Italien muss Homosexuellen mehr Rechte gewähren

In Italien sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich nicht anerkannt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte fordert nun: Das muss sich ändern. Die momentanen Gesetze verstiessen gegen das Menschenrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens.

Gemäss gängiger Meinung ist die Familie für die Italiener das Wichtigste überhaupt. Geht es aber um das Familienleben von Homosexuellen, wird gegen das Menschenrecht des Privatlebens verstossen.

Zu wenig Schutz für Homosexuelle

Der Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) forderte das katholische Land in einem Entscheid auf, gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich anzuerkennen. Alles andere verstosse gegen das Menschenrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens.

Die Richter sind der Auffassung, dass die derzeitige Rechtslage Homosexuellen zu wenig Schutz bietet. «In Ermangelung der Ehe ist die Option einer nichtehelichen oder eingetragenen Partnerschaft der angemessenste Weg für gleichgeschlechtliche Paare, damit ihre Beziehung legal anerkannt wird», hiess es weiter.

Zwei Männer küssen sich vor dem Kolosseum in Rom.

Bildlegende: Homosexuelle haben in Italien einen schweren Stand. Reuters

Italien hinkt weit hinterher

Geklagt hatten drei schwule italienische Paare. Italien ist eines der wenigen EU-Länder, in denen gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich noch nicht anerkannt sind.

Bei der italienischen Regierung stösst der Gerichtshof in Strassburg auf offene Ohren. Die sozialdemokratisch geführte Regierung von Matteo Renzi will zwar keine Homo-Ehe, dafür aber bis Jahresende die eingetragene Lebenspartnerschaft durchsetzen. Bisher scheiterten die Pläne aber am Protest der Opposition und der katholischen Kirche, die in Italien traditionell starken Einfluss hat.