015.

Die britische Innenministerin Theresa May hat nach einem Treffen mit ihrem französischen Amtskollegen Bernard Cazeneuve in London versprochen, dass Grossbritannien zusätzlich 10,5 Millionen Franken für die Grenzsicherung bereitstellt. Zuvor hatte die britische Regierung bereits 22,5 Millionen Franken für Massnahmen am Eurotunnel zugesagt.

Ein Flüchtling schaut unter einen Lastwagen
Legende: Acht Flüchtlinge starben seit Juni im Eurotunnel: Migranten prüfen Lastwagen nach einer heimlichen Mitfahrgelegenheit. Reuters

Nach Angaben der Behörden von Anfang Juli sind in der Region um die französische Stadt Calais rund 3000 Flüchtlinge gestrandet. Sie versuchen von dort aus auf Fähren oder durch den Eurotunnel nach Grossbritannien zu gelangen.Allein in der vergangenen Nacht haben knapp 2000 Flüchtlinge versucht, zu dem Tunnel unter dem Ärmelkanal vorzudringen. Polizei und private Sicherheitskräfte hinderten sie daran. Es kam zu Verspätungen im Zugverkehr.

Zusammenarbeit bei Abschiebung

«Die französische und die britische Regierung arbeiten in dieser Angelegenheit, die uns beide betrifft, sehr eng zusammen», sagte May nach ihrem Treffen mit Cazeneuve. Geheimdienst und Sicherheitsbehörden würden kooperieren, um Menschenschmuggler-Banden zu bekämpfen, die «aus menschlichem Elend Profit schlagen».

Grossbritannien und Frankreich arbeiteten bei der Abschiebung von Migranten, insbesondere nach Westafrika, zusammen, «damit die Menschen sehen, dass die Reise hierher nicht dazu führt, dass sie nach Europa kommen und sich hier niederlassen können», sagte May.

Eurotunnel: Wiederholt tödliche Unfälle

Bei den Versuchen der Flüchtlinge, durch den Eurotunnel heimlich nach Grossbritannien einreisen zu können, kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Allein seit Anfang Juni kamen auf der französischen Seite des Tunnels acht Menschen ums Leben.

Bei den 2000 Flüchtlingen, welche in der vergangenen Nacht den Eurotunnel erreichen wollten, ist laut Innenminister Cazeneuve aber alles «ohne Drama» abgelaufen. Die Flüchtlinge seien vom Eurotunnel-Gelände ferngehalten worden.
Polizisten betonten, die Flüchtlinge seien nicht gleichzeitig gekommen, sondern über die Nacht verteilt.

«Unser gesamtes Sicherheitspersonal, also fast 200 Personen, und auch die Polizei waren gefragt», sagte ein Eurotunnel-Sprecher. Medienberichte, wonach mehrere Flüchtlinge verletzt wurden, bestätigten die Behörden nicht.

Die Betreibergesellschaft Eurotunnel verstärkte zuletzt die Sicherheitsmassnahmen in dem Gebiet um den Tunneleingang auf französischer Seite. Wegen der Mehrausgaben – und wegen Zugausfällen und Verspätungen infolge des Flüchtlingsansturms – hat das Unternehmen vergangene Woche von Frankreich und Grossbritannien 9,7 Millionen Euro an Entschädigungen verlangt.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Jetzt zeigt sich so richtig, wie faul und verrostet Schengen in Wirklichkeit ist, dieses Schengen, welches von gewissen Politiker/innen und Wirtschaftsleuten immer noch blindlings hochgejubelt wird. Die Schweiz als souveränes Land mit der direkten Demokratie hat es in der Hand, diesen ominösen Vertrag, der uns nur Unheil beschert, zu kündigen, ungeachtet der Drohungen aus Brüssel. Es ist kaum mehr in Worte zu fassen, was sich in Sachen Flüchtlingstsunami Bedrohliches abspielt und macht Angst.
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  • Kommentar von Christa Wüstner, Reinach
    England versucht das Problem zu lösen mit einer Grenzsperre. Und übergibt praktisch den Franzosen die Verantwortung. Aber wo bleiben die Flüchtlinge, Calais ist wohl kaum der richtige Ort. Aber einmal in Europa, ist es auch einfacher sich anderen Ländern zuzuwenden. Viele wehren sich durch Grenzschliessungen bereits jetzt dagegen. Und die Schweiz..? Wird die dann zum letzten Aufnahmeort? Deutschland hat bereits auch schon grosse Probleme und es werden immer mehr kommen. Der Sommer ist noch lang
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  • Kommentar von Charles Halbeisen, Bronschhofen
    So sieht eine Völkerwanderung aus der Sicht der Zeitgenossen aus.
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