Im virtuellen Rundgang durch Assads Foltergefängnis

In einem Bericht verurteilt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die Lage in den Gefängnissen des syrischen Regimes scharf. Um das Grauen erlebbar zu machen, hat die Organisation ein 3D-Modell des Militärgefängnisses von Saydnaya entworfen.

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Das Grauen in einem syrischen Foltergefängnis

1:53 min, aus Tagesschau vom 18.8.2016

Die verheerenden Kämpfe um Städte wie Aleppo und die Anschläge der Terrormiliz Islamischer Staat im syrischen Bürgerkrieg sind fast schon zur traurigen medialen Gewohnheit geworden. Weniger im Fokus sind die Zustände in den Gefängnissen des Assad-Regimes. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) will dies nun ändern.

Misshandlungen an der Tagesordnung

Gemäss dem neuesten Bericht der Menschenrechtler sind seit Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs vor mehr als fünf Jahren fast 18‘000 Menschen in der Haft ums Leben gekommen. Die Häftlinge seien dort vom ersten Moment an schwerer Folter und anderen Misshandlungen ausgesetzt, schreibt die Organisation. Amnesty wirft Damaskus Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor und fordert, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen.

Luftansicht des Militärgefängnisses von Saydnaya.

Bildlegende: Luftaufnahme des Militärgefängnisses von Saydnaya. Amnesty Indernational

Als besonders schlimm wird die Situation im Militärgefängnis Saydnaya 30 Kilometer nördlich von Damaskus beschrieben. AI bezieht sich dabei auf die Aussagen von ehemaligen Häftlingen.

Und diese sind verstörend: Neuankömmlinge würden zunächst mit schweren Schlägen misshandelt, bei denen Schwache und Kranke getötet würden. Die Überlebenden würden danach für mehrere Wochen nackt oder nur mit Unterhosen bekleidet in unterirdischen, teilweise mit Wasser gefluteten Zellen untergebracht. Die früheren Insassen berichten zudem von täglichen Misshandlungen und Erniedrigungen.

Die Hölle von Saydnaya im virtuellen Modell

Um auf die verheerenden Zustände aufmerksam zu machen, hat die Menschenrechtsorganisation nun gemeinsam mit Spezialisten eine virtuelle 3D-Ansicht des Militärgefängnisses von Saydnaya entworfen. Das Modell stützt sich auf die Aussagen der ehemaligen Insassen.

Die User begeben sich dabei in verschiedene Räume des Gefängnisses und erleben das Grauen mittels akustischer und visueller Elemente. Zudem können Erlebnisberichte von Ex-Insassen gehört werden. Damit solle der tägliche Terror und die Haftbedingungen besser fassbar gemacht werden, schreibt AI in seiner Mitteilung.

Jeden Monat kämen in den Gefängnissen der Regierung 300 Menschen ums Leben. Da Zehntausende in den syrischen Gefängnissen verschwunden seien, schätzt AI die tatsächliche Zahl jedoch höher ein.

Die Menschenrechtsorganisation fordert die internationale Gemeinschaft auf, den Druck auf Syrien zu erhöhen, damit alle gewaltlosen politischen Gefangenen sofort freigelassen sowie Folter und Misshandlungen eingestellt werden.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Pro Monat werden 300 Menschen in syrischen Gefängnissen zu Tode gefoltert.

    Schwerste Folterungen in syrischen Gefängnissen

    Aus Rendez-vous vom 18.8.2016

    Im neusten Bericht dokumentiert Amnesty International (AI) wie Gefangene in syrischen Gefängnissen systematisch gefoltert werden. Seit Kriegsbeginn 2011 sollen über 17'000 Menschen auf diese Weise getötet worden sein. Amnesty International hat ehemalige Gefangene befragt.

    Reto Rufer von Amnesty International kennt die Geschichten. Das Gespräch.

    Brigitte Kramer