Historischer Friedensvertrag in Kolumbien

Unterhändler der Regierung Kolumbiens und der linksgerichteten FARC-Guerilla haben gestern Nacht in Kuba den Frieden ausgerufen. Nach fünf Jahrzehnten sei der Konflikt vorüber, erklärten Vertreter beider Seiten. Im Oktober stimmen die Kolumbianer über den Friedensvertrag ab.


Teilnehmer der Verhandlungen

Bildlegende: Ivan Marquez von der FARC, Kubas Aussenminister Rodriguez und Regierungsvertreter Humberto de la Calle (von links). Reuters

52 Jahre lang bekriegte die marxistische FARC-Guerilla den kolumbianischen Staat. Gestern Nacht gab der kolumbianische Regierungsunterhändler Humberto de la Calle in Havanna schliesslich bekannt: «Der Krieg ist zu Ende!»

Staat muss Grossgrundbesitz auflösen

Es ist ein historisches Friedensabkommen, das einen der ältesten und blutigsten Guerillakonflikte der Welt beendet. Zufrieden sind auch die Guerilleros. Die FARC-Guerilla habe ihre wertvollste Schlacht geschlagen, diejenige zugunsten des Friedens, resümierte der Verhandlungsleiter der Untergrundorganisation, Ivan Marquez.

Das Abkommen stützt sich auf eine Friedensagenda, die sechs Punkte umfasst. Unter anderem muss der kolumbianische Staat mit einer Landreform den Grossgrundbesitz zu Gunsten von landlosen Kleinbauern auflösen.

FARC gibt Waffen ab

Laut Vertrag gibt die FARC-Guerilla die Waffen ab und beteiligt sich in Zukunft am politischen und demokratischen Leben. Beide Seiten verpflichten sich zu Schritten, den illegalen Drogenhandel einzudämmen.

Die vielen Opfer der Gewalttaten der Guerilla und der staatlichen Organe haben Anspruch auf Wahrheit und Reparation. Die Kommandanten der Guerilla müssen zwar Sühne leisten für die Verbrechen ihrer Organisation. Sie haben aber Anspruch auf eine Sonderbehandlung durch die Justiz und müssen, wenn sie geständig sind, maximal acht Jahre erleichterter Haft verbüssen.

Das letzte Wort zum Friedensabkommen haben allerdings die Menschen in Kolumbien. Es tritt nämlich nur in Kraft, wenn die Bevölkerung in einem Referendum Ja dazu sagt.

Extreme Rechte will Frieden verhindern

In den letzten Jahrzehnten sind mehrere Friedensversuche mit der FARC-Guerilla gescheitert. In den 1980er Jahren legte ein Teil der Gruppe die Waffen nieder und gründete eine politische Partei. Rechtsextreme Banden ermordeten dann mit staatlicher Deckung rund 5000 der ausgestiegenen Guerilleros.

Die extreme Rechte ist auch jetzt gegen den Verhandlungsfrieden. Die Terroristen der FARC könne man nur unterwerfen, aber niemals mit ihnen verhandeln, heisst es zur Begründung.

Die politische Vertretung der Viehzüchter und Grossgrundbesitzer will zudem die Bevölkerung davon überzeugen, im Referendum gegen das Friedensabkommen zu stimmen.

Ulrich Achermann

Porträt von Ulrich Achermann

srf

Ulrich Achermann ist seit 2003 SRF-Korrespondent und berichtet über alle Länder Südamerikas. Er lebt in Santiago de Chile.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Menschen feiern in Havanna die Unterzeichnung des  Friedensabkommens zwischen der Regierung Kolumbiens und den Revolutionären Streitkräften (Farc), in Bogotà, Kolumbien.

    Ein historischer Moment für Kolumbien

    Aus Rendez-vous vom 25.8.2016

    Nach einem halben Jahrhundert Kampf und Gewalt schliessen die kolumbianische Regierung und die Farc-Rebellen Frieden. Bis zu 300‘000 Menschen wurden Opfer dieses Konflikts, 45‘000 Menschen werden immer noch vermisst.

    Nach über vier Jahren Verhandlungen haben sich die zwei Konfliktparteien geeinigt. Was hat den Weg für den Frieden geebnet? Gespräch mit SRF-Korrespondent Ulrich Achermann in Chile.

    Ivana Pribakovic

  • Radio als Hoffnungsträger für Geiseln

    Aus 10vor10 vom 25.5.2016

    Zahlreiche Geiseln sind nach wie vor in der Hand der FARC-Guerilla in Kolumbien. Ein Radiosender gibt ihnen Hoffnung: Jeden Samstag erhalten Angehörigen Sendezeit, damit sie eine Botschaft an die Gefangenen senden können. «10vor10» hat diesen Radiosender besucht.

  • FARC zum Ausstieg aus dem Drogenhandel bereit

    Aus Echo der Zeit vom 17.5.2014

    Die Farc-Rebellen erklären sich bereit, nach Abschluss eines Friedensvertrags mit der Regierung aus dem Drogengeschäft auszusteigen. Was bedeutet dieser weitere Schritt im laufenden Friedensprozess? Gespräch mit Lateinamerika-Korrespondent Ulrich Achermann.

    Roman Fillinger