«Grauenhafter Alltag in Syrien»

Syrien versinkt weiter im Chaos. Dauerndes Granatfeuer, tägliches Blutvergiessen und die unübersehbaren Engpässe in der medizinischen Versorgung zehren die Daheimgebliebenen aus. Zudem reisst die Serie von Anschlägen nicht ab. Dutzende Menschen fielen am Freitag einem Terrorakt zum Opfer.

Soldat trägt verletztes Kind

Bildlegende: Verwundete Kinder und kaum Aussicht auf medizinische Versorgung – ein düsterer Alltag, beklagt die UNO. Keystone

Bei dem Anschlag vor einer Moschee bei Damaskus sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 40 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien sieben Kinder, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Zunächst hatte die in London ansässige oppositionsnahe Organisation von mindestens 20 Todesopfern gesprochen.

Video «Kämpfe in Homs am Freitag (unkomm.)» abspielen

Kämpfe in Homs am Freitag (unkomm.)

0:33 min, vom 26.10.2013

Weitere Tote zu befürchten

Die heftige Explosion ereignete sich in der Stadt Suk Wadi Barada rund 40 Kilometer nordwestlich der syrischen Hauptstadt. Dutzende Menschen seien darüber hinaus verletzt worden, viele von ihnen schwer. Es sei daher mit weiteren Toten zu rechnen, erklärte die Beobachtungsstelle. Suk Wadi Barada wird von den Rebellen kontrolliert, aber von den Regierungstruppen belagert.

Die amtliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, es sei eine Autobombe explodiert, als «Terroristen» Sprengstoff in den Wagen nahe einer Moschee geladen hätten. Als Terroristen bezeichnet die Regierung alle Aufständischen. Die Rebellen machten hingegen Regierungstruppen für den Anschlag verantwortlich.


«Die UNO tut viel in Syrien»

4:23 min, aus SRF 4 News aktuell vom 24.10.2013

Grauenhafter Alltag

Dass die Menschen in Syrien immer stärker unter den Folgen des Bürgerkriegs leiden, haben die Vereinten Nationen erneut dokumentiert. «Worte, auch wenn sie zu schocken vermögen, können nicht wirklich ein Bild des düsteren und grauenhaften Alltags derzeit in Syrien zeichnen», sagte die UNO-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos in New York vor dem Weltsicherheitsrat. «Ich bin sehr enttäuscht, dass es uns nicht gelungen ist, mehr Fortschritte zu machen.»

«Die Situation im Land wird immer komplexer und gefährlicher», fährt Amos fort. «Einige schätzen, dass es mittlerweile 2000 bewaffnete Oppositionsgruppen in Syrien gibt.» Die Kämpfe zwischen diesen Gruppen nähmen zu. Wichtige Transportrouten seien daher unpassierbar. «Ich bin überaus enttäuscht, dass es uns nicht gelungen ist, grössere Fortschritte zu erzielen.»

«Wir beraten, und die Menschen sterben»

Drei Wochen seien vergangen, seit das Gremium eine nichtbindende Erklärung gebilligt habe, in der ein besserer Zugang für die Helfer gefordert wurde. Geändert habe sich aber nicht viel, monierte Amos. «Während wir beraten, sterben die Menschen.»

Amos appellierte an die 15 Mitglieder des Sicherheitsrates, ihren Einfluss in Syrien geltend zu machen, damit die Brutalität und die Gewalt in dem Land beendet werden. «Ohne echten und nachhaltigen Druck dieses Rates auf die syrische Regierung und die Oppositionsgruppen, wird ein Fortschritt unmöglich sein.»

Dunkelhäutige Frau redet

Bildlegende: Nimmt bei ihrer Kritik am UNO-Sicherheitsrat kein Blatt vor den Mund: Hilfskoordinatorin Amos. Reuters

Zwei Drittel aller Spitäler zerstört

In Syrien tobt der Bürgerkrieg seit mehr als zweieinhalb Jahren. Amos sagte, besonders problematisch sei, dass so viele medizinische Einrichtungen zerstört seien: 60 Prozent aller Krankenhäuser, 38 Prozent der Gesundheitszentren, 90 Prozent der Krankenwagen und 70 Prozent der Arzneimittel-Fabriken.

Die vorsätzliche Zerstörung dieser Infrastruktur bleibe «tägliche Realität». Zudem beklagte Amos, dass für die Finanzierung der humanitären Hilfe für Syrien immer noch rund die Hälfte des benötigten Geldes fehle.

Helfer und Hilfen verschwinden

In Syriens Kampfzonen wurden bisher über 115'000 Menschen getötet. Rund 2,1 Millionen sind ins Ausland geflohen, viele sind in ihrer Heimat auf der Flucht. Nur 15 internationale Hilfsgruppen dürfen in Syrien arbeiten. Immer mehr Helfer werden verschleppt, Camions mit Hilfsgütern entführt. Die UNO findet kaum noch Fahrer für ihre Transporte.