Zum Inhalt springen

International François Hollande tritt ab

Der französische Präsident François Hollande tritt 2017 nicht wieder zur Wahl an. Das gab er in einer Fernsehansprache bekannt.

Legende: Video Hollande tritt nicht mehr an abspielen. Laufzeit 0:27 Minuten.
Aus 10vor10 vom 01.12.2016.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Sozialist verzichtet als erster französischer Staatspräsident seit Jahrzehnten auf die Kandidatur für eine zweite Amtszeit.
  • Hollande erklärte in einer Ansprache, das Risiko mangelnder Unterstützung sei zu gross.
  • Aussichtsreichste Kandidaten für die Nachfolge bleiben Marine Le Pen und François Fillon.

Zweifel an Unterstützung im eigenen Lager

Der 62-jährige François Hollande erklärte in Paris: «Ich habe entschieden, im nächsten Jahr kein Kandidat für die Präsidentschaftswahlen zu sein.» In den kommenden Monaten wolle er sich voll darauf konzentrieren, das Land zu leiten, das ihm 2012 vertraut habe.

Hollande erklärte mit ernstem Blick, das Risiko sei zu gross, dass ihm die notwendige Unterstützung verwehrt bleibe. Der 62-Jährige ist Umfragen zufolge bei den Franzosen extrem unbeliebt, vielen gilt er als zu zögerlich und nicht geradlinig genug.

Ich kann keine Zersplitterung der Linken akzeptieren.
Autor: François HollandeFranzösischer Präsident

Tatsächlich hatte Hollande in seiner Amtszeit viele Rückschläge wegzustecken. Gleichwohl strich er in seiner Ansprache Erfolge wie die zuletzt gesunkene Arbeitslosigkeit, durchgesetzte Wirtschaftsreformen und gesellschaftliche Entscheidungen wie die Öffnung der Ehe für Homosexuelle heraus.

Wer tritt für die Sozialisten an?

Hollandes Verzicht auf einen Kampf um den Verbleib im Elysee-Palast mischt die Karten im sozialistischen Lager neu. So hat bereits Hollandes früherer Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg Interesse bekundet, bei der internen Kandidatenkür im Januar seinen Hut in den Ring zu werfen. Auch andere ehemalige Kabinettsmitglieder haben sich ins Gespräch gebracht. Zuletzt
deutete sogar Hollandes amtierender Ministerpräsident Manuel Valls an, er könne auch gegen seinen Chef antreten.

Allerdings hat die tief gespaltene Regierungspartei Befragungen zufolge – egal mit welchem Kandidaten – kaum Chancen, über die erste Runde der Präsidentenwahlen hinauszukommen.

Hollandes Kritik an den beiden Präsidentschafts-Favoriten

Die Wahl findet in voraussichtlich zwei Wahlgängen am 23. April und am 7. Mai kommenden Jahres statt. Für die Konservativen steigt der frühere Premierminister François Fillon ins Rennen um den Élyséepalast. Es wird damit gerechnet, dass es auf eine Stichwahl zwischen ihm und Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National hinauslaufen könnte.

Hollande kritisierte in seiner Ansprache die Positionen der beiden Favoriten. Fillons Programm stelle das soziale Modell Frankreichs infrage, ohne einen Nutzen für die Wirtschaft zu bringen, sagte er. Mit Blick auf den Front National sagte er: «Die grösste Gefahr ist der Protektionismus.»

Legende: Video Hollandes Erklärung in voller Länge (franz.) abspielen. Laufzeit 1:13 Minuten.
Vom 01.12.2016.

16 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Warum hat er nicht gleich Merkel mitgenommen....! (smile)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Man kann Hollande lieben, hassen oder sogar als unfähig beurteilen! Eines muss man allerdings dem amtierenden Präsidenten hoch anrechnen: Er wartet nicht, bis er (mit grösster Wahrscheinlichkeit) an der Urne nicht mehr gewählt wird! Er gibt freiwillig seinen Rücktritt, bzw. keine erneute Kandidatur, bekannt! Etwas, das wir auch öfters bei uns in der Schweiz ersehnen würden...!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      aber Hollande wusste doch ganz genau, dass er eine Wahl nicht mehr gewinnen kann. Er konnte gar nicht mehr warten. Eine kluge Entscheidung zum Schluss und eine hinterbliebene Freundin in Trauer.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
    Hollande wird als schlechter Präsident in die Geschichte eingehen. Er hat es nicht verstanden die Franzosen zu einen. Der Mann war auf der ganzen Linie eine Enttäuschung...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Ihre Ueberheblichkeit über alles der Welt überrascht niemand. Nur, die Sozialisten wurden eben durch Hollande etwas zurückgebunden und liess nicht alle bisherigen "Gewerkschafts-Hängematten" weiterhin aufgespannt. Hollande versuchte die Wirtschaft wieder konkurrenzfähiger zu machen und gab den "Schrillpfeifen und roten Streikerfahnen" auf den Strassen nicht immer nach! Jetzt beschuldigen ihn die Büezer und Staatsangestellten als unfähig und wollen einen anderen "strammen" Sozialist wählen!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen