Geheimdienst NSA lässt noch mehr Muskeln spielen

Mit dem Überwachungsprogramm «Muscular» sammelt die NSA direkt bei den Internetkonzernen Google und Yahoo riesige Mengen an Daten von deren Kunden. Die nun bekannt gewordenen Aktivitäten stellen die Sicherheit von Cloud-Diensten und des Handy-Betriebssystems in Frage.

Zahlenwirrwar auf Computer-Bildschirm

Bildlegende: Die NSA hat direkten Zugriff auf Datenleitungen von Google und Yahoo. Reuters

Dass Nutzer der Internetdienste von Google und Yahoo vom amerikanischen Geheimdienst NSA ausspioniert worden sind, ist bekannt. Durch die Enthüllungen des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Eduard Snowden wurde zunächst das Geheimdienstprogramm «Prism» bekannt, in dessen Rahmen die NSA spioniert hat. Damit hat der Geheimdienst in den USA Zugriff auf Nutzerdaten, welche ihm die beiden Internetfirmen selbst liefern mussten.

Appetit auf mehr bekommen

Mit den jüngsten Enthüllungen der «Washington Post» haben die Spionageaktivitäten der NSA aber eine neue Dimension erreicht: Die gezielten Angriffe auf Google und Yahoo in Zusammenarbeit mit dem britischen Geheimdienst gehen viel weiter. Sie erfolgen im Ausland und gewähren direkten Zugriff auf Nutzerinhalte wie Mailtexte, Sprachnachrichten und Videos. Laut der Zeitung seien derart gross angelegte Überwachungsaktionen auf amerikanischem Boden illegal.

NSA zeigt noch mehr Muskeln

Die NSA nutzt dafür die Schwachstelle im Datenverkehr zwischen den Rechenzentren der beiden Internetkonzerne: die Glasfaserverbindungen. Google und Yahoo speichern die Daten ihrer Nutzer in mehreren grossen, über die Welt verteilten Rechenzentren.

Diese sind mit Glasfaserkabeln verbunden, welche die NSA anzapft. Das entsprechende Programm heisst «Muscular» (muskulös), wie die nun bekannt gewordenen Snowden-Dokumente zeigen.

Google und Yahoo im Kern getroffen

«Muscular» überwacht das Netz von Google und Yahoo bis in die Details und gefährdet damit die Geschäfte der beiden Konzerne. Diese müssen nicht nur mit massiven Imageverlusten rechnen, sondern auch mit dem Abwandern von Kunden (Privatpersonen, aber auch kleinere und mittelgrosse Firmen). Und schlimmer noch: Die Überwachungsaktion stellt sogar die Sicherheit der Cloud-Dienste und wohl auch von Googles Betriebssystem Android für Handys in Frage.

Der US-Geheimdienst und sein britisches Pendant sammeln mit ihrem direkten Zugriff auf die Datenleitungen so grosse Mengen an Informationen, dass diese sich nicht als Ganzes über einen längeren Zeitraum speichern lassen.

Riesige Datenmengen bewältigen

Deshalb setzt die NSA Filtersysteme ein, die interessante und zum Speichern lohnenswerte Daten herausfischen. Analysiert werden diese dann gemäss «Washington Post» mit der Software «XKeyscore». Diese sucht die Informationsflut nach verdächtigem Material ab und arbeitet mit Schlüsselwörtern, erschliesst aber auch Zusammenhänge zwischen Informationen.

Widerstand in den USA dürfte wachsen

Die flächendeckenden Aktivitäten der NSA dürften auch in der US-Bevölkerung den Widerstand gegen Bespitzelungen im Internet nähren. Bisher reagierte die Öffentlichkeit recht gelassen. Auftrieb bekommt sicher die Bewegung «StopWatching us», welche die Proteste kanalisiert. Und die beiden betroffenen Internetkonzerne werden aufrüsten: Google hat bereits angekündigt, die Verbindungen via Glasfaserkabel zwischen den Rechenzentren zu verschlüsseln.

Mehr zur NSA-Affäre

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • NSA-Spionage: Angriff statt Verteidigung

    Aus Tagesschau vom 30.10.2013

    Die Chefs der US-Geheimdienste haben gestern ihre Version der Spionage-Affäre in Europa präsentiert. Demnach würden Europäische Geheimdienste selber Daten über ihre Bürger sammeln und diese dann der NSA weitergeben. Bundespräsident Ueli Maurer äussert sich dazu dezidiert: man habe keinen Kontakt mit dem US-Geheimdienst und teile auch keine Daten mit der NSA.

  • Irrungen und Wirrungen um NSA-Abhör-Affäre

    Aus Tagesschau vom 28.10.2013

    Die Affäre um den amerikanischen Geheimdienst NSA wird immer komplizierter und komplexer, seit das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu gekommen ist. Es ist schwer abzuschätzen, wer wann von was gewusst hat. Selbst im Weissen Haus hat offenbar niemand mehr den Durchblick. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Arthur Honegger aus Washington D.C.