Zum Inhalt springen

International «Irland ist nicht Griechenland»

Die grüne Insel ist ein Paradies für Angler und für Erholungssuchende, für Liebhaber dunkler Biere – und für Politiker der Eurozone. Denn am Sonntag hat Irland den Euro-Rettungsschirm verlassen. «Das heisst nicht, dass die Krise vorbei ist», sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Reto Lipp.

SRF News Online: Wie hat Irland den Weg aus dem Rettungsschirm gefunden?

Reto Lipp: Es war wohl die Mischung aus gewaltigen Einsparungen im Staatshaushalt, Strukturreformen und Reparieren des Finanzsektors mit Hilfe der 67.5 Milliarden Euro, die Irland aus dem Euro-Rettungsschirm erhielt. Zusammen mit einer leichten Wirtschaftserholung konnte das Land nun den Rettungsschirm verlassen.

Nahaufnahme Reto Lipp
Legende: Reto Lipp ist Wirtschaftsredaktor bei SRF und Moderator der Sendung «ECO». SRF

Aber das bedeutet nun nicht, dass die Krise völlig vorbei ist. Es heisst einfach, dass Irland zumindest wieder fähig ist, Kredite auf dem Finanzmarkt aufzunehmen. In den letzten drei Jahr gaben keine privaten Investoren Irland Geld. Jetzt wird das Land offensichtlich wieder Anleihen am Kapitalmarkt aufnehmen können.

Wie ist das Land in die Krise geraten?

Irland ist vor allem in eine missliche Lage geraten, weil der Staat zu Beginn der Krise eine Garantie für die Banken ausgesprochen hatte. Nachher wurde dem Staat die Rechnung präsentiert, weil die irischen Banken sich vor allem im Immobiliensektor massiv verspekuliert hatten.

Der Krise ging ja ein gewaltiger Immobilienboom voraus. Allein für die Allied Irish Bank musste der irische Staat 20 Mrd. Euro aufbringen. Noch heute sitzen die Banken auf vielen maroden Krediten und sind sehr schwach. Mit Spannung wird der europäische Banken-Stresstest im nächsten Jahr erwartet. Es könnte durchaus sein, dass der irische Staat nochmals Milliarden in Banken investieren muss.

Welche Spuren hat die Krise im Land hinterlassen?

Das Land hat unter der Krise massiv gelitten. 2008 lag die Arbeitslosigkeit bei 8 Prozent, sie stieg 2010 auf 13 Prozent und liegt auch heute in ähnlicher Höhe. Die sozialen Kosten waren immens. In unzähligen Sparrunden wurde der Staatshaushalt um 28 Mrd. Euro abgespeckt. 2014 werden nochmals viele Leistungen gestrichen. So werden Zuschüsse für Rentner abgeschafft und junge Arbeitslose erhalten weniger Arbeitslosengeld. Das führt dazu, dass gerade junge Leute mit guter Ausbildung das Land verlassen, was einen enormen Abfluss an Knowhow bedeutet.

Was sind die Parallelen und Unterschiede zu Griechenland?

Irland ist nicht Griechenland, es gibt markante Unterschiede. Die irische Krise war vor allem eine Bankenkrise. In Griechenland sind vor allem die Arbeitskosten aus dem Ruder gelaufen, zusammen mit einer korrupten und völlig überdimensionierten Bürokratie. Irland hat es zudem in den Jahren vor der Krise geschafft, mit einer Tiefsteuerpolitik viele vor allem amerikanische Firmen anzusiedeln.

Zudem ist die Verschuldung Irlands zwar immer noch hoch, aber doch deutlich tiefer als jene Griechenlands. Im Moment wächst die irische Wirtschaft wieder ganz leicht, während in Griechenland weiterhin eine gewaltige Rezession, ja eigentlich eine Depression herrscht. Die griechischen Löhne sinken dieses Jahr weiter, die Wirtschaft schrumpft um 4 Prozent. Das ist dramatisch.

Wie ist Irland nun für die Zukunft aufgestellt? Ist nun alles gut?

Irland kann jetzt wieder selbständig Kredite aufnehmen, viel mehr heisst der Abschied aus dem Rettungsschirm nicht. Die grundlegenden Wirtschafts-Daten wie Verschuldung, Arbeitslosigkeit oder Wachstum sind immer noch kritisch. Irland hat das Schlimmste überstanden, aber richtig gut geht es dem Land noch lange nicht.

Irland hat allerdings aufgrund von tiefen Steuern und einer grossen Ansiedlung von ausländischen Firmen Chancen, die Erholung in geordneten Bahnen fortzusetzen. Insofern war es ein beachtlicher Erfolg, dass Irland jetzt die Hilfskrücken beiseite legen kann und wieder auf eigenen Beinen steht.

4 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von B. Treidel, Chur / Galway
    Was vergessen ging in diesem Artikel ist, das die Steuern für den Normalbürger massive erhöht wurden und zusätzliche Abgaben eingeführt wurden. Viele Iren sind nun privat massive verschuldet, haben weniger Lohn und ein Haus dass nur noch 50% des bisherigen Wertes hat. Wann sind die Staatsschulden zurück bezahlt? Ich hab mal was 2041 gehört.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von A.Käser, Chur / Galway
      Ökonomie ist ein Glaubensbekenntnis.Geld ist eine Abstraktionsfläche auf welcher sich alle Aspekte des menschlichen Seins reflektieren.Ökonomie ist der hilflose Versuch,die Irrationalität und Unlogik des Menschen in ein rationales und logisches System"quetschen"zu wollen.Ökonomie ist ein Schwarzpeterspiel und Schneeballsystem mit dem Leitmotiv"den Letzten beissen die Hunde".Ökonomie ist der endlose Versuch der Quadratur des Kreises.Der Restwert ist der"soziale Müll"der dabei entsteht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von reiner tiroch, aichach
    ach wie schön, die wurden so gerettet, dass sie wieder selber kredite aufnehmen können, und das ist eine tolle Nachricht? wo doch alles arger wurde? was nutzt es denn wenn die Schuldenberge weiter wachsen, und sich nichts geändert hat? wie gut nur, dass sie auf einem guten weg sind, gell?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von A.Käser, aichach
      Wo Geld das Sagen hat,muss der Verstand schweigen.Denken ausschalten und alles geht viel besser.Je höhler desto wöhler.Das absolut garantierte Gelingrezept,für ein frohes und unbeschwertes Leben.Papst zum König:"Schau zu,dass sie arm bleiben!".König zum Papst:"Und Du schau bitte zu,dass sie dumm bleiben!".Ein Rezept,das sich seit Jahrtausende bewährt hat."Funktioniert" immer noch wie"gschmiert".Die Hauptsache dabei aber nicht vergessen:"Seid fruchtbar und mehret Euch!"
      Ablehnen den Kommentar ablehnen