Irlands Premier entschuldigt sich bei den «Magdalenerinnen»

Jahrzehntelang wurden irische Frauen in sogenannten Magdalenen-Heimen ausgebeutet. Anfang Februar bedauerte Irlands Regierung dieses Unrecht, verweigerte den Überlebenden jedoch eine Entschuldigung. Jetzt hat der Premierminister Abbitte geleistet – auf überraschend emotionale Weise.

Frauen halten vor dem Regierungsgebäude in Dublin ein Transparent "Justice for Magdalene Women" in die Höhe

Bildlegende: Bis in die Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts haben Frauen in Heimen Zwangsarbeit geleistet. Die Solidarität mit... Keystone

«Als Premierminister bedauere ich zutiefst den Schmerz, der diesen Frauen zugefügt wurde, und entschuldige mich dafür im Namen von Staat, Regierung und Bürgern.» Mit diesen Worten bat Irlands Regierungschef Enda Kenny am Dienstag bei den Magdalenerinnen um Verzeihung.

Die Magdalenerinnen, das sind über 10'000 irische Frauen, die zwischen 1923 und 1996 in kommerzielle Wäschereien von Frauenklöstern abgeschoben worden waren. Dort arbeiteten sie ohne Lohn und ohne Freiheit.

Die irische Regierung wusste nicht nur davon, sie war auch an den Einweisungen beteiligt und profitierte von der Zwangsarbeit der Frauen. Zu diesem Schluss kam ein Untersuchungsbericht, der vor zwei Wochen veröffentlicht wurde.

Gesellschaft angeprangert

Kenny ging hart mit der Gesellschaft ins Gericht, die diese Frauen wie Sklavinnen hielt. «Welchen Wert haben stillschweigende Regeln, die zur Demütigung und Entwürdigung dieser Mädchen und Frauen führten? Diese Werte, dieses Versagen, diese Fehler kennzeichneten das Magdalenerinnen-Irland.»

Das war eine bemerkenswerte Aussage. Indem Kenny das damalige Irland «Magdalen Ireland» nennt, macht er die ganze Gesellschaft für das geschehene Unrecht mitverantwortlich. Die von Kirche und Staat missbrauchten Frauen waren entweder arm, allein oder schlicht anders. Deshalb passten sie nicht in die damals äusserst konformitätsgläubige Gesellschaft.

Mögliche Entschädigungen

Kenny kämpfte während seiner Erklärung um seine Fassung: Er hoffe, dass dieser Tag denen neue Hoffnung gebe, die gefürchtet hatten, es werde immer dunkle Nacht bleiben, zitierte er aus einem Lied, «Whispering Hope», welches ihm eine Gruppe von Magdalenerinnen bei einem Besuch vorgesungen hatte.

Ein hoher Richter wird spätestens in drei Monaten Empfehlungen für die finanzielle Entschädigung der überlebenden Frauen vorlegen. Diese zeigten sich zufrieden, wie ihre Sprecherinnen erklärten. Sie hatten schon lange eine Entschuldigung gefordert.