Griechenland steht für 24 Stunden still

Die jüngsten Wirtschaftszahlen aus Griechenland tönen vielversprechend: Kein anderes Land der Eurozone wuchs im dritten Quartal mehr, die Arbeitslosigkeit ist so tief wie seit zwei Jahren nicht mehr. Doch die Bevölkerung merkt davon nichts. Die Gewerkschaften rufen zum Streik auf.

Aufnahme einer leeren Chek-In-Halle an einem Flughafen in Griechenland.

Bildlegende: Proteste gegen die Sparpolitik der Regierung: In Griechenland geht am Donnerstag wenig. Keystone

Mit einem umfassenden Streik gegen die Sparpolitik der Regierung wollen die griechischen Gewerkschaften den Flug-, Bahn- und Fährverkehr am Donnerstag lahmlegen. Mit dem eintägigen Ausstand protestieren die Griechen auch gegen die hohe Arbeitslosigkeit und den Abbau des Sozialsystems.

Zwar wuchs Griechenlands Wirtschaft im dritten Quartal so sehr wie in keinem anderen Land der Eurozone. Die Arbeitslosigkeit ist so tief wie seit zwei Jahren nicht mehr und es wird erwartet, dass Griechenland auch auf das Gesamtjahr erstmals seit sechs Jahren wieder wächst.

Doch Kaki Bali, Journalistin in Thessaloniki, relativiert die Zahlen: Die Arbeitslosigkeit beispielsweise sank von 28 auf 27,5 Prozent. «Ich merke nichts davon, dass es den Menschen besser geht», sagt sie. Die Menschen müssten immer mehr Steuern zahlen, kriegten immer weniger Rente und verdienten kaum genug, um davon leben zu können. Im Zuge der harten Sparpolitik verloren sie bis zu 30 Prozent ihres Einkommens.

Was fährt und fliegt steht still

Zu den Streiks haben die beiden grössten Gewerkschaften des privaten und staatlichen Bereichs (GSEE und ADEDY) aufgerufen. Um die Mittagszeit sind mehrere Kundgebungen geplant.

Am stärksten soll der Streik den Flug- und Fährverkehr des Landes treffen. Sämtliche Flüge wurden annulliert, Fähren sollen keine Auslaufen. Ärzte in den staatlichen Spitälern wollen nur Notfälle behandeln. Busse und Metro in Athen sollen für mehrere Stunden still stehen. Auch die Lehrer wollen ihre Arbeit niederlegen.

Vorerst keine Einigung über Etat

Die griechische Regierung verhandelt zurzeit mit den Geldgebern des Landes von Europäischer Union EU und Internationalem Währungsfonds IWF. Bei Gesprächen am Mittwoch in Paris fanden die Teilnehmer aber vorerst keine Einigung.

Griechenland muss sich bis zum 8. Dezember mit seinen Geldgebern einigen, um deren Rettungsschirm verlassen zu können. Die Regierung verspricht sich davon Rückenwind für die Präsidentenwahl im Februar.