Zum Inhalt springen

International G20 will bei Strukturreformen aufs Tempo drücken

Die Finanzminister und Notenbanker der führenden Industrieländer wappnen sich gegen weitere Abschwächungen an den globalen Märkten. Sie definieren Wachstumsziele, malen sich Risiken aus, nehmen sich Massnahmen vor – und halten sich für staatliche Konjunkturspritzen eine Hintertür offen.

Legende: Video Finanzministertreffen am G20-Gipfel abspielen. Laufzeit 1:52 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.02.2016.

Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) wollen eine weitere Abschwächung der Weltwirtschaft mit einem Reformschub verhindern. Darauf verständigten sich die G20-Finanzminister und -Notenbankchefs heute in Shanghai.

Auch die Schweiz war an der Beschlussfassung beteiligt. Namentlich Finanzminister Ueli Maurer und Nationalratspräsidetn Thomas Jordan waren an den Gipfel gereist.

Wachstum nicht ausgewogen

«Schnellere Fortschritte bei Strukturreformen sollten mittelfristig das potenzielle Wachstum stärken und unsere Volkswirtschaften innovativer, flexibler und widerstandsfähiger machen», heisst es in der G20-Erklärung. Einem Währungskrieg und Abwertungswettlauf erteilen die G20 eine Absage. Vereinbart wurde eine enge Abstimmung in der Wechselkurs-Politik.

Die Top-Mächte sehen die globale Wirtschaft zwar weiter auf Wachstumskurs. Sie verwiesen nach ihren zweitägigen Beratungen aber darauf, dass der Aufschwung ungleichmässig sei und hinter dem angestrebten Ziel eines nachhaltigen und ausgewogenen Wachstums zurück bleibe.

Brexit und Flüchtlingszuwanderung als Risiko

Als Risiken für die Weltwirtschaft nennen die G20 in ihrer Erklärung das Auf und Ab bei Kapitalströmen, die stark fallenden Rohstoffpreise sowie die «eskalierenden» geopolitischen Konflikte. Verwiesen wird aber auch auf den «Schock» eines möglichen EU-Austritts Grossbritanniens sowie eine grosse und steigende Flüchtlingszuwanderung in «einigen Regionen».

Es gebe zudem «wachsende Befürchtungen», dass die Vorhersagen für das globale Wirtschaftswachstum nochmals nach unten korrigiert werden.

Die G20 bekräftigten ihre Absage an Währungsabwertungen als Mittel, um sich im Wettbewerb auf den Weltmärkten Vorteile zu verschaffen. Mit einer weitergehenderen Formulierung als üblich betonten die Finanzminister und Notenbankchefs zugleich: «Wir werden uns eng abstimmen über die Devisenmärkte.»

Staatliche Konjunkturspritzen sind weiterhin möglich

Mit Blick auf die anhaltende Politik des billigen Geldes durch die Notenbanken erklären die G20, die Geldpolitik werde fortgesetzt, um die Wirtschaft zu stützen und Preisstabilität zu erreichen. Die Länder stellen aber auch fest: «Die Geldpolitik allein kann nicht zu ausgewogenem Wachstum führen.»

Die G20 betonen ihre «Bereitschaft, auf mögliche Risiken zu reagieren» und – falls nötig – Wachstum und Stabilität zu stützen. Damit halten sich die Länder zumindest die Möglichkeit offen, gegebenenfalls auch mit staatlichen Konjunkturspritzen zu reagieren. Die Finanzpolitik sollte so «wachstumsfreundlich wie möglich» sein. Sie solle «flexibel» genutzt werden, um das Wachstum zu stärken sowie Jobs und Vertrauen zu schaffen – ohne aber den Schuldenstand aus den Augen zu verlieren.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von DMC Sickair (Cleanair Productions)
    Auf obigem Bild mit den aufgereihten G20 Finanzministern und Notenbankern, fehlt der Leichenberg für den sie seit geraumer Zeit verantwortlich sind.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    G20 will bei Strukturreformen aufs Tempo drücken... Das heisst auch, es gibt mehr Flüchtlinge. Der kausale Zusammenhang erschliesst sich leider vielen immer noch nicht. Wir leben halt nun mal in einer globalen, interpendenten Welt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Also wenn die G 20 nur auflistet welche Risiken es gibt, das sehe ich täglich auch in den Nachrichten. Kommen mir vor wie eine Notenbank. Doch ich finde das ist nicht die herausragendste Aufgabe, sonder es sind realistische Visionen die den Geldmarkt umbauen sollten so dass Wachstum entstehen kann. Es geht also eher um Themen wie Ölpreis, Leitwährung stabile Kontinentalwährungen oder Koruptionsbekämpfung. Und abgewertet wird ja sehr wohl, in Japna, China oder wo immer sie es für nötig halten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen