Giftmord an Arafat: Letzte Beweise fehlen

Der 2004 gestorbene Palästinenserführer Jassir Arafat ist vermutlich einem Giftmord zum Opfer gefallen. Doch die letzten Beweise fehlen. Das gaben Schweizer Forscher in Lausanne bekannt.

Es könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, dass Arafat vergiftet worden sei, betonten die Schweizer Mediziner vom Institut für Radiophysik der Uni-Klinik von Lausanne (CHUV). Sie hatten Proben von Knochen und Kleidung Arafats untersucht.

Porträt von Jassir Arafat.

Bildlegende: Die genaue Todesursache von Jassir Arafat wird wohl nie restlos geklärt. Keystone

Die Forensiker favorisieren die These, dass der ehemalige PLO-Chef vergiftet wurde. Ihre Resultate würden diese These «mässig stützen», sagten sie.

Schwierige Analysen

Für Gewissheit würden noch viel mehr Informationen gebraucht, sagte François Bochud, Chef der Strahlenphysik. Die Analysen seien besonders schwierig gewesen, da acht Jahre zwischen dem Tod Arafats und dem Beginn der Untersuchungen gelegen hätten.

«Wir konnten nicht kontrollieren, dass die Proben unter Bedingungen konserviert worden sind, die wir uns gewünscht hätten», sagte Patrice Mangin, Chefforensiker der Uniklinik.

Israel weist Verantwortung zurück

In den Proben von Rippen und Beckenknochen sei Polonium 210 in einer bis zu 20 mal höheren Konzentration gefunden worden, als normal, sagte Bochud weiter. Die Forscher zeigten sich überrascht über die hohe Konzentration.

Israel hat jede Verantwortung für den Tod Arafats zurückgewiesen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Polonium-210

    Aus Tagesschau vom 7.11.2013

    Möglicherweise starb Jassir Arafat tatsächlich an einer Überdosis Polonium-210. Das radioaktive Schwermetall wurde im 1898 von Marie Currie entdeckt, dafür wurde sie mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet. Polonium ist ein radioaktives chemisches Element, welches schwierig nachzuweisen aber hocheffektiv ist.

  • Wurde Arafat vergiftet?

    Aus Tagesschau vom 7.11.2013

    Selbst neun Jahre nach Arafats Tod sorgt die Todesursache des einstigen Palästinenser-Präsidenten für Unruhe. Jetzt melden sich die Wissenschaftler der Universität Lausanne, welche die sterblichen Überreste Arafats untersucht haben, zu Wort. Sie stellen klar: Arafat hatte Polonium im Körper - ob er daran starb, kann jedoch nicht mit Sicherheit beantwortet werden.

  •  Der Palästinenser-Führer Yasser Arafat blickt aus seinem Auto und macht das Victory-Zeichen in der Stadt Ramallah im Februar 2002.

    Vergiftungshypothese plausibel, aber nicht bewiesen

    Aus Echo der Zeit vom 7.11.2013

    Schweizer Forscher hätten Hinweise darauf, dass der ehemalige Palästinenserführer Jassir Arafat vergiftet worden sei. Und zwar mit dem radioaktiven Element Polonium: So die Spekulation. Nun haben die Forscher der Universität Lausanne ihre Fakten präsentiert.

    Martin Durrer