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International Islamistische Radikalisierung in Bangladesch

Die Polizei in Bangladesch hat einen Regionalkommandanten einer verbotenen islamistischen Gruppierung festgenommen. Dieser träumte davon, in Bangladesch mit Teilen Burmas und Indiens einen islamischen Staat auf der Grundlage der Scharia zu errichten. Er ist kein Einzelfall.

Kundgebung von Moslems in Bangladesch vor einer Moschee, einige halten eine Hand in die Luft.
Legende: Radikale Moslems fordern einen Islamischen Staat auf dem Boden von Bangladesch, Burma und Indien. Keystone/Archiv

Polizeikommissar Mohammed Islam hat eine lange Nacht hinter sich. Von seinem Schreibtisch aus kann er auf einem Monitor die Häftlinge in ihren Zellen überwachen. Die meisten schlafen. Kommissar Islam ist zufrieden: «Vergangene Nacht haben wir eine riesige Menge Sprengstoff und Bomben in zwei Häusern von Anführern der Oppositionspartei BNP gefunden.»

Seit Januar legt die Oppositionspartei BNP das öffentliche Leben in Bangladesch lahm. Sie fordert Neuwahlen, die Regierungspartei will jedoch nicht einlenken. Die Folge: Brandbomben, Anschläge auf Busse und Märkte, Streiks, gewaltsame Demonstrationen. Mehr als 100 Personen sind bereits getötet worden.

Parteien mit Machtkampf beschäftigt – Gewalt nimmt zu

Festgenommen hat die Polizei alleine in Dhaka bereits 500 Menschen. Nicht nur von der Oppositionspartei, sondern auch Islamisten, sagt der Polizeikommandant. «Sie haben randaliert und Bomben gelegt. Die Oppositionspartei macht gemeinsame Sache mit der islamischen Partei Jamaat-e-Islami. Und sie stellt Handlanger von verbotenen Terrorgruppen für ihre Gewalttaten an. Die meisten Islamisten haben wir nun ins Gefängnis gesteckt.»

Das jedoch führt zu mehr Hass, mehr Gewalt. Vor allem in einem Land wie Bangladesch, in dem die zwei Anführerinnen der beiden grössten Parteien nur mit einem beschäftigt sind: Sich gegenseitig von der Macht weg zu drängen. Was auf der Strasse passiert, scheint sie nicht zu interessieren. Die Jugendlichen brauchen jedoch Vorbilder und etwas zu tun. Einige wurden bei Terrorgruppen wie dem Islamischen Staat oder al-Kaida fündig.

Eben erst habe er zwei junge Männer festgenommen, die nach Syrien in den heiligen Krieg ziehen wollten, sagt Polizeikommissar Islam: «Die Radikalisierung ist eine Gefahr in Bangladesch. In den letzten eineinhalb Jahren hat der Islamische Staat immer mehr Jugendliche mit seiner Brutalität angelockt. Einige versuchen auch, im Land aktiv zu werden, und bedrohen säkulare Blogger und Schriftsteller.»

Ein Internetaktivist brutal getötet, andere bedroht

Blogger wie Avijit Roy, ein Bangladeschi-Amerikanischer Doppelbürger, Atheist und Internetaktivist: Er wurde vor einem Monat in Dhaka von Unbekannten mit Beilen zu Tode gehackt. Imran H. Sarker, ein anderer Blogger, postete danach auf seiner Facebook Seite Fotos eines Gedenkmarsches. Der Titel lautete: «Die Kultur der Straflosigkeit verwandelt unser Land in einen Terrorstaat.»

Der Kommentar dazu lautete «erhängt Imran». 61 Personen haben diesen Kommentar mit einem Like versehen. Das sei normal, sagt Blogger Imran: «Jeden Tag erhalte ich 100 oder mehr Drohungen auf Facebook und Twitter. Alleine verlasse ich das Haus nicht mehr. Und wenn ich rausgehe, dann nur noch zu Demonstrationen. Wir wollen ein säkulares Land, keines, das von Fanatikern dominiert wird.»

Die Forderungen des säkularen Bloggers sind radikal: «Hängt die Islamisten und verbietet alle islamischen Parteien!» Dieser Wunsch, hunderttausendfach auf Blogs und Facebook verbreitet, hat in den letzten Monaten jedoch nicht zu Ruhe, sondern zu noch mehr Gewalt geführt. Und zum Tod des Bloggers Avijit Roy.

Terrorgruppen schon in der 1980er-Jahren gegründet

Polizeikommissar Islam liess im Mordfall von Roy einen Islamisten festnehmen, der den Blogger via Facebook mit dem Tod bedroht hatte. Die wahren Täter jedoch habe er bis heute nicht gefunden, sagt Islam. In einem Staat, in dem sich Politiker bei Terroristen Hilfe holen und Täter selten bestraft werden, ist das möglich.

Neu ist das Problem mit den Islamisten in Bangladesch jedoch nicht. Einige, die heute im Land aktiv sind, kämpften in den 1980er-Jahren in Afghanistan gegen die Russen, gesponsert von Pakistan und den USA. Nach dem Abzug der Russen gründeten sie ihre eigenen Terrorgruppen – auch in Bangladesch.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Nachdem man sieht, dass die Errichtung eines Kalifats in islamischen Ländern nicht nur funktioniert, sondern gemäss Meinungsumfragen auch auf höchste Zustimmungswerte in den Bevölkerungen der sunnitischen Welt stösst, wendet man sich jetzt also nichtislamischen Ländern zu. Besonders in Mynmar dürfte der Versuch, ein Kalifat zu errichten, für die Muslime ausserordentlich unerfreulich enden. Dort neigt man nicht zu Gefühlsduselei im Umgang mit unerwünschten gesellschaftlichen Entwicklungen.
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    1. Antwort von Lukas Uddin, Luzern
      Bangladesch ist ein Staat mit 160mio Einwohner. 99% von diesen sind anti-islamistisch. Jamaat e Islami ist zmb eine radikale Islamistische Partei mit 100'000 Mitgliedern, doch verglichen mit der Bevölkerungszahl ist das nichts. Wenn diese eine Demonstration/Streik oder weiteres vollziehen, stehen da 100fach so viele Leute da die gegendemonstrieren. Bangladesch kämpfte schon gegen Islamisten im Unabhängigkeitskrieg. Und wie sie Burma noch so hoch in den Himmel loben, informieren sie sich,Rohingya
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