Zum Inhalt springen

International Irland und Spanien wollen kein EU-Geld mehr

Spanien und Irland wollen finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen. Das haben sie am Donnerstagabend bei einem Treffen der Finanzminister der Euroländer erklärt. Und bei ihren Kollegen und EU-Verantwortlichen kam das gut an.

Ein Mann redet
Legende: EU-Währungskommissar Rehn: Ein guter Tag für Europa. Reuters/Archiv

Irland und Spanien verzichten auf mehr Geld aus der EU. Sie können als erste Euro-Krisenländer wieder finanziell auf eigenen Beinen stehen. Die Eurogruppe freut’s: Das sei ein guter Tag für Spanien und Irland und ein guter Tag für Europa, sagte der zuständige EU-Währungskommissar Olli Rehn am Donnerstagabend.

Die gute Nachricht: Keine schlechte Nachricht

Doch die gute Nachricht besteht eigentlich nur darin, dass es keine neue schlechte Nachricht gibt. Beide Länder haben die letzten Jahre mit Darlehen aus dem Eurorettungsschirm bestritten, Irland bekam ein volles Hilfsprogramm, Spanien eins zur Rettung seiner Banken.

Diese Programme laufen nun um das Jahresende aus und sollen in keiner Weise verlängert werden. Das heisst: Ab dann wollen Madrid und Dublin wieder selber am Markt frisches Geld aufnehmen. Doch es ist umstritten, ob es wirklich klug ist, dass sie auf weitere Hilfe verzichten.

Zudem muss Spanien 40 Milliarden Euro zurückzahlen. Das klingt nach einer schweren Bürde für die nächsten Jahre. ARD-Korrespondent Reinhard Spiegelhauer sagt zu Radio «SRF 4 News»: «Spanien ist eine relativ grosse Volkswirtschaft in der EU. Die kann das schon eher verkraften als zum Beispiel das kleine Portugal, das von der EU das doppelte bekommen hat ­– knapp 80 Milliarden. Aber wichtig ist natürlich für Spanien, dass die Wirtschaft wieder anspringt.»

Reformauflagen umgangen

Die Idee war lange, ein Sicherheitsnetz zu spannen und Darlehen bereit zu stellen. Dies für den Fall, dass die Länder am Markt doch auf Misstrauen stossen. Doch ein solches Netz wäre, wie schon die Hilfsprogramme, mit Reformauflagen verbunden gewesen. «Spanien ist gerade aus einer mehr als zwei Jahre dauernden Rezession rausgekommen», sagt Spiegelhauer. Aber die Banken seien nach wie vor sehr vorsichtig. Deshalb gäbe es noch eine Kreditklemme. «Kleine und mittlere Unternehmen haben dadurch enorme Schwierigkeiten, Geld für Investitionen zu bekommen. Das hemmt natürlich die wirtschaftliche Erholung», führt er aus.

Ausserdem habe die Regierung Entscheidungen getroffen, die schwer nachvollziehbar seien. Es würden zum Beispiel Zukunftstechnologien gebremst. Und es gäbe immer noch mehr als fünf Millionen Arbeitslose, die logischerweise keine Steuern bezahlen und nichts verdienen.

Klar ist, dass die Krise beide Länder noch lange beschäftigen wird.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von kari huber, surin
    Spanien ist gar nicht so dumm. Vielleicht plant das Land ja den Ausstieg aus der EU und eine autarke Zukunft ohne Freihandel. Das Bremsen der Entwicklung von Zukunftstechnologien lässt das erahnen. Denn mit 5 Mio. Arbeitslosen will man wohl nicht noch mehr Arbeitsplätze vernichten, was durch Zukunftstechnologien immer in hohem Masse geschieht. Letztes Beispiel: In D wurden und werden bei einem einzigen Unternehmen 14'000 Menschen entlassen - wegen der Solartechnologie!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von B. Niederberer, Luzern
    "Irland und Spanien wollen kein EU-Geld mehr": Wer es glaubt wird selig. Dann müssten die Deutschen im EU-Binnenmarkt die massiven Exportüberschüsse zuerst reduzieren; und genau das werden die Deutschen NIE tun, da die Deutschen ja die EU nicht nur wirtschaftlich sondern auch politisch dominieren wollen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @B. Niederberer: Irl u. Sp. werden die benötigten Summen jetzt auf dem freien Kapitalmarkt aufnehmen. Investitionen aus den EU-Staaten sind nat. nötig u. auch willkommen. Aus den versch. Töpfen der Förderungsprogramme ist das auch so vorgesehen u. budgetiert. DE dominiert bereits wirtschaftl. damit entfällt bereits weitestgehendst eine politische Dominanz. Die folgt subtil über die wirtschaftl. Schiene.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Marcel Chauvet, Weißenstadt
      Die Exportüberschüsse werden aufgrund der hervorragenden Wettbewerbsfähigkeit von deutschen Firmen produziert und nicht von den Politikern. Und wenn deutsche Politiker aufgrund ihres Amtseides deutsche Interessen wahrnehmen, so sind sie dies den Deutschen schuldig. Solidarität mit anderen Ländern wird ohnehin bis an die Grenze der Leidensfähigkeit geübt. Im übrigen sollten Sie mal über Ihre eigenen massiven Exportüberschüsse der Schweiz nachdenken.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von B. Niederberger, Luzern
      @Chauvet, Weißenstadt: Ich spiele den Ball zurück: Sie sollten mal nachdenken, wieso 80% der Schweizer nicht in diesen maroden EU-Protektionismus-BINNENKONSTRUKT wollen. Bin absolut Ihrer Meinung, dass Wettbewerbsfähigkeit in der GLOBALEN Welt nicht (wie bisher) mit "Ausgleichszahlungen" an nicht Wettbewerbsfähige bestraft werden darf. Heute sind sich alle Ökonomen einig: Hätten wir noch Nationale Währungen, wäre das heutige EU-Desaster halb so schlimm: Währungskursrückgang = Exporterhöhung.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen