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International Italien beendet Mission zur Rettung von Bootsflüchtlingen

Mehr als ein Jahr lang patroullierten Schiffe der italienischen Marine und der Grenzwache im Mittelmeer, oft bis kurz vor die Küste Libyens. In dieser Zeit wurden rund 120'000 Flüchtlinge gerettet, Hunderte Schlepper wurden festgenommen. Doch nun ist Schluss. Italien lässt die Mission auslaufen.

Flüchtlinge nach der Rettung durch die Italienische Marine (November 2013)
Legende: Flüchtlinge nach der Rettung durch die Italienische Marine (November 2013) Reuters Archiv

Aus für «Mare Nostrum»: Italiens Regierung hat das Ende des seit über einem Jahr laufenden Rettungs- und Hilfsprogramms für Flüchtlinge im Mittelmeer angekündigt. Innenminister Angelino Alfano kündigte aber an, sein Land werde künftig Schiffe für die neue EU-Mission «Triton» entsenden. Sie startet offiziell am Samstag unter dem Dach der EU-Grenzschutzagentur Frontex.

«Mare Nostrum» hingegen war eine Operation der italienischen Marine und der Küstenwache. Innenminister Alfano zog zum Abschluss eine positive Bilanz des Einsatzes.

Nach italienischen Angaben konnten insgesamt 120'000 Bootsflüchtlinge gerettet wurden. 728 mutmassliche Schlepper wurden in einem Jahr festgenommen. «Wir haben leider nicht alle Migranten retten können, die wir retten wollten», sagte Alfano auch.

Nach Angaben von Flüchtlingsorganisationen sind im vergangenen Jahr etwa 3000 Menschen auf der Flucht übers Mittelmeer ums Leben gekommen.

Enttäuschung bei Hilfsorganisationen

Hilfsorganisationen reagierten enttäuscht. Sie hatten an Italien appelliert, «Mare Nostrum» vorläufig weiterzuführen. Sie kritisieren, beim neuen Frontex-Einsatz gehe es nur um die Grenzschutzsicherung. Er diene aber nicht dazu, Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Das Einsatzgebiet auf dem Meer für die Rettung sei viel zu klein, auch reichten die finanziellen Mittel hinten und vorne nicht.

Italien hat für «Mare Nostrum» jeden Monat neun Millionen Euro ausgegeben, die EU sieht für «Triton» nur drei Millionen Euro vor. Während die italienische Mission bis vor die Küste Libyens reichte, von wo viele Flüchtlinge mit Booten aufbrechen, soll «Triton» sich nur auf die unmittelbare Küstennähe konzentrieren. Die Schiffe werden im Mittelmeer vor Sizilien und Kalabrien in einem Radius von 30 Seemeilen vor der Küste patrouillieren.

Die EU hat selbst eingeräumt, dass «Triton» den Einsatz der Italiener nicht ersetzen werde. Italien müsse selbst entscheiden, ob «Mare Nostrum» eingestellt werden soll oder nicht, sagte ein Sprecher der zuständigen EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström. «Triton» ändere nichts an der Pflicht der italienischen Behörden, sich für Flüchtlinge einzusetzen. Es sei dazu gedacht, Italiens Einsatz im Mittelmeer zu unterstützen.

«Triton» und die Schweiz

Als Schengen-Mitglied nimmt auch die Schweiz an «Triton» teil, allerdings in überschaubarem Ausmass. Nach Angaben der Eidgenössischen Zollverwaltung entsendet die Schweiz eine Grenzwächterin nach Italien.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Das "Massendavonlaufen" aus Afrika (oder anderen Länder), in das angebliche "Paradies Europa", können sich nur Leute leisten, die den Schleppern Horror-Beträge zahlen können! Woher kommen denn solche "Reisegelder"? Entweder aus reichen Familien-Clans oder von bereits in Europa lebenden "Asylanten", die durch die "Arbeit" im Drogenhandel oder sonstiger Kriminalität, Geld "heim" transferieren! Solange das Grundübel dieser endlosen "Spirale" nicht bekämpft wird, ändert nichts an diesem "Exodus" !
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    1. Antwort von Nathalie Zimmermann, Effretikon
      Oder Famileien geben ihre gesammte Existenz auf, um dem Elened zu entkommen. Man kann das auch so sehen - die Flüchtlinge die es nach Europa schaffen sind nicht die, denen es in der Heimat schon enorm schlimm ging (Armut etc.) sondern die, denen es halbwegs okay ging (sodass sie sich das leisten können) und die trotzdem fliehen, weil das Elend so gross ist.
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    2. Antwort von Albert Planta, Chur
      Reiche Familienclans werden kaum auf diese Art nach Europa reisen. Ist ihnen bewusst, wie Wirklichkeitsfremd sie argumentieren?
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Abgesehen davon, dass es nicht an Italien liegt, für die EU die Arbeit in Sachen illegaler Masseneinwanderung zu erledigen, ist es positiv, dass die Italiener aufhören, auf dem Mittelmeer Wassertaxi zu spielen. Es ist an der Zeit, mit der Mission der Frontex endlich ERNST zu machen und unsere Aussengrenzen zu schützen und diese Schlepperboote schon vor der Küste Nordafrikas abzufangen und sofort zurückzubringen. Und: Alle abgewiesenen Astylanten in Europa abschieben, ehe neue kommen können.
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    "Alle Menschen dieser Erde fänden im US-Staat Texas Platz, wenn sie kleinstadtmässig wohnten." Aber Millionen dieser Welt-Bevölkerung will sich jetzt auf Dauer im engen, am liebsten im schon dicht besiedelten Europa nieder lassen. Aber nur schon wir in der Schweiz verbrauchen die Ressourcen-Kapazitäten von drei Planeten & wir, wie alle Industriestaaten beuten diese Länder schamlos aus. Wir müssen DAMIT aufhören, dann können viele dieser Menschen in ihrer Heimat bleiben.
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    1. Antwort von Christian Schulthess, 8824 Schulthess
      Ein seltsamer Vergleich. Mit anderen Worten wenn ganz Texas eine klein Stadt wäre hätten 7,4 Milliarden Menschen Platz? Denke ich nicht. Aber gehen wir mal davon aus, es geht. Was soll der Vergleich, was sagt mir das jetzt?!
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Der Vergleich ist der zum heutigen Europa & dem Europa von morgen, wenn nach & nach durch Kriege, Naturkatastrophen, Hungersnöte usw. sich bald die gesamte Weltbevölkerung in Europa auf Dauer nieder lassen will, weil sie denken, dass in Europa das Paradies ist..
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