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Indische Muslime Islamische Instant-Scheidung in Indien verboten

Die mündliche Scheidung mit sofortiger Wirkung ist für indische Muslime nicht mehr möglich. Das hat Indiens Oberster Gerichtshof beschlossen.

Legende: Audio Blitzscheidung für Muslime wird in Indien abgeschafft abspielen. Laufzeit 3:39 Minuten.
3:39 min, aus Rendez-vous vom 22.08.2017.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Indische Muslime dürfen sich nicht mehr durch Verstossung von ihren Frauen scheiden lassen.
  • Das widerspreche der Gleichheit der Geschlechter vor dem Gesetz, befand das Oberste Gericht Indiens.
  • In den meisten muslimischen Ländern ist die «Talaq»-Scheidung nicht erlaubt.

Gut 170 Millionen Muslime leben in Indien. Sie sind nach den Hindus die zweitgrösste Glaubensgruppe im Land. Ihre Männer haben sich bis jetzt ganz einfach von ihren Frauen scheiden lassen können.

Die indischen muslimischen Männer brauchten nur dreimal «Talaq» (dt. Verstossung) auszusprechen, zu schreiben oder per SMS zu schicken. Das genügte. Doch dieser Schnellscheidung schiebt das Oberste indische Gericht nun einen Riegel.

Das Gericht erachtete die Möglichkeit der Talaq-Scheidung als verfassungswidrig. Sie verletze das Recht auf Gleichheit vor dem Gesetz und um das Recht, ein faires und freies Leben zu führen, sagt SRF-Südasien-Korrespondent Thomas Gutersohn. «Das Gericht fordert nun die Regierung auf, ein neues Scheidungsgesetz für Muslime zu erlassen. Einer der Richter hat gesagt, dass zum Beispiel eine sechsmonatige Aufschiebung der Scheidung möglich ist.»

Das würde bedeuten, dass ein muslimischer Mann in Indien immer noch dreimal «Talaq» zu seiner Frau sagen darf, aber die Wirkung würde erst sechs Monate später in Kraft treten.

Muslimisches Recht

In Indien leben viele verschiedene Religionsgruppen zusammen. «Die Gesetze bieten die Freiheit, dass jede religiöse Gruppe nach ihren eigenen Rechten leben darf», sagt Gutersohn. Das betreffe vor allem private Angelegenheiten wie Ehe, Scheidungen und Erbe.

Laut dem Koran kann man sich mit diesem dreifachen Talaq scheiden lassen. Trotzdem hat das Gericht entschieden, dass die persönlichen Rechte der Frauen höher zu gewichten seien als die religiösen Rechte. In vielen mehrheitlich muslimischen Ländern existiert dieser Brauch nicht.

«In der muslimischen Gesellschaft wird der Entscheid des Gerichts kritisch aufgenommen, auch unter den Gegnern des dreifachen Talaqs», sagt Gutersohn. Viele Muslime befürchteten, dass sich die hinduistisch-nationalistische Regierung nun zu stark in die Rechte der Muslime einmischt. Doch viele muslimische Frauen freuen sich über das Urteil.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Das ist nur ein winziger Erfolg. Was längst fällig wäre und auch nach der indischen Verfassung gefordert wäre, ist ein einheitliches Zivilrecht unabhängig von der Religion der Bürger. Dagegen wehren sich aber die indischen Muslime erfolgreich seit etwa zwei Jahrhunderten.
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Ein Familienrecht gabs erstmals im Code Napoleon, mit ausgewogenen Rechten auch fuer den Mann und Pflichten auch fuer die Frau. Bis die Nazis die Staatshaftung fuer Abscheiderinnen und uneheliche Kinder auf die (Ex)sippenhaftung abschoben. Im angelsaechsischen Unrechtsraum verliehen Richter reliigioesem "Recht" staatliche Vollzugshilfe mit Befreiung der Frau und Ruin des Mannes bis zur Bahre nach dem bigotten Eheversprechen: "Und alle meine irdischen Gueter gebe ich Dir hin!"....
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