Föderalist träumt von Renaissance der USA

Der Republikaner Ken Ivory lebt in Utah, im Westen der USA. Er kämpft dafür, dass die Regierung in Washington ihren grossen Landbesitz an die Gliedstaaten zurückgibt. Für den glühenden Föderalisten geht es dabei um die Rettung des ganzen Landes.

Ken Yvory lehnt an einen Drahtzaun, hinter ihm ein Schild und trockenes Gras.

Bildlegende: Ken Ivory will die Balance zwischen den Bundesstaaten und dem Zentralstaat wiederherstellen. SRF/Priscilla Imboden

Noch bevor er im Café Platz nimmt, legt er einen Stapel Dokumente auf den Tisch. Ken Ivory, Republikaner im Kongress von Utah, lässt den üblichen Smalltalk bleiben. Er zieht die Gründungsurkunde seines Bundesstaates hervor und zeigt auf sie.

«Es ist die gleiche Regelung wie alle anderen Staaten hatten. Sie sagen, der Westen sei anders. Das stimmt aber nicht, es ist das gleiche Versprechen.» Jenes, dass die USA ihre Ländereien nur provisorisch verwalten und danach an die Gliedstaaten abgeben würden. Mehr als die Hälfte des Landes westlich der Rocky Mountains gehört aber immer noch der Bundesregierung in Washington, seitdem diese sie Frankreich abkaufte und von Mexiko eroberte.

Landflächen verdörren, Tiere sterben

In Ivorys grossem Geländewagen gehts zum Anschauungsunterricht aufs Land. Der 53-jährige Anwalt fährt am Utah-See entlang. Auf der anderen Seite ragen die schneebedeckten Gipfel der Wasatch-Bergkette in die Höhe. Am Ziel: Ein Stacheldrahtzaun, Betonblöcke und ein Schild mit der Aufschrift: «Kein Zugang, Zielschiessen verboten». Es trägt das Signet der zuständigen Bundesbehörde, des Federal Bureau of Lands Management.

Dahinter ist ein Hang mit kargem Gebüsch. Hier sei er früher in Geländewagen herumgefahren und habe Schiessübungen gemacht, erklärt Ivory. Nun ist das Land abgeriegelt. Es sei höchst problematisch, wenn die lokale Bevölkerung keine Kontrolle mehr über ihr Land habe, sagt er. «Das Land, das national verwaltet wird, ist in schrecklichem Zustand. Die Wälder sind überwachsen und so brennbar wie eine Dynamitfabrik. Tiere verenden in den Flammen, die Luft wird verpestet und unsere Wasserversorgung gefährdet.»

Ein vor vier Jahren vom Kongress in Utah verabschiedetes Gesetz verlangt, dass Utah alle Bundesgebiete innerhalb seiner Grenzen zugesprochen erhält, mit Ausnahme der Nationalparks wie dem Grand Canyon und der Indianerreservate. Das Gesetz stammt aus der Feder Ivorys. Washington reagierte nicht, deshalb will Utah den Transfer nun auf gerichtlichem Weg erzwingen. Ob das möglich ist, ist keineswegs sicher: Bis jetzt scheiterten ähnliche Fälle bereits auf tiefen Instanzen.

Utah interessiert an Kohle und Erdöl

Gegner des Vorhabens wie der Umweltschutzverband Sierra Club kritisieren, Utah wolle sich das öffentliche Land krallen, um Erdölförderung und Kohlebergbau zuzulassen. Der Lokalpolitiker gibt dies unumwunden zu: «Natürlich! Wir wollen unabhängig sein von Energieimporten. Wir wollen gesunde und wirtschaftlich produktive Wälder. Wir wollen die Schulen finanzieren können, für unseren eigenen Bundesstaat sorgen.»

Das Thema Klimawandel das sei nur Propaganda, um dem Zentralstaat mehr Macht zu geben, ist Ivory überzeugt. Zu viel Macht für Washington, das sei nicht nur ein Problem für Utah. Das ganze Land sei aus der Balance geraten. «Es ist wie bei einem Fahrrad. Es hat zwei Räder. Unser System hat zwei Regierungsebenen: die Bundesstaaten und der Zentralstaat.» Nun sei der Zentralstaat so aufgebläht, das eine Rad so überdimensioniert, dass das Velo fast nicht mehr fahren könne.

«  Das System ist kaputt und beide Parteien sind daran schuld. »

Ken Ivory
Republikanischer Politiker, Utah

«Ist eine neue Person, die das Velo fährt, die Lösung?», fragt Ivory rhetorisch. «Oder ob es ein wenig mehr nach rechts oder links fährt? Wir reden momentan über einzelne Präsidentschaftskandidaten statt über das System.» Das System ist seiner Meinung nach kaputt. Beide Parteien seien daran schuld, sagt der Republikaner.

Kein Vertrauen in den New Yorker Trump

Wen er wählen wird? Er weiss es nicht. Ivory hat sich mit Beratern Donald Trumps getroffen. Im neuen Parteiprogramm der Republikaner steht, dass das nationale Land den US-Bundesstaaten übergeben werden solle. Ein grosser Fortschritt für Ivory. Aber Trump traut er noch nicht über den Weg. Ein New Yorker sei dieser, der wenig über den Westen wisse.

Ivorys Hoffnung liegt sowieso bei den Bundesstaaten. Unermüdlich bereist er als Präsident der Organisation American Lands Council den Westen der USA, wirbt für sein Anliegen, das stets grössere Aufmerksamkeit erlebe, sagt er. «Der Gouverneur von Texas beeindruckt mich sehr: Er beruft sich auf die Verfassung, um die Regierung in Washington auf ihre ursprünglichen Kompetenzen zu begrenzen: innere Sicherheit, stabile Geldpolitik, Militär.»

Ivorys Blick schweift über den See und die schneebedeckten Gipfel in der Ferne – alles national verwaltetes Land. Der wuchernde Zentralstaat stelle die Grundrechte in Frage, die die USA ausmachten: den Schutz des Eigentums und die freie Entfaltung des Einzelnen. Der Westen werde Washington zwingen, das Land zu übergeben, glaubt Ivory, und das sei der erste Schritt für eine Renaissance der USA.

Gemeinsamer Nenner gesucht!

Im US-Wahlkampf driften die Kandidaten, aber auch das Land und die Gesellschaft stark auseinander. Unter dem Titel «Divided We Stand» porträtiert das «Echo der Zeit» sechs Amerikaner, die für diese Polarisierung stehen. Alle setzen sich mit Herzblut für ihr Land ein, haben aber völlig verschiedene Vorstellungen davon, wie die USA aussehen sollen.