Grosser Empfang in China für Aung San Suu Kyi

Während Jahren war China einer der wenigen Unterstützer des Militärregimes, das Aung San Suu Kyi unter Hausarrest stellte. Nun bereitet das Land der burmesischen Oppositionsführerin einen grossen Empfang. Und das hat seine Gründe.

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China empfängt Aung San Suu Kyi

1:52 min, aus Tagesschau vom 11.6.2015

Burmas Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi ist zu einem fünftägigen Besuch in China eingetroffen. Staats- und Parteichef Xi Jinping empfing die Friedensnobelpreisträgerin in der grossen Halle des Volkes. Der Besuch Suu Kyis erregt viel Aufmerksamkeit: Denn die demokratische Aktivistin ist ein ungewöhnlicher Gast für China.

Das Land war einer der wenigen Unterstützer des Militärregimes im früheren Burma. Dieses hielt Suu Kyi 15 Jahre lang unter Hausarrest. Dass der 69-Jährigen nun ein grosser Empfang bereitet wird, kommt aber nicht von ungefähr.

Gute Chancen für Suu Kyis Partei bei Wahlen

«China hat keine andere Wahl, als nun auch mit der Oppositionspartei Kontakt aufzunehmen, auch im Hinblick darauf, dass Suu Kyis Partei die nächsten Wahlen mit Sicherheit gewinnen wird», sagt Zhang Jiadong von der Fudan Universität in Shanghai zur «Tagesschau». China streckt also die Fühler aus angesichts der guten Aussichten von Suu Kyis Nationaler Liga für Demokratie bei den burmesischen Parlamentswahlen Ende Jahr.

Geplant ist auch ein Treffen von Premier Li Keqiang mit Suu Kyi. «Dass sie bei ihrem Besuch gleich den Ministerpräsidenten und den Präsidenten trifft ist aussergewöhnlich für eine Parlamentarierin», erklärt SRF-China-Korrespondent Christoph Nufer. «Es zeigt aber deutlich, wie wichtig China die Beziehung zum Nachbarn ist und dass Burmas Freiheitsikone auch für China immer noch eine Schlüsselfigur ist.» Laut dem chinesischen Aussenministerium soll der Besuch das gegenseitige Verständnis und Vertrauen vertiefen.

Konflikte überschatten Beziehungen der Länder

Tatsächlich ist es um dieses seit der Öffnung Burmas nicht besonders gut bestellt. So waren Kooperationsprojekte wie ein Staudamm und eine Kupfergrube zum Stillstand gebracht worden. Zudem gab es in jüngster Zeit Auseinandersetzungen zwischen burmesischen Regierungstruppen und chinesisch-stämmigen Rebellen im Grenzgebiet der beiden Länder.

«Diese Scharmützel haben viele Flüchtlinge über die Grenze nach China getrieben», erklärt Zhang Jiadong von der Fudan Universität. «Es ist klar, dass dies nun eine Gelegenheit ist, auch diplomatische Gespräche darüber zu führen und Chinas Standpunkt klarzumachen. Letztlich muss aber in diesem Konflikt Burma selber handeln, es ist nicht unser Problem.»

Allerdings trafen die Auseinandersetzungen China durchaus direkt. So gingen Bomben auf chinesischem Gebiet ein und töteten fünf Arbeiter und Bauern. Deshalb kann die Visite Suu Kyis auch als Signal an das Regime von Burma verstanden werden. Das chinesische Aussenministerium hatte nämlich klar gefordert, dass Burma die Kämpfe beenden und die Stabilität an der Grenze wieder herstellen müsse.

Dass die Gespräche mit Suu Kyi als heikel gelten, zeigt sich auch in der Anweisung der Zensur an Chinas Medien, nicht selbstständig über den Besuch zu berichten. Sie durften nur Berichte der Staatsagentur Xinhua drucken. So wurde auch nirgends erwähnt, dass die 69-Jährige wie der in China inhaftierte Bürgerrechtler Liu Xiaobo mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.