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International Hunderttausende demonstrieren gegen teure Fussball-WM

Fussball-WM 2014 und Olympische Spiele 2016 in Brasilien verschlingen Unsummen. Viele möchten das Geld anders verwenden, für Schulen, Unis und Spitäler. In Rio de Janeiro kam es bei den anhaltenden Demonstrationen zu Ausschreitungen.

In Brasilien sind gegen 200'000 Menschen gegen Misswirtschaft und Korruption auf die Strasse gegangen. Proteste gab es in vielen Städten. So etwa in São Paulo, Rio de Janeiro und Brasília. In der brasilianischen Hauptstadt gelang es Demonstranten, Teile des Dachs des Nationalkongresses zu besetzen.

Preiserhöhung im Nahverkehr

Auslöser der massiven Protestwelle war eine Erhöhung der Fahrpreise für Busse Anfang des Monats. Tjerk Brühwiller, Korrespondent der NZZ in Brasilien, sagt in Radio SRF: «Das war der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.» Das Fass habe sich in den letzten Jahren mit Frust und Unmut über die Ausgabenpolitik der Regierung gefüllt.

 Inzwischen richtet sich die Unzufriedenheit auch gegen die Milliarden-Ausgaben für die Fussball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016. «Schluss mit der Korruption» und «Für ein besseres Brasilien» stand auf Plakaten. Auch Forderungen nach mehr Geld für Schulen, Universitäten und Hospitäler wurden erhoben.

Massive Ausschreitungen in Rio

In Rio war die Gegend um das historische Gebäude des Teatro Municipal praktisch völlig durch die Menschenmassen blockiert. Der Marsch verlief zunächst friedlich. Doch Hunderte Randalierer attackierten das Regionalparlament in der Metropole. Sie warfen Steine gegen das Gebäude, rissen Absperrungen um und zündeten Feuer auf der Strasse an. Ein Auto ging in Flammen auf, Vermummte warfen Molotow-Cocktails. Nach Medienangaben wurden mehrere Polizisten verletzt.

Im Inneren des Parlaments verbarrikadierten sich Beamte. Parlamentspräsident Paulo Mello sprach von einem «Akt des Terrorismus». Einige der Angreifer zündeten Feuer direkt am Gebäude an. In der Umgebung des Parlamentes wurden die Scheiben mehrerer Banken eingeworfen.

Proteste im ganzen Land

In Brasília besetzten Hunderte Demonstranten stundenlang ein Zwischendach des Kongresses. Vor dem von Oscar Niemeyer entworfenen weltbekannten Gebäude warteten starke Polizeieinheiten, griffen aber nicht ein. Der Zugang zum Präsidentenpalast Palácio do Planalto wurde hermetisch abgeriegelt, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.

Legende: Video Unruhen in Brasilien abspielen. Laufzeit 1:50 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 18.06.2013.

Auch in Porto Alegre gingen 10'000 Menschen auf die Strasse. Dort wurde ein Bus angezündet. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein. In São Paulo nahmen über 60'000 Menschen an einem Marsch teil. Proteste wurden auch aus Salvador, Belém, Recife, Fortaleza und Belo Horizonte gemeldet. In den US-Städten Los Angeles, New York, Chicago und Boston organisierten Hunderte Brasilianer Aktionen, um sich zu solidarisieren.

Staatschefin Dilma Rousseff betonte in einer ersten Reaktion, dass «friedliche Demonstrationen» legitim seien und auch zur Demokratie gehörten.

Blatter am Confederations Cup

In Brasilien läuft derzeit der Confederations Cup, die Generalprobe für die Fussball-WM 2014. Auch die Fussball-Events waren Ziel der Proteste. Fifa-Präsident Joseph Blatter hatte noch vor Beginn der massiven Demonstrationen betont, der Fussball sei stärker als die Unzufriedenheit der Menschen.

Wirtschaftsprobleme

Das brasilianische Wachstum schwächelt, die Inflation läuft aus dem Ruder, Reformen bleiben auf der Strecke und die Staatsschulden steigen. Experten sagen, die Regierung habe zu lange auf den Konsum gesetzt. Nun sei es schwierig, den niedrigen Real zu nutzen, um sich aus der Wachstumsschwäche zu exportieren.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Marianne Thomet, Rüffenacht
    Klar dass der Fussball stärker ist als die unzufriedenen Menschen! Da ist auch sehr sehr viel mehr Geld vorhanden. 100' tausende Strassenkinder , die nie eine Chance auf ein gutes Leben hatten oder haben werden, sind ja auch nicht so interessant. Fussball ist ein Riesengeschäft, fast so einträglich wie Krieg - wen intressiert da das normale Fussvolk!!!
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  • Kommentar von Fabian Müller, Zürich
    Schauen sie sich einmal auf diversen Videoportalen um. Dort sehen sie unbeteiligten Passanten, die von Polizisten niedergeschlagen werden. Sowie Polizisten die ihre eigenen Fahrzeuge zerstören, damit die Medien danach berichten können, die Demonstranten hätten die Polizei angegriffen.
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  • Kommentar von Fabian Müller, Zürich
    @SF: Sie haben hier nur die staatlichen Medien zitiert! In Brasilien sind diese leider nicht so unabhängig. Während nun einer Woche wird täglich in Sao Paulo protestiert, wo die Polizei versuchte friedliche Demonstranten mit Gewalt vom Demonstrieren ab zu halten. Nun hat dies aber das Gegenteil bewirkt. Gestern war das Ziel der Regierung Zerstörung und Verletzte Polizisten zu zeigen. Bei 100'000 Demonstranten ist es relativ einfach ein paar Chaoten zu finden.
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    1. Antwort von schär rudolf, Guapiacu Brasilien
      Ich weiss nicht was Sie hier für einen Unsinn schreiben. Die Medien vor allem Radio und Fernsehen sind absolut unabhängig. Es gibt in Brasilien keinen staatlichen Fernsehsender. Es sind alles Privatsender.Diese haben die Demonstranten unterstützt, haben sich aber von den Chaoten distanziert. Auch die Zeitungen haben sich Mehrheitlich auf die Seite der Demonstrierenden gestellt. Sie haben offensichtlich keine Ahnung von Brasilien aber sehen sich genötigt eine Meinung zu publizieren.
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    2. Antwort von Fabian Müller, Zürich
      @Schär: Sie haben recht. Juristisch sind sie unabhängig. Das Wort "absolut" ist falsch. "Globo" zeigt viel lieber randalierende als friedliche Demonstranten. Noch letzte Woche wurden friedliche Demonstranten niedergeknüppelt und heute soll alles anders sein, Dilma sagte: "Die Leute hätten das Recht zu demonstrieren und die Regierung will auch ein besseres Brasilien." Ich hoffe aus den Demonstrationen kommt eine Bewegung hervor, welche nicht korrupt ist, wie es 99% der jetzigen Politiker sind.
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    3. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Falsch, Herr Schär. Wer so schreibt wie Sie, kann nur ein gut situierter Auslandschweizer sein. Zu den Fakten: De jure sind die Medien zwar "absolut" unabhängig, aber de facto ist vor allem Rede Globo eine Art Staatssender. Nicht umsonst wurden Leute, die allzu kritisch wurden, immer wieder entfernt, darunter auch Kabarettisten, und zwar auch nach dem Ende der Militärdiktatur. Ich habe selber mehr als ein Jahr lang in Brasilien gelebt und einiges gesehen, was Korruption betrifft.
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