«Hagupit»: weniger Opfer als befürchtet

Schwere Regenfälle und Starkwinde über den Philippinen: Über 1,2 Millionen Menschen waren in Sicherheit gebracht worden. Diese Vorbereitungen haben Tausende von Menschenleben bewahrt. Bisher sind vier mit dem Sturm in Zusammenhang stehende Todesfälle bekannt.

Video «Zerstörerischer Taifun auf den Philippinen» abspielen

Zerstörerischer Taifun auf den Philippinen

2:08 min, aus Tagesschau vom 7.12.2014

Der mächtige Taifun «Hagupit» (Filipino für «Peitsche») hat auf den Philippinen zwar schwere Verwüstung angerichtet. Nach ersten Angaben der Behörden sind aber weitaus weniger Menschen beim Sturm ums Leben gekommen als durch den Taifun «Haiyan» vor einem Jahr. Damals starben mehr als 7000 Menschen.

Eine Frau in Catarman auf der Insel Samar ertrank nach Angaben des Katastrophenschutzes am Sonntag. Ein Mann und ein Kind starben zudem an Unterkühlung. Zwei Männer wurden verletzt, als ein umstürzender Baum ihr Moped traf.

Nach einer ersten Übersicht zahlten sich die Massenevakuierungen aus. «Der Taifun wütet noch in mehreren Landesteilen, aber wir haben zunächst hauptsächlich Gebäudeschäden zu beklagen», erklärte Alexander Pama, der Direktor der Katastrophenschutzbehörde.

Eine der grössten Evakuierung zu Friedenszeiten

«Die Vorbereitung auf den Sturm hat eindeutig Leben gerettet», sagte der Einsatzleiter des Kinderhilfswerks World Vision, Andrew Rosauer. «Die Notaufnahmelager in Tacloban sind voll, und man muss sich um die sanitäre Versorgung kümmern.»

Mehr als 1,2 Million Menschen waren vor dem herannahenden Unwetter in Sicherheit gebracht worden, teils zu Verwandten im Landesinneren, teils in Notlager. Dies betraf Küstengebiete und Dörfer, die durch Erdrutsche gefährdet sind. Den Vereinten Nationen zufolge handelte es sich um eine der grössten Evakuierungsaktionen, die es zu Friedenszeiten je gegeben hat.

Millionen Menschen ohne Strom

Der Taifun zog heute Sonntag langsam Richtung Nordwesten und hinterliess nach der Insel Samar auch auf der Insel Masbate schwere Verwüstungen. Er entwurzelte Bäume, riss Strommasten aus dem Boden und deckte Hausdächer ab und riss Hütten um. Nach dem Durchzug des Taifuns waren zahlreiche Strassen blockiert.

Millionen Menschen waren am Sonntag ohne Strom. Auf der Insel Samar, wo der Taifun in der Nacht auf Land traf, fielen teilweise die Mobilfunkverbindungen aus. In der vor einem Jahr schwer verwüsteten Stadt Tacloban wurden Bretterbuden umgerissen. Schutt lag in den Strassen. In vielen stand das Wasser knöchelhoch.

Manila bleibt verschont

«Hagupit» wird voraussichtlich am frühen Montagmorgen (Ortszeit) etwa 120 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila vorbeiziehen.Trotzdem steht die Millionenmetropole in Alarmbereitschaft. Wird sie vom Sturm getroffen, droht das Wirtschaftszentrum des Landes lahm zu liegen. Im Stadtteil Baseco sind Slumbewohner in ein Evakuierungzentrum gezogen. Ihre Hütten würden heftigen Böen nicht standhalten.

Zwar schwächte sich der Sturm ab und hatte am Sonntag nur noch die Kategorie 2 statt 5 wie vor einigen Tagen. Dennoch wurden Böen mit Geschwindigkeiten bis zu 170 Kilometern in der Stunde gemessen. Die Behörden warnten vor starkem Regen und meterhohen Flutwellen.

Die Philippinen erleben jedes Jahr zahlreiche Taifune. «Haiyan» traf am 8. November 2013 ein und war der schwerste Taifun, der je Land erreicht hat: mit Windgeschwindigkeiten von 195 bis 210 Kilometern in der Stunde. «Hagupit» ist der mächtigste Taifun seit «Haiyan».

«Hagupit» peitscht über die Philippinen

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • «Hagupit» trifft auf philippinische Ostküste

    Aus Tagesschau vom 6.12.2014

    Der Wirbelsturm hat die Küstenstadt Dolores an der Ostküste der Philippinen erreicht – mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 210 Stundenkilometern. In vielen Provinzen ist die Stromversorgung unterbrochen, Telefonverbindungen sind ebenfalls ausgefallen.