Gegen den Trend: Russland verkauft mehr Waffen

Weltweit gehen die Waffenverkäufe seit einigen Jahren leicht zurück. Die Umsätze russischer Rüstungskonzerne schiessen dagegen in die Höhe. Denn die Regierung investiert kräftig. Entgegen dem weltweiten Trend sind die Waffenverkäufe russischer Rüstungsunternehmen 2013 stark gewachsen.

Raketen auf einer Lafette

Bildlegende: Russische Flugabwehr-Raketen bei einer Waffenschau in der Nähe von Moskau. Keystone


Der Waffenhandel blüht

1:37 min, aus HeuteMorgen vom 15.12.2014

Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI verkauften die grossen Rüstungskonzerne Russlands etwa 20 Prozent mehr Militärgüter als im Vorjahr. Nach Einschätzung der Friedensforscher ist das vor allem auf das Ausgabenprogramm der russischen Regierung zurückzuführen.

«Diese Investitionen sind ausdrücklich dafür vorgesehen, die nationalen Produktionsfähigkeiten und Waffen zu modernisieren, um sie auf Augenhöhe mit den Fähigkeiten und Technologien der grossen Waffenproduzenten in den USA und Westeuropa zu bringen», erklärte der Sipri-Experte Siemon Wezeman die Zahlen, die heute Montag veröffentlicht wurden. Unter den Top 100 der weltweit führenden Waffenhersteller sind zehn russische Produzenten.

38 US-Konzerne unter Top 100

Insgesamt machten die führenden Rüstungsunternehmen weltweit 2013 zum dritten Mal in Folge etwas weniger Kasse. Laut SIPRI setzten die 100 grössten Hersteller zusammen 402 Milliarden Dollar und damit zwei Prozent weniger als im Vorjahr um. Im Jahr 2011 betrug der Rückgang noch 3,9 Prozent. Unternehmen aus China flossen allerdings wegen fehlender Daten nicht in die Untersuchung ein.

Rückläufig sind vor allem die Umsätze der Unternehmen mit Hauptsitz in den USA und Kanada. Während die Anteile von Waffenproduzenten aus Asien steigen, kommen mehr als zwei Drittel der Hersteller in den Top 100 jedoch weiter aus Nordamerika und Westeuropa. US-Konzerne belegen in der Liste 38 Plätze.

Die Liste wird laut SIPRI weiter von den US-Konzernen Lockheed Martin und Boeing mit knapp 35,5 beziehungsweise 30,7 Milliarden Dollar angeführt. Auf dem dritten Platz folgte das britische Unternehmen BAE Systems mit gut 26,8 Milliarden Dollar. Auf Platz sieben stand der europäische Konzern EADS mit gut 15,7 Milliarden Dollar.

Hohe zweistellige Zuwachsraten bei den Waffenverkäufen verzeichnen die Russen. Aber auch die Schweizer Firma Pilatus Aircraft verzeichnete mit 770 Millionen einen enormen Zuwachs. Letztes Jahr war der Konzern nicht einmal unter den Top 100 der Rüstungsindustrien.

Rüstungsriesen

Die grössten Waffenhersteller der Welt (ohne China) 2013 nach Umsatz mit Rüstungsgütern in Mrd. US-Dollar.
Die grössten Hersteller (ohne China)LandUmsatz in Mrd. Dollar (gerundet)Prozent des GesamtumsatzesVeränderung zum Vorjahr
1Lockheed MartinUSA35,578%-1,4%
2BoeingUSA30,735%+0,3%
3BAE SystemsGrossbritannien26,894%+0.2%
7EADSEuropa15,720%+2,7%
12Almaz-AnteyRussland8,094%+38,2%
15United Aircraft Corp.Russland5,580%+24,5%
17United Shipbuilding Corp.Russland5,180%+23,4%
91RuagSchweiz0,844%-12,0%
100Pilatus AircraftSchweiz0.770%+62,6%

Der SIPRI-Report

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut hat eine Kurzfassung des Reports im Internet veröffentlicht.

Sendung zu diesem Artikel

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Der deutsche Kampfpanzer «Leopard 2 A7 +» von Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Das Unternehmen fusioniert mit dem französischen Rüstungskonzern Nexter.

    Europas Rüstungsindustrie schrumpft

    Aus Echo der Zeit vom 16.7.2014

    Europas Rüstungsindustrie ist viel zu gross. Die Devise lautet: Neuorientierung, Fusion oder Abbau. Obwohl Russland wieder zum neuen alten Feind wird, wird das Geschäft für Europas Waffenschmieden weiter schwinden.

    Fredy Gsteiger

  • Nur der Westen rüstet ab

    Aus Tagesschau vom 14.4.2014

    Alles in allem wurde 2013 bereits zum zweiten Mal in Folge weniger Geld in Armeematerial gesteckt. Das zeigt der jährliche Bericht des Stockholmer Friedensinstituts Sipri. Der Rückgang sei aber einzig auf Einsparungen der USA als grösste Militärmacht zurückzuführen.

  • Lockerung für Waffenexporte

    Aus 10vor10 vom 5.11.2013

    Die Schweizer Waffenindustrie soll Waffen leichter ins Ausland exportieren können. Nach dem Ständerat hat heute auch die zuständige Nationalrats-Kommission einem entsprechenden Vorstoss zugestimmt. Menschenrechts-Organisationen kündigen bereits Widerstand gegen die geplante Lockerung an.