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International «In London sind die Lohnunterschiede noch am grössten»

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Ob dieser Grundsatz gilt, hat in der Schweiz nicht einmal die Hälfte der grösseren Firmen systematisch untersucht. Anders in Grossbritannien: Dort müssen bald alle grossen Firmen ihre Lohnstruktur auf ihrer Homepage offen legen, sagt Korrespondent Martin Alioth.

Ein Mann im Anzug geht vor dem Swiss Re-Gebäude in London vorbei, das als " the Gherkin" bekannt ist.
Legende: Auf dem Bankenplatz in London werden hohe Boni ausbezahlt, aber fast nur an Männer. Das trägt zur Lohnungleichheit bei. Reuters / Archiv

Martin Alioth

Porträt Martin Alioth

Der Grossbritannien- und Irland-Korrespondent von Radio SRF lebt seit 1984 in Irland. Er hat in Basel und Salzburg Geschichte und Wirtschaft studiert.

SRF News: Grossbritannien hat seit sechs Jahren ein Lohngleichheitsgesetz – hat es etwas gebracht?

Martin Alioth: Ich glaube schon. Das Bemerkenswerte ist wohl, wie konsistent und hartnäckig Labour- und Tori-Regierungen in den letzten Jahren das Problem angehen. Das von Ihnen erwähnte Gesetz von 2010 war ein umfassendes Gleichheitsgesetz. Neben dem Geschlecht als Diskriminierungsgrundsatz, regelt es auch Hautfarbe, Behinderung, Sexualität und so weiter. Aber inzwischen gibt es zwei weitere legislative Vorstösse. Das Ziel der jetzigen konservativen Regierung ist es, die «pay-gap», eben die Lohndifferenzen zwischen Männer und Frauen in einer Generation zu eliminieren.

Wie steht es denn grundsätzlich mit Lohngleichheit in Grossbritannien – wo steht das Land im europäischen Vergleich?

Es wird besser. Der Lohnunterschied stand noch zu Beginn dieses Jahrzehnts bei fast 30 Prozent. Er ist inzwischen auf unter 20 Prozent gefallen. Das Erstaunliche ist, dass Grossbritannien damit immer noch über dem europäischen Durchschnitt liegt. Auffällig ist auch, wie gross die regionalen Differenzen sind. In London ist die «pay gap» wesentlich höher. Sie liegt zwischen 23 und 25 Prozent.

Interessant, dass die Unterschiede in London grösser sind als auf dem Land. Wieso ist das so?

Ich kann nur spekulieren. Ich habe keine stichhaltigen Angaben dazu gefunden. Ich denke, das liegt am Finanzplatz London und zwar namentlich an den überrissenen Boni, die mehrheitlich an Männer gehen.

Legende: Video 77 Milliardäre in einer Stadt abspielen. Laufzeit 01:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.05.2016.

Was regelt das Lohngleichheitsgesetz in Grossbritannien genau?

Es sind zwei Stufen: Seit 2014 gilt, dass eine Firma die von einem Schiedsgericht bei einem Verstoss gegen die Lohngleichheit ertappt wurde, eine umfassende Analyse ihrer Lohnstruktur publizieren muss. Ab nächstem Jahr wird das für Firmen mit über 250 Mitarbeitern zur Norm – sie müssen ihre Lohnstruktur also auch ohne Verstoss publizieren.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Wow! Ich denke, dass die Publikation ein wirksames Mittel nicht nur in der Geschlechterdiskrimination darstellen wird, sondern auch bei der Rekrutierung ausländischer "Fachkräfte", die i.d.R. nur dadurch einen Vorteil erzielen, dass sie wesentlich weniger verdienen wollen, als die lokale Arbeitskraft. Gutes Beispiel an die Schweiz.
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