Israel mobilisiert weitere Reservisten

Der Schlagabtausch zwischen Israel und militanten Palästinensern wird immer heftiger. Israels Armee mobilisiert weitere Reservisten. Aussenminister Lieberman fordert ein noch härteres Vorgehen und bricht aus Protest mit Netanjahus Likud.

Israelischer Panzer fährt an der Grenze auf

Bildlegende: Israel lässt an der Grenze Panzer auffahren. Keystone

Nach den Auseinandersetzungen zwischen der im Gazastreifen herrschenden Hamas und Israel bereitet sich dessen Armee auf eine grössere Operation vor. 1500 Reservesoldaten würden mobilisiert, sagte ein Armeesprecher. Die radikalislamische Hamas hatte zuvor nach heftigen israelischen Luftangriffen Rache für den Tod von neun Menschen angekündigt.

«Unsere Botschaft ist, dass wir für jede Entwicklung bereit sind», erklärte der Armeesprecher weiter. Hamas sei aktiv an den jüngsten Angriffen auf Israel beteiligt. «Wir müssen uns auf eine weitere Verschlimmerung der Lage einrichten.»

Am Montagabend feuerte die Hamas Dutzende von Raketen auf israelische Ortschaften. Erstmals seit Beginn der jüngsten Welle der Gewalt bekannte sich der bewaffnete Arm der Hamas zu den Angriffen. Nach Angaben des israelischen Fernsehens wurden binnen einer Stunde rund 60 Raketen abgefeuert.

Streit in Israels Regierung

Im Streit um das richtige Vorgehen angesichts der Eskalation der Gewalt brach Aussenminister Avigdor Lieberman das Bündnis seiner Partei mit dem regierenden Likud. Seine Fraktion wolle aber in der von Regierungschef Benjamin Netanjahu geführten Koalition bleiben, sagte er.

Die Nachrichtenagentur Maan berichtete, sieben der neun im Gazastreifen Getöteten seien Mitglieder des bewaffneten Flügels der Hamas. Sechs von ihnen seien beim Bombardement eines Tunnels im Grenzgebiet zu Ägypten ums Leben gekommen. Laut dem Militärsprecher hat die Luftwaffe den Eingang vor einiger Zeit beschossen. Die Hamas-Mitglieder seien aber getötet worden, als sie die Schäden inspizieren wollten. Dabei sei Sprengstoff im Tunnel explodiert.

Netanjahu drückt sein Beileid aus

Die Luftschläge sind eine Reaktion Israels auf Dutzende Raketen, die militante Palästinenser seit Tagen auf israelische Ortschaften abfeuern. Auslöser für die neuen Spannungen waren die Entführung und die Ermordung von drei jüdischen Teenagern sowie der mutmassliche Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen. In letzterem Fall hat die israelische Polizei sechs jüdische Tatverdächtige festgenommen. Drei von ihnen haben nach israelischen Medienberichten den Mord an gestanden.

Ministerpräsident Netanjahu sprach dem Vater des jungen Arabers am Montag sein Beileid aus. Er selbst und die Bürger Israels seien «tief erschüttert von dem abscheulichen Mord» an dem 16-Jährigen. Die Leiche von Mohammed Abu Chedair war am Mittwoch in einem Wald bei Jerusalem gefunden worden. Ein vorläufiger Autopsiebericht ergab nach palästinensischen Angaben, dass er bei lebendigem Leibe verbrannt wurde.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Israel sucht nach den Tätern

    Aus Tagesschau vom 6.7.2014

    Nach dem Mord an einem 16jährigen palästinensischen Jugendlichen sucht die israelische Polizei fieberhaft nach den Tätern. Man gehe von einem «nationalistischen Motiv» für die Tat aus.