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International Geheimdienste klauen Daten zum Knacken von Handys

Die Geheimdienste der USA und Grossbritanniens sollen einem Medienbericht zufolge in der Lage sein, die Verschlüsselung von SIM-Karten in Mobiltelefonen zu knacken. Das berichtet das Internet-Portal «The Intercept» unter Berufung auf Snowden-Dokumente.

Der Skandal um die Abhöraktivitäten der NSA und ihres britischen Pendants GCHQ nimmt immer grössere Dimensionen an. Der US-Geheimdienst soll schon vor Jahren den weltgrössten Hersteller von SIM-Karten und anderen Sicherheitschips, den niederländischen Konzern Gemalto, attackiert haben. Die NSA hat aber offenkundig nicht allein gehandelt; die britischen GCHQ sollen ihr geholfen haben.

Seit ihrem Angriff auf Gemalto können die beiden Dienste die geheimen Schlüssel vieler Smartcards und SIM-Karten lesen. Dies geht aus Dokumenten des Whistleblowers Edward Snowden hervor, die am am Donnerstagabend vom Investigativ-Portal «The Intercept» veröffentlicht worden sind.

«Als wäre die Mobil-Telefon-Kommunikaton gar nicht geschützt»

Laut SRF-Digitalexperte Guido Berger bedeutet die jüngste Enthüllung, «dass Geheimdienste Mobil-Telefon-Kommunikation abhören können, als wäre sie gar nicht geschützt.» Auch Gespräche und Datenverbindungen, die über modernste Mobilfunktechnologien wie UMTS oder LTE geführt werden, sind vor einer Belauschung durch die Geheimdienste nicht gefeit. Sie galten bisher als sicher oder als nur mit grossen Aufwand für heimliche Lauscher zugänglich.

Mann mit einem Handy am Ohr.
Legende: Können die Geheimdienste NSA und GCHQ Handy-Gespräche abhören? Keystone

Nach Einschätzungen des Chaos Computer Clubs – einer deutschen Hackervereinigung – müssen die HSA und GCHQ, sofern sie die Schlüssel besitzen, nicht mehr notwendig vor Ort aktiv werden. Sie können auch weltweit abhören, ohne dabei entdeckt zu werden.

Die Dienste könnten laut Experten den Klau auch dazu verwenden, die Endgeräterkennungen (IMEI) der Handys auszuspähen. Die HSA und GCHQ könnten damit eine Person auch dann weiterverfolgen, wenn sie in ihrem Handy die SIM-Karte austauschte.

Doch damit nicht genug: Wenn die Informationen von «The Intercept» stimmen, reicht die Tragweite des gigantischen Schlüssel-Diebstahls auch über die Telekommunikationsbranche hinaus. Auch in modernen Pässen und Personalausweisen stecken Chips mit Verschlüsselungszertifikaten, die möglicherweise kompromittiert sein können.

Dabei ist laut Guido Berger der Erfolg des Aufwands gerade im terroristischen Bereich ungewiss: «Es ist zumindest fraglich», sagt er, «ob diese Art der Überwachung wirksam ist gegen die grossen Fische.» Dies, zumal die gut ausgebildete Terroristen «ohnehin nur sehr vorsichtig Mobiltelefone benutzen» würden.

SIM-Karten-Hersteller wachsam

Eine Unternehmenssprecherin der niederländischen Firma Gemalto teilte am Freitag mit, dass der Bericht von «The Intercept» «sehr ernst» genommen werde. Gemalto werde «alle notwendigen Ressourcen» aufwenden, um den Vorwürfen nachzugehen.

Das Unternehmen sei in den vergangenen Jahren immer wieder von Hackern angegriffen worden und verhalte sich «besonders wachsam». Bis anhin sei allerdings noch keine Verbindung zwischen früheren Hackerattacken und mutmasslichen Aktivitäten von NSA und GCHQ festgestellt worden.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    Nur wer selber Dreck am Stecken hat, geht davon aus, dass jeder so ist. Und was ist mit der Schweizer Regierung? Die schweigt und schaut, dass Bankakten in die USA geschickt werden. Es macht echt Angst wie niederträchtig die Regierungen heute sind.
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  • Kommentar von M.Strehles, Zürich
    Naja, wer von dieser Meldung überrascht ist, der hat die letzten Jahre wohl hinter dem Mond verbracht. Wir können so gut wie immer und überall abgehört und überwacht werden. Und wisst ihr was, das ist mir so was von egal! Ich habe nichts zu verbergen.
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    1. Antwort von Roger Breitler, Zürich
      @M.Strehles: Die unpassendste Antwort zu diesem Thema ist "egal, ich habe nichts zu verbergen". Jeder hat das Recht auf Privatsphäre, niemald will ernsthaft, dass sämtliche Details über sich in Geheimdienstakten oder beim Nachbar auftauchen. Es gibt tatsächlich Leute, die verhalten sich z.B. am Handy so, also ob es ihnen egal ist, was rundherum alle Mithörer über Details denken. Leute wie Sie reiben sich dann ganz verwundert die Augen, wenn plötzlich was rauskommt, was doch nicht ganz egal ist.
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    2. Antwort von Hans Meier, Fribourg
      Für alle, die nichts zu verbergen haben... Postet doch eure Benutzernamen und Passwörter zu euren Emailkontos, Facebook usw gleich hier im Forum! So viel zu "ich hab nichts zu verbergen..."
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    3. Antwort von Hans Klein, Bern
      "Ich hab nichts zu verbergen; ist mir egal, ob ich überwacht werde." – "Haben Sie Kinderpornographie auf Ihrem Computer?" – "Natürlich nicht!" – "Können wir ändern. Wollen Sie welche?" … "???" MIttels der Daten, die hier geklaut wurden, kann man Ihnen nicht nur ALLES unterschieben und "Spuren" für Kontakte fälschen, die Sie kompromittieren. Man kann auch jegliche Spuren verwischen, die diese Aktivitäten belegen könnten. Ebenso für EC-Chip-, Gesundheitskarten und sogar "biometr." Pässe!!
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Was glauben Sie, was unsere und andere Geheimdienste tun? die sind alle gleich. Mit solch banalen Themen will man uns wohl von etwas viel Wichtigerem ablenken, oder?
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      M. Roe, unser NDB hört ab? Mit Blick auf das NDB-Gesetz fehlt im dazu zur Zeit scheinbar die Grundlagen. Und wenn das Gesetz auch mal in Kraft wäre so bleibt er zwangsläufig Handzahm. Mit dem Gesetz hinkt er m.E. 80 Jahre der Zeit hinterher! Zumal, Menschen mit krimineller Energie sind dem Gesetze nun mal immer einen Schritt voraus. Und Schweizer sind leider meines Erachtens schon auf eine Art naiv. Schliesse mich da ihnen am: Was bezweckt man mit diesem Artikel?
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