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International Gorbatschow warnt vor Drittem Weltkrieg

Der sowjetische Ex-Präsident Michail Gorbatschow sieht die Welt an einem Wendepunkt der Geschichte. Im Exklusiv-Interview mit der «Rundschau» äussert er sich zum neuen Konflikt zwischen dem Westen und Russland – und lobt die Rolle der Schweiz.

Legende: Video Gorbatschow warnt vor Drittem Weltkrieg abspielen. Laufzeit 07:47 Minuten.
Aus Rundschau vom 17.09.2014.

«Kreise, die an einer Aufrüstung interessiert sind, wollen den Anschein erwecken, dass die Lage beängstigend sei. Dabei wollen sie uns nur an den Gedanken eines neuen Krieges gewöhnen – eines Dritten Weltkriegs.» Michail Gorbatschow hat vor knapp dreissig Jahren mit seiner neuen Aussenpolitik das Ende des atomaren Wettrüstens eingeleitet.

Seit der Krise in der Ukraine geht wieder das Gespenst vom Gleichgewicht des Schreckens um in Europa. Letzte Woche hat Wladimir Putin eine neue atomare Interkontinentalrakete getestet.

«Putin wird provoziert»

Im «Rundschau»-Interview mit Susanne Wille zeigt Gorbatschow für Putin Verständnis: «Putin wird provoziert, den Rüstungswettlauf aufrechtzuerhalten – oder sogar noch anzuheizen. Die grösste Gefahr geht vom militärisch-industriellen Komplex aus.»

Schon vor mehreren Monaten habe er sich in einem Brief an die Präsidenten Obama und Putin gewandt und sie gebeten, die Kriegstreiber zu stoppen. Indirekt nimmt er insbesondere US-Präsident Obama in Schutz, der sich gegen ein militärisches Eingreifen in den Ukraine-Konflikt ausgesprochen hat: «Ich sehe, wie schwer es für Obama ist, er gilt als schwacher und nicht entscheidungsfreudiger Präsident, weil er am Schluss nicht so entscheidet, wie es der militärisch-industrielle Komplex will.»

Lob für Aussenminister Burkhalter

Die Sanktionen des Westens strapazierten die Geduld der russischen Politiker. Dagegen lobt Gorbatschow die Bemühungen von Bundespräsident Didier Burkhalter. Zwar trüge die Schweiz die Sanktionen teilweise mit, bemühe sich aber über den OSZE-Vorsitz aktiv um den Ausgleich zwischen den Konfliktparteien: «Es ist der richtige Weg, die Weltpolitik in eine andere Richtung zu drehen.»

Es gehe darum, gemeinsam Probleme zu lösen, denn die Welt sei voller Probleme: «Und doch will man uns wieder in ein Wettrüsten hineinziehen. Ich rufe die Menschen auf: Seid vorsichtig!»

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66 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Gorbatschow hat recht, wir sind tatsächlich an einem Wendepunkt angelangt. Von nun an geht's in Richtung Rivalität und man nimmt dabei einen kriegerischen Konflikt mir-nichts-dir-nichts in Kauf. - In wie fern ist da Deutschland über die EU wirklich auch verantwortlich zu machen ? - Diese Frage wird kaum bis gar nicht gerne in den Medien behandelt, und wenn, dann immer abwiegelnd bzw. ausweichend und abwehrend. - Sehr merkwürdig !
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    1. Antwort von G. Keller, Zürich
      @Hans Haller, Kölliken: Kennen wir doch alles schon, war doch schon beim Adolf so....
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Tja, Herr Gorbatschow hat auch einiges zur heutigen Weltlage beigetragen. Er liess den eisernen Vorhang fallen. Die Welt änderte sich schlagartig, nicht nur zum Positiven. Eine Rückkehr zum kalten Krieg ist programmiert. In den Zeiten des Kalten Krieges nach denn 2. Weltkrieg herrschte einigermassen Frieden. Doch der 2. Kalte Krieg ist weit gefährlicher, er könnte leichter in einen heissen Krieg ausarten. Denn überall motten Brandherde. Wie sähe die Welt heute wohl ohne Mauerfall aus?
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Die Glasnost- und Perestroika-Politik von Gorbatschow war schon richtig, nur wird sie von den jetztigen Kremlherren nicht weitergeführt. Dabei wäre es gerade wegen den vielen Brandherden wichtig, wenn die Grossmächte zusammenspannen würden.
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    2. Antwort von N.Belg, Luzern
      Glasnost und Perestrojka schon vorbei, ich meine Russland ist schon weit dran, aber EUSA brauchen diese Phase jetzt. Wie lange werden sie noch die Bevölkerung um den Finger wickeln mit ihren "Friedensprojekten"...
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    3. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Die Glasnost,- & Perestroika-Politik wurde durchaus von Putin weiter geführt. Sonst hätte er nicht die vollste Unterstützung Gorbatschows. Putin will keinen Krieg. Putin möchte weiterhin gute Geschäfte mit dem Westen machen. Was er will & wollte ist Anerkennung, der Gemeinschaft angehören, & man ihn respektiert. Statt dessen hat man ihn jetzt isoliert, diskriminiert. & ziemlich respektlos behandelt. Würden sie vor Begeisterung hüpfen, wenn man dasselbe Ihnen antun würde, lieber Herr Planta?
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  • Kommentar von Hans Berger, Bern
    Sehr gefährlich was Gorbatschow macht, ein paar falsche Worte gegen Putin und er klopft Steine!
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