Hoffen auf Versöhnungsgesten

Die Erwartungen sind hoch: Wenn Papst Franziskus am Samstag in Istanbul die Blaue Moschee besucht, wünschen seine türkischen Gastgeber eine Geste der Verständigung zwischen Christentum und Islam.

Aufnahme von Papst Franziskus mit gefalteten Händen und gesenktem Kopf.

Bildlegende: Franziskus rief auf dafür zu beten, dass sein Besuch zu einem «Dialog zwischen den Religionen» führe. Reuters/Archiv

Die Türkei bereitet sich auf den dreitätigen Besuch von Papst Franziskus vor. Auf dem Programm des Pontifex stehen Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und mit Patriarch Bartholomäus I., dem Oberhaupt der orthodoxen Christen. Auch will er die Hagia Sophia und die Blaue Moschee besuchen.

Der Papst werde in der Blauen Moschee mit «Respekt und geistiger Kontemplation» ein Zeichen setzen, sagt Vatikan-Sprecher Federico Lombardi im Vorfeld des Besuchs. Solche Zeichen einer Versöhnung zwischen den Weltreligionen dürften beim ersten Türkei-Besuch eines Papstes seit acht Jahren an diesem Wochenende eine wichtige Rolle spielen.

Heikle Aussagen des Vorgängers

«Erdogan drängt darauf, den Papst zu einem klaren Zeichen gegen Islamfeindlichkeit zu bewegen» sagt Thomas Seibert, Journalist in Istanbul. Die türkische Regierung beobachte im Westen eine Trend zur Islamfeindlichkeit. Sie argumentiere aber dafür, die Gräueltaten der Terrormiliz Islamischer Staat IS nicht mit dem Islam als Religion in Zusammenhang zu bringen. «Vermutlich werden sowohl der Papst als auch Erdogan darauf achten, eine Botschaft der Versöhnung zu versenden», glaubt Seibert.

Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. hatte kurz vor seinem eigenen Türkei-Besuch im Jahr 2006 für Empörung gesorgt: Er zitierte in seiner Regensburger Rede einen byzantinischen Kaiser mit den Worten, Mohammed habe «nur Schlechtes» in die Welt gebracht und Gewalt gepredigt.

Krise in Syrien und dem Irak auf der Agenda

IS-Extremisten sprachen im Vorfeld des Papstbesuchs Drohungen gegen die katholische Kirche aus. Die türkischen Behörden lehnten deshalb den Wunsch des Papstes ab, in einem ganz normalen Auto durch die Stadt fahren zu dürfen. Rund 7000 Polizisten werden für die Sicherheit von Franziskus im Dienst stehen.

Der Vormarsch des IS und die neu aufgeflammte Debatte über Islam und Gewalt stellen den Papst in der Türkei vor schwierige Aufgaben. Die Krise in Syrien und im Irak wird Thema sein am Treffen des Papstes mit Erdogan. Die Türkei hat 1,6 Millionen syrische Bürgerkriegsflüchtlinge im Land. Auch ist sie direkte Nachbarin von Gebieten, welche die IS-Terrormiliz kontrolliert.

Bescheidenheit trifft auf Prunk

Unterhalten werden sich die beiden ausgerechnet im neuen, eine halbe Milliarde teuren Palast des türkischen Präsidenten. «Der Papst ist als Person bekannt, die sich gerne von allem Luxus fernhält», so Seibert. Es werde erwartet, dass er die eine oder andere Bemerkung diesbezüglich fallen lassen werde.

Das Treffen mit dem Patriarchen Bartholomäus I. steht im Zeichen der Wiederannäherung der katholischen und der orthodoxen Kirche. «Fernziel ist die Überwindung der Kirchenspaltung vor 1000 Jahren», erklärt Seibert. Sowohl der Papst als auch der Patriarch seien treibende Kräfte für diese Wiederannäherung. Eine gemeinsame Erklärung am Sonntag soll hierfür einen neuen Impuls geben.

Der Papst im Ausland

Der Besuch in der Türkei ist die sechste Auslandsreise von Papst Franziskus seit seinem Amtsantritt im März 2013. Im Juli 2013 war er in Brasilien, im Mai 2014 im Heiligen Land, im August 2014 in Südkorea, im September 2014 in Albanien und im November 2014 in Strassburg.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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