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Flüchtlinge in Europa In Belgrad droht ein Drama

In Serbiens Hauptstadt Belgrad müssen sich gestrandete Flüchtlinge in der Kälte waschen und hausen unter menschenunwürdigen Bedingungen. Kritik an der eigenen Flüchtlingspolitik verbittet sich die serbische Regierung dennoch.

Legende: Video Das lange Warten auf die Weiterreise abspielen. Laufzeit 05:06 Minuten.
Aus 10vor10 vom 18.01.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hilfsorganisationen und die heimische Presse kritisieren die Flüchtlingspolitik der serbischen Regierung scharf.
  • Hinter dem Belgrader Busbahnhof hausen seit Monaten über 1000 Flüchtlinge in der Kälte. Die Flüchtlinge stammen vorwiegend aus Afghanistan und Pakistan.
  • Die Geflohenen müssen sich vor Ort teilweise bei Minustemperaturen waschen und essen.
  • Die serbische Regierung weist die Kritik zurück.

Wegen der unhaltbaren Zustände in einem der grössten Flüchtlingslager Europas in Belgrad steht die serbische Regierung in der Kritik. «Es gibt keinerlei Ausrede dafür, dass die Menschen sich selbst überlassen sind, dass sie frieren, hungern, zwischen Urin und Fäkalien schlafen und sich chronische Krankheiten einfangen», kritisierte am Sonntag das renommierte serbische Nachrichtenmagazin «Vreme» das Vorgehen der Regierung.

In den vergangenen Tagen hatten bereits Amnesty International sowie die Organisation Ärzte ohne Grenzen die schlechten Bedingungen der Flüchtlinge – insbesondere im Winter bei Schnee und Temperaturen weit unter zehn Grad Minus kritisiert. «Die Regierung und das UN-Kommissariat für Flüchtlinge haben sich für die Taktik der Erschöpfung entschieden», behauptet nun auch das serbische Magazin «Vreme».

Die Regierung habe demnach den Plan, den Flüchtlingen «den Aufenthalt so schwer wie möglich zu machen, damit sie verschwinden». Deshalb sei auch privaten Hilfsorganisationen verboten worden, Flüchtlinge in Belgrad mit Nahrung zu versorgen.

Serbien schiebt Flüchtlingen Schuld zu

Die serbische Regierung wies die Kritik zurück. «Es gibt mehr als genug Plätze in den Aufnahmezentren», sagte Arbeitsminister Aleksandar Vulin am Sonntag im staatlichen Fernsehen. Die Migranten lehnten das aber ab. Demgegenüber hatten private Hilfsorganisationen berichtet, diese Zentren seien voll.

Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen halten sich laut inoffiziellen Informationen der dortigen Behörden über 8500 Flüchtlinge in Serbien auf. In den Aufnahmezentren des Landes sind laut offiziellen Angaben 6000 Plätze verfügbar – davon aber lediglich 3140 winterfeste.

Legende: Video Flüchtlinge leben in Zeltlager abspielen. Laufzeit 01:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.01.2017.

Neben Serbien verfolgt auch Ungarn eine unnachgiebige Haltung den Flüchtlingen gegenüber. So weigert sich die Regierung in Budapest die Grenzen für die Flüchtlinge aufgrund der Witterungsbedingungen zu öffnen.

Ungarn will Flüchtlinge internieren

Vielmehr sollten sich diese in Serbien registrieren lassen und vor Ort in die Unterkünfte gehen, sagte der ungarische Aussenminister Péter Szijjártó der «Welt». Dies wollten viele aber nicht. Der Grund: «Weil sie später in einem anderen Land Asyl beantragen wollen», sagte Szijjártó weiter. Ungarn lasse jedoch keine «illegale Weiterreise» durch sein Territorium zu.

Im Sinne einer solchen Regelung würde sich niemand im Land frei bewegen, niemand das Land oder die Transitzonen verlassen können
Autor: Janos LazarKanzleramtsminister Ungarn

Zudem erwägt Ungarn die Einführung einer generellen «fremdenpolizeilichen Schutzhaft» für Asylbewerber. «Im Sinne einer solchen Regelung würde sich niemand im Land frei bewegen, niemand das Land oder die Transitzonen verlassen können», sagte Kanzleramtsminister Janos Lazar vergangenen Donnerstag in Budapest. Die Inhaftierung soll bis zum rechtskräftigen Abschluss des jeweiligen Asylverfahrens dauern. Zur Begründung der Massnahme führte Lazar die «gesteigerte Terrorgefahr» an.

Generelle Inhaftierung verstösst gegen EU-Recht

Eine generelle Inhaftierung von Asylbewerbern würde gegen europäisches Recht verstossen. Asylsuchende können nur dann – und auf individueller Basis – in Haft genommen werden, wenn sie ein Risiko für die Sicherheit des Aufnahmelandes darstellen.

Legende: Der Busbahnhof von Belgrad. SRF

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Luke M. (LuRecs)
    Ja, ja und jetzt kommen die Medien und stellen Serbien wiedermal als "Hölle" dar aber dass alle andere Länder Elektrozäune aufgestellt haben, vergisst man wieder, gäl? Das die Flüchtlinge sich beklagen sind sie ebenfalls schuld. Anstatt, dass sie irgendwo in Belgrad putzen gehen, Geld verdienen oder was anderes machen, hocken sie auf dem Boden und heulen rum, weil ihnen niemand hilft. Bravo, die Medien wiedermal.
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  • Kommentar von W Streuli (Wernu)
    Wie lange wird es wohl noch dauern, das es auch dem hinterletzten in allen Erdteilen bewusst wird, das der Mythos Europa verblasst ist?...Was nicht heissen soll, das mir die Flüchtlinge in Belgrad egal sind
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Nun, viele berufen sich eben darauf, dass Merkel sie ja eingeladen hat. Und es gibt halt überall Menschen, welche nach dem Motto leben:" Was ich nicht sehen & hören will, sehe & höre ich auch nicht." Und viele unter ihnen hoffen dann auf Mitleid & harren dann eben ganz freiwillig an der Kälte aus.
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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    Mein Gott, die Leute kommen aus Afghanistan und Pakistan! Dort ist das Klima viel härter als in Belgrad. Ich erinnere mich, dass wir uns im Militär immer wieder "bei Minustemperaturen im Freien waschen" mussten. Daran ist noch nie jemand gestorben.
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