Gewalteskalation hält Israel in Atem

Israel wird von einer neuen Anschlagsserie erschüttert und droht mit härteren Schritten gegen die Palästinenser. Innert kürzester Zeit sind vier Menschen getötet worden. Als Reaktion haben die Behörden die gesamte Altstadt von Jerusalem für Palästinenser gesperrt.

Militär an einem Kontrollposten in der Jerusalemer Altstadt.

Bildlegende: Die Sicherheitskräfte haben ihre Präsenz in der Jerusalemer Altstadt ausgebaut. Palästinensern ist der Zutritt verwehrt. Keystone

Bei Anschlägen in Jerusalem sind binnen weniger Stunden vier Menschen getötet worden, darunter zwei palästinensische Angreifer. In der Nacht zum Sonntag stach ein Mann einen 15-jährigen Israeli nieder und wurde dann von Polizisten erschossen. Der Jugendliche wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht. Nur wenig zuvor hatte ein Palästinenser in der Altstadt zwei Israelis mit einem Messer tödlich verletzt.

Israels Geheimdienstminister Israel Katz drohte angesichts der Anschläge mit einer neuen breiten Militäroperation. «Wir werden unsere Massnahmen gegen die Palästinenser verschärfen», sagte er dem israelischen Armeesender. Israel verbot Palästinensern aus dem Westjordanland für zwei Tage den Zutritt zur Jerusalemer Altstadt.

Sperrung der Altstadt als drastische Massnahme

Gemäss ARD-Korrespondent Torsten Teichmann hat der israelische Polizeisprecher Micky Rosenfeld sogar eingeräumt, dass es sich hierbei um eine sehr drastische Massnahme handelt. Aus israelischer Sicht sei sie aber nötig, um weitere Anschläge während der jüdischen Feiertage zu verhindern, sagt der Korrrespondent. Im Moment finden noch die letzten Tage von Sukkot, dem Laubhüttenfest, statt.

Die Sperrung gelte ausschliesslich für die palästinensische Bevölkerung, erklärt Teichmann. Dieser Entscheid begründe sich mit der Tatsache, dass Juden von Palästinensern angegriffen worden seien. Die Behörden wollten Sicherheit für die eigene Bevölkerung schaffen. «Dies bedeutet vor allem Sicherheit für die jüdische Bevölkerung.»

Attentäter hat auf Polizisten und Touristen geschossen

Ein Palästinenser hatte am Samstagabend nach Angaben der Polizei in der Altstadt auf mehrere Mitglieder einer jüdischen Familie eingestochen und dabei zwei Männer getötet. Einem von ihnen – einem 21 Jahre alten Soldaten – habe er seine Waffe weggenommen und auf eine Gruppe von Touristen und Polizisten geschossen, bevor er selbst erschossen wurde.

Bei einer Festnahmeaktion der israelischen Armee in der Palästinenserstadt Dschenin im nördlichen Westjordanland wurden nach palästinensischen Medienberichten mehr als 30 Palästinenser verletzt. Zwei Terrorverdächtige seien festgenommen worden.

«Klare Botschaft» an Israel

Angesichts eines Streits um die Nutzung des Tempelbergs in Jerusalem hatte es zuletzt immer wieder Konfrontationen zwischen Palästinensern und Israelis gegeben. Die USA zeigten sich beunruhigt über die Spannungen. Der Sprecher des Washingtoner Aussenministeriums, John Kirby, rief alle Seiten auf, eine Eskalation der Lage zu verhindern.

Die radikal-islamische Hamas begrüsste den Anschlag auf die jüdische Familie in Jerusalem als «klare Botschaft» an Israel. Die Palästinenser seien bereit, bei der Verteidigung des Tempelbergs zu sterben.

Fortsetzung der Konfrontationen

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon zeigte sich indes beunruhigt von den Ereignissen in Israel. Er forderte alle Beteiligten dazu auf alles Nötige zu tun, um eine weitere Eskalation der Gewalt zu verhindern und zeigte sich tief beunruhigt über die Äusserungen der Hamas

Die beiden Attentate vom Wochenende sind aber nicht die einzigen Gewaltexzesse der letzten Zeit. Bereits am Donnerstag hatte ein mutmasslich palästinensischer Täter im Westjordanland ein jüdisches Elternpaar vor den Augen seiner vier Kinder erschossen.