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International «Ich, Kim Jong Un, bin hier der alleinige Machthaber»

Nordkoreas Diktator feiert seinen 30. Geburtstag. Nicht in Partylaune ist hingegen das Nachbarland Südkorea. Der Leiter eines Friedensinstituts warnt vor einem Angriff. Ostasien-Experte Rüdiger Frank hält dies im Interview mit SRF News Online durchaus für möglich.

Kim Jong Un, Nordkoreas alleiniger Führer von Volk, Partei und Armee, feiert seinen 30. Geburtstag. Vielleicht ist es auch erst sein 29. Geburtstag. Das weiss niemand so genau.

So oder so: Noch bevor Kim nach dem Tod seines Vaters vor zwei Jahren zur Nummer eins des Landes avancierte, wurde der 8. Januar zu Kims Ehren zum Feiertag erklärt.

Zum diesjährigen Festtag trägt das bitterarme Nordkorea ein Basketballspiel mit internationalen Sportlern aus. Mit von der Partie ist US-Basketball-Legende Dennis Rodman. «Kim ist mein Freund und ich habe ihn sehr gern», rechtfertigte sich der 52-Jährige auf die Frage nach der miserablen Menschenrechtslage in Nordkorea.

Zuletzt hatte der Basketballer seinen Freund im Dezember besucht. Im gleichen Monat liess der junge Machthaber seinen Onkel Jang Song Thaek hinrichten. Die Liste von Verbrechen, die dem ehemaligen Vize-Vorsitzenden der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission vorgeworfen wurde, war lang.

Dank Jangs enger Verbindung zu Kims Vater und Grossvater hatte der 67-Jährige bis zu seiner Verhaftung als jemand gegolten, der Kim noch widersprechen konnte. Mit Jangs öffentlicher Exekution verfällt die Elite Nordkoreas nun in eine Schockstarre. Jeder Fehler könnte für jeden tödlich enden.

Angst haben nun auch die Nachbarn aus Südkorea. Denn nach Jangs Hinrichtung sei das Land instabil, sagte der Präsident des Instituts für Nationale Vereinigung in Seoul, Cheon Seong Whun. Er warnte: Nordkorea könnte im März einen Angriff gegen Südkorea starten.

Die Persönlichkeit eines einzelnen Mannes spielt die entscheidende Rolle für Krieg oder Frieden.
Autor: Rüdiger FrankOstasien-Experte

SRF News Online: Halten Sie einen Angriff Nordkoreas auf Südkorea für möglich?

Rüdiger Frank, Professor für Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens an der Universität Wien: Die Art und Weise, wie mit Jang Song Thaek umgegangen wurde, zeigt, dass Nordkorea Probleme hat. Andernfalls hätte man Jang nicht öffentlich beseitigen lassen. Die Hinrichtung Jangs war eine Nachricht an das Volk. Diese lautete: «Ich, Kim Jong Un, bin hier der alleinige Machthaber. Und ich werde gegen jeglichen Versuch massiv vorgehen, mir die Macht streitig zu machen.»

Jang besass eine Privatarmee, die sich mit den staatlichen Streitkräften Feuergefechte lieferte. Kims Onkel Jang hatte nicht nur wirtschaftliche, sondern auch militärische Macht. Ein Diktator muss darauf reagieren.

Ich teile die Meinung, dass wir uns Ende Februar, Anfang März auf eine Eskalation einstellen müssen. Denn auch in diesem Jahr werden Südkorea und die USA an der Grenze zu Nordkorea Militärmanöver durchführen. Darauf wird Nordkorea – wie jedes Jahr – reagieren.

Provozieren denn die alljährlichen Militärmanöver Südkoreas und der USA nicht eine solche Eskalation?

Ich bin der Meinung, dass der Begriff der Provokation nicht nur gegenüber Nordkorea anzuwenden ist. Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel. Man kann sich fragen, warum macht man das eigentlich und warum verzichtet man nicht darauf.

Legende: Video Basketball-Star feiert Kim Jong Un abspielen. Laufzeit 0:24 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.01.2014.

Jedes Jahr das gleiche Spiel. Was ist dieses Jahr anders?

Mich beunruhigt die Jang-Song-Thaek-Geschichte. Es gibt Anzeichen dafür, dass sich Kim Jong Un, seiner Sache nicht so sicher war. Er hatte es offenbar nötig, seine Macht zu demonstrieren. Zudem hat Diktator Kim nach Jangs Hinrichtung niemanden mehr, der ihm widerspricht. Damit spielt die Persönlichkeit eines einzelnen Mannes die entscheidende Rolle für Krieg oder Frieden.

Fragwürdige Wahlen

Erstmals seit seiner Machtübernahme will Kim Jong Un Parlamentswahlen durchführen lassen. Die Abstimmung, die Hinweise auf einflussreiche Günstlinge im Staatsapparat liefern könnte, wird am 9. März abgehalten. Das alle fünf Jahre erneuerte Parlament des autoritär regierten Landes ist praktisch machtlos. Eine echte Wahl haben die Nordkoreaner nicht.

Rüdiger Frank wurde 1969 in Leipzig geboren. Er ist Ökonom und Ostasienwissenschaftler, der schwerpunktmässig zu Nordkorea arbeitet. Frank lebt und arbeitet in Wien als Professor an der Universität Wien, wo er seit 2007 den Lehrstuhl für «East Asian Economy and Society» leitet.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Reinmann, Solothurn
    Wieso muss über alles was dieser I.... tut berichtet werden. Der greift bestimmt niemanden an und wenn doch, wird die Antwort verheerend sein. Das Beste ist, nichts mehr zu berichten und alles zu ignorieren, was in Nordkorea abläuft. Alleine dies würde der Menschheit dienen und den Machthaber dazu zwingen Eingeständnisse zu machen...welche dann wiederum niemanden interessieren...! Lasst ihn ins Leere laufen. Hunde die bellen, beissen nicht...!
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  • Kommentar von Kurt E. Müller, Zürich
    Seit der schillernde Gaddhafi nicht mehr unter uns weilt, muss anscheinend über jeden Pups von Moppelchen aus Nordkorea berichtet werden. Als Ersatz taugt der aber nur bedingt.
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