Griechisches Atomforschungszentrum nagt am Hungertuch

In Griechenland steht eines der bedeutendsten Atomforschungszentren Europas mit einem US-amerikanischen Mini-Kernreaktor. Die griechischen Forscher gehören zur Weltelite in diesem Bereich. Doch dann kamen die Schuldenkrise und Sparprogramme. Sie trafen das Atomforschungszentrum hart.

Nikos Kanelopoulos ist Präsident der über 60-jährigen Institution. Ein Präsident, der freilich mit ungewöhnlichen Problemen zu kämpfen hat. «Als ich das Institut nach Ausbruch der Krise übernahm, da konnten wir nicht mal mehr die Stromrechnung bezahlen», erzählt er. «Damit das Elektrizitätswerk den Strom nicht abstellte, musste ich denen sagen: ‹wenn ihr den Strom abstellt, explodiert der Atomreaktor, den wir im Keller haben›.»

Kanelopoulos lacht beim Erzählen dieser Episode. Aber es gibt wenig Grund dafür. Er musste das Budget des Forschungszentrums von 23 auf 13 Millionen Euro jährlich zusammenstauchen. Er musste Leute entlassen und die Löhne um 40 Prozent kürzen. Selber verdient er noch 2000 Euro im Monat.

Bei allem musste er aufpassen, dass die verbliebenen Institute nicht zu klein wurden. Das hätte die Forschung auf internationalem Niveau unmöglich gemacht. Das Institut Demokritos konzentriert sich heute noch auf Nanotechnologie, Computertechnik, Nuklear- und Biowissenschaften. Früher gab es acht Institute, jetzt noch fünf.

Kein Austausch mit der Industrie

Um das Institut neu zu positionieren, musste und muss Kanelopoulos für die Öffnung seines Instituts kämpfen. «Die Forscher waren auf ihrem Gebiet zwar top. Nur: Es gab keinen Austausch mit den griechischen Unternehmern.» Manchmal blickt Kanelopoulos, selber Wissenschaftler, neidisch nach Cambridge. Auf einem riesigen Gelände arbeiten dort Forschung und Privatwirtschaft Hand in Hand. Die Fläche und das Geld habe er nicht dafür, sagt Kanelopoulos.

Aber er hat trotzdem Schritte in diese Richtung gemacht: «Wir haben eine Art Pseudo-Camp veranstaltet. Die Unternehmen können hier zwar nicht ihre Forschungsabteilung eröffnen wie in Cambridge. Aber sechzig Prozent der produzierenden griechischen Wirtschaft hat ihren Sitz im Umkreis von dreissig Minuten zu unserem Institut.»

Kein Geld für Forscher

Demokritos hat auch kein Geld, um hoch angesehene Forscher aus dem Ausland anzuziehen. Er könne ihnen auch heute keinen Job anbieten. «Aber wissen Sie, diese Forscher, im Kern bleiben sie Griechen.» Ein Teil der ausgewanderten Forscher komme einmal im Jahr nach Griechenland. Demokritos versucht, sie mit einer einwöchigen Veranstaltungen und einer Messe anzulocken. So gebe es einen Austausch zwischen den Studenten und den griechischen Forschern und Forschern im Ausland. Nächste Woche ist es wieder soweit. Zum zweiten Mal steigt dann das hellenische Forum über Wissenschaften, Technologie und Innovation.

Ein drittes Standbein ist die Gründung einer Dachgesellschaft. Sämtliche Start-Ups aus dem Institut werden in ihr zusammengefasst. Hoffnungsvolle Jungunternehmer können unter ihrem Schutz ihr Unternehmen starten, ohne sich zuerst mit der monströsen griechischen Bürokratie herumschlagen zu müssen. Haben sie Erfolg, können sie sich nach einer gewissen Zeit verselbständigen. Funktioniert ein Projekt nicht, kann man es wieder schliessen, ohne mit Gewerkschaften und Bürokraten kämpfen zu müssen.

Kanelopoulos weiss, dass all diese Massnahmen vermutlich die letzten sind, um das Institut retten zu können. «Wir arbeiten hart. Wir sind nicht faul. Ich bin hoffnungsvoll. Und ich kann nur sagen: Gebt uns noch eine Chance.»