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International Italien geht gegen chinesische Textilhersteller vor

Die italienische Polizei geht erstmals in einer Grossaktion gegen chinesische Textilfabriken vor. Sie werden der Geldwäscherei und Steuerhinterziehung verdächtigt. Betroffen davon ist vor allem das toskanische Städtchen Prato, welches als Hochburg der chinesischen Textilindustrie in Italien gilt.

Ein kleiner Raum, der als Nähfabrik dient
Legende: Prekäre Arbeitsbedingungen: Die meisten Näherinnen in den italienissch-chinesischen Textilfabriken sind Chinesinnen. Archivbild Reuters/Archiv

Das Städtchen Prato in der Toskana gilt als Italiens Textildistrikt. Tausende von Fabriken gibt es dort. Vom Trainingsanzug bis zum Abendkleid wird alles genäht, was der Markt verlangt. Die Produkte tragen das Etikett «Made in Italy», versteht sich. Doch an den Nähmaschinen sitzen fast ohne Ausnahme Chinesinnen.

Die meisten Betriebe gehören chinesischen Familien und das erwirtschaftete Geld wandert nach China, oft nicht legal. Deshalb interessiert sich nun auch die italienische Justiz für die Geschäftspraktiken der chinesischen Einwanderer im Land.

50 Pritschen aneinandergereiht

Ein privater Fernsehsender dokumentiert einen Einsatz der italienischen Finanzpolizei im Textildistrikt von Prato. Es ist augenfällig: In der Fabrikhalle arbeiten ausschliesslich Chinesen.

«Wir haben Lohnzettel gefunden, aber sie entsprechen nicht der Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen», sagt ein Beamter. Gefunden haben die Polizisten auch die Schlafplätze der Frauen. Im Keller der Fabrik reihen sich mehr als 50 Pritschen aneinander, abgetrennt nur mit Kartonwänden. Keine Fenster, ein einziges Bad für alle, eine winzige Kochnische.

Die italienische Öffentlichkeit hat sich inzwischen an diese Bilder gewöhnt. Seit einem spektakulären Brand, bei dem im Dezember 2013 in Prato sieben illegal beschäftigte Chinesen zu Tode kamen, haben die Kontrollen in den von Chinesen geführten Textilfabriken zugenommen.

Nun ermitteln auch Antimafia-Einheiten

Doch bisher sind den Ermittlern nur kleine Fische ins Netz gegangen, die Besitzer der Fabriken sind oft Strohmänner. Die wahren Drahtzieher des Geschäfts mit billig produzierten Textilwaren, die ganz regulär das Etikett «Made in Italy» tragen, bleiben im Hintergrund. Dem italienischen Staat entgehen Milliarden an Steuern, deshalb ermittelt fast immer die Finanzpolizei.

Doch angesichts der menschenunwürdigen Lebensbedingungen der illegal Beschäftigten und der Präsenz der chinesischen Mafia in Italien haben inzwischen auch Antimafia-Einheiten der italienischen Justiz Untersuchungen begonnen.

Mehr als 300 chinesische Staatsbürger stehen unter Verdacht, sich illegal bereichert zu haben. Dabei wird der Grossteil des Schwarzgeldes, das in den Textilfabriken erwirtschaftet wird, über Money-Transfer-Büros direkt nach China geschickt und so gewaschen.

300 mal 1999,99 Euro

In einem solchen Büro wurden an einem Tag mehr als dreihundert Transaktionen von 1999,99 Euro getätigt. Einzelne Operationen bis 2000 Euro sind nicht meldepflichtig. Das Büro, das von der Polizei observiert wurde, wurde an diesem Tag nur von einer einzigen Person betreten. Ob die Ermittlungen für eine Anklage reichen, muss noch entschieden werden.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Entweder hat die chinesische Mafia noch nicht erkannt wie man hier im Westen legal Geld waschen kann, oder die einhemische Mafia zu wenig am Gewinn beteiligt. Interessant ist hier, dass es in China neben der kommunistischen Regierung noch eine Mafia gibt. Im Sozialismus wird es wohl nicht besser sein.
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Endlich rührt sich Widerstand! Italien ist hier vielleicht vor allen am Werk, da sich wohl auch die Mafia bedrängt fühlt. Ob es aber die Mafia oder die Chinesen sind, macht keinen Unterschied. Es wäre besser, sich grundsätzlich gegen diese Geld-Kraken zu wehren und unsere einheimische Kultur, Wirtschaft und unsere eigenen Menschen leben zu lassen. Während das Ausland scheinbar bemerkt was schief läuft, ist die Schweiz immer noch daran diese Kraken in unserem Land willkommen zu heissen.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Wer Finanzen und Arbeitsmarkt beherrscht, hat das Sagen. Lange hat die 1. Welt beides beherrscht und die Arbeitsbedingungen und die Finanzströme in den wichtigen Produktionsländern störte niemand. Jetzt wo die Hauptgewinne nicht mehr in Europa/der 1. Welt bleiben, wird die Konkurrenz angegriffen. Sie machen das Gleiche wie die ehemaligen Herrscher. Gewinne fliessen fast immer zu den Mächtigen. Sie bestimmen, wo investiert wird. Jetzt erleben wir die Nachteile unseres Konzeptes selber.
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