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Schweizerinnen und Schweizer stecken im Ausland fest
Aus Treffpunkt vom 26.03.2020.
abspielen. Laufzeit 56:47 Minuten.
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Gestrandete Schweizerinnen «Wir können nicht ausreisen»

Die Schweiz repatriiert ihre Staatsangehörigen, die sich im Ausland auf Reisen befinden – auch aus Peru, wo zahlreiche Personen festsitzen. Aus Lima kam heute ein erster durch das Aussendepartement (EDA) organisierter Flug mit rund 300 Personen in der Schweiz an.

Amrai Hahn wäre gerne mitgeflogen – doch sie steckt in Cusco, Peru fest. Wie das EDA heute an der Pressekonferenz bestätigte, sei ein geplanter Zubringerflug von Cusco in die Hauptstadt Lima von den peruanischen Behörden untersagt worden. Doch bei Amrai Hahn kommt noch ein gravierendes Problem hinzu.

Amrai Hahn

Amrai Hahn

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Die dreissigjährige medizinische Praxiskoordinatorin ist zurzeit mit einer Freundin auf Reisen in Südamerika. Seit Ende Februar steckt sie in Peru fest.

SRF News: Warum waren Sie nicht an Bord des ersten Fliegers?

Amrai Hahn: Zusammen mit 120 anderen Schweizern stecke ich in Cusco fest. Denn der Flughafen von Cusco ist geschlossen und Inlandreisen sind in Peru aufgrund der Corona-Krise verboten. Zudem steht unser Hostel mit rund 140 Gästen unter vollständiger Quarantäne. Wir können also nicht aus Peru ausreisen.

Weshalb dürfen Sie das Hostel nicht verlassen?

Weil zwei Hostelgäste positiv auf das Virus getestet wurden. Den beiden Gästen geht es zwar wieder gut, doch wir werden hier im Hostel festgehalten. Seit gestern wurden zudem drastische Massnahmen verfügt. Die Strasse vor unserem Hostel ist von der Polizei abgesperrt, die gesamte Strasse wurde desinfiziert und uns drohen Gefängnisstrafen bei Nichteinhaltung von fünf bis zehn Jahren. Das Hostel teilte uns ferner mit, dass der positive Befund eine Quarantäne-Massnahme von bis zu drei Monaten bedeuten kann. Wir teilen uns hier Zimmer von durchschnittlich 14 Quadratmeter zu sechst. Die Zustände sind desolat – die Stimmung sinkt und die Panik steigt.

Zimmer im Hostel
Legende: Das Zimmer, in dem die Touristinnen den ganzen Tag bleiben müssen und nur zum Essen verlassen dürfen. Amrai Hahn

Sind Sie mit den Schweizer Vertretungen, die die Rückflüge organisieren, in Kontakt?

Ja, wir stehen im engen Kontakt mit der schweizerischen Honorarkonsulin in Cusco. Sie kümmert sich sehr gut um uns. Sie ist sogar mit uns insgesamt acht Schweizern, die im Hostel festsitzen, in einem Whatsapp-Chat. Die Konsulin ist in Gesprächen mit der schweizerischen Botschaft in Lima – doch eine Lösung ist bis jetzt noch keine in Sicht. Wir befinden uns in einer ausserordentlichen Lage. Denn das peruanische Militär lässt bisher niemanden mit positiven Corona-Befund ausfliegen. Und die Kommunikation der peruanischen Regierung ist widersprüchlich.

Wie handeln die Heimatstaaten der anderen Hostelgäste?

Ich habe von meinen deutschen und englischen Freunden im Hostel gehört, dass für Bürger ihres Landes Rettungsflüge geplant sind. Wie die deutschen und englischen Behörden allerdings mit unserer speziellen Situation umgehen, weiss ich auch nicht. Sehr wahrscheinlich stehen die vor derselben Herausforderung wie die Schweizer Vertretung mit den peruanischen Behörden. Zumindest von der deutschen Vertretung weiss ich, dass auch ihnen vorerst die Hände gebunden sind – sie aber alles versuchen.

Wie geht eigentlich die lokale Bevölkerung in Cusco mit der Krise um?

Wir können ja nicht raus, aber was wir durch die sozialen Medien mitbekommen haben, verhält sich die lokale Bevölkerung kritisch gegenüber Touristen. Denn sie machen uns dafür verantwortlich, das Coronavirus nach Cusco gebracht zu haben. Cusco ist wie eine Geisterstadt, alles ausser Supermärkte und Apotheken sind geschlossen. Die Strassen werden von Polizisten und dem Militär patrouilliert. Wir hoffen, dass das alles bald ein Ende hat.

Das Gespräch führte Luca Froelicher.

Espresso, 24.03.2020, 08.10 Uhr; srf/frol;blac

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