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International Italien rettet Hunderte Flüchtlinge

Das Flüchtlingsdrama blieb aus: Dank dem beherzten Eingreifen der italienischen Küstenwache sind Hunderte Syrer dem vermutlich sicheren Tod entgangen.

Legende: Video Italienische Marine verhindert Flüchtlingsdrama abspielen. Laufzeit 2:22 Minuten.
Aus Tagesschau vom 31.12.2014.

Fast 800 Bootsflüchtlinge sind vor der italienischen Küste nur knapp einer Katastrophe entgangen. Ein Frachter mit 768 Migranten an Bord steuerte in der Nacht zu Mittwoch führerlos auf die Küste der südlichen Region Apulien zu.

Nach Medienberichten war der Autopilot aktiviert. Ohne die Intervention der Einsatzkräfte wäre der Frachter auf die apulische Küste geprallt, weil der Motor blockiert und das Schiff sich selbst überlassen war, sagte ein Sprecher der Küstenwache. Ein mutmasslicher Schleuser wurde festgenommen.

Auf dem Frachter, der unter der Flagge Moldaus fuhr, waren nach Medienangaben vor allem Syrer. Auch viele Kinder und Schwangere seien an Bord gewesen, eine davon sei kurz vor der Geburt gestanden. Etwa 130 Menschen kamen vorsorglich ins Krankenhaus. Viele litten an Unterkühlung.

Das Schiff, das eigentlich die kroatische Hafenstadt Rijeka ansteuern sollte, wurde im Hafen von Gallipoli beschlagnahmt. Unklar war, ob die Besatzung von Bord gegangen war oder sich unter die Flüchtlinge gemischt hatte.

Dramatische Szenen vor der Küste

Das Schiff hatte zuvor vor der griechischen Insel Korfu einen Notruf abgesetzt und einen Grosseinsatz der dortigen Marine ausgelöst. Mehrere Schnellboote der griechischen Marine wurden entsandt. Der Kapitän gab jedoch an, alles sei in Ordnung und das Schiff sei nicht in Seenot. Ein Schaden wurde nicht festgestellt.

Später entwickelten sich dann vor der italienischen Küste dramatische Szenen: Einsatzkräfte der Küstenwache konnten mit einem Hubschrauber auf das Schiff gelangen – wenige Meilen vor dem Ort Santa Maria di Leuca. Schliesslich wurde die «Blue Sky M» nach Gallipoli geleitet.

Tausende Tote in den letzten Monaten

Es wird vermutet, dass Menschenschlepper Migranten aus Westgriechenland abgeholt haben, um sie nach Italien zu bringen. Die «Blue Sky M» soll Medienberichten zufolge seit Tagen in der Region des Ionischen Meeres im Westen Griechenland unterwegs gewesen sein.

Internationale Schleuserbanden versuchen immer wieder, Migranten durch das Mittelmeer nach Europa zu schaffen. Tausende Menschen sind dabei in den vergangenen Monaten ums Leben gekommen. Oft verlassen die Schleuser die Boote, bevor sie an der Küste ankommen, um einer Festnahme zu entgehen.

Mehr zum Thema

Die Skrupellosigkeit der Schlepper hat eine neue Dimension erreicht, meint SRF-Korrespondent Philipp Zahn. Das ausführliche Interview zum Drama um die «Blue Sky M» finden Sie hier.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Roberet Frei, Wettingen
    Wieso redet man immer von "hunderte Flüchtline gerettet"? Das trifft doch nicht den Kern der Sache. Diese Personen haben sich willentlich und bewusst dieser Gefahr ausgesetzt. Wenngleich dies auch zumeist aus Verzweiflung war, richtiger und ehrlicher wäre der Ausdruck "hunderte Flüchtlinge ans europäische Festland gebracht".
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    1. Antwort von Alex Bauert, Bern
      Wenn ich Sie richtig verstehe, gibt es keine Rettung von Menschen im Gebirge, im Hallenbad, nach Verkehrsunfällen, nach Flugzeugabstürzen (keine Suche, wenn Flieger in den Alpen oder über dem Meer verschwindet?), etc. Die haben sich alle selber in Gefahr gebracht? Sorry - kann diese Art von zynischer Darstellung nicht nachvollziehen. Muss es zum Glück auch nicht. Es guets Neuis einäwäg!
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    2. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Woher wollen Sie wissen dass diese Flüchtlinge sich wissentlich und willentlich in Lebensgefahr begeben haben?
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    3. Antwort von Hanspeter Schwarb, Eiken
      Herr Frei, vielleicht haben Sie noch nicht mitbekommen, in Syrien - wo die Flüchtlinge herkommen- herrscht Bürgerkrieg. Haben Sie schon etwas vom IS Terror gehört ? Wenn nicht informieren Sie sich. Kann sein , dass Sie dann eine andere Meinung haben.
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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Ein herzliches Dankeschön an die italienischen Retter! 1000 Menschenleben gerettet mit hohem Risiko wohl auch für sie selber. Super gemacht. Hoffe, sie erhalten eine gebührende Anerkennung nebst dem Wissen, dass 1000 Menschen dank ihnen weiter leben dürfen, darunter viele Kinder, die sich diesen Weg durchs Leben definitiv nicht ausgesucht haben!
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  • Kommentar von R.Mathis, Küssnacht
    " Italien rettet Hunderte Flüchtlinge " und spediert sie weiter Richtung Norden ! Es ist eine unmögliche Situation in der EU,Keiner hält sich an die unterschriebenen Abkommen,Italien allein kann sie nicht alle aufnehmen.So ist weder den Flüchtlingen noch den Länder die sie aufnehmen müssen geholfen,nur die Schlepper lachen sich ins Fäustchen. Orientiert diese armen Menschen endlich dass auch in Europa das Glück nicht auf den Bäumen wächst. Wo verschwinden denn die vielen Milliarden Sozialhilfe ?
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    1. Antwort von J.Munx, BS
      Im Gegensatz zum Armenhaus Europa tanz in Syrien ja gerade der Bär. Es ist wirklich total unverständlich wieso man bei der Bombenstimmung nicht dort bleibt.
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    2. Antwort von M. Hediger, Aarau
      J.Munx: Schon mal überlegt, dass die reichen Nachbarländer mit Ölvorkommen Asylanten aufnehmen könnten? Es wäre immerhin die gleiche Kultur
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    3. Antwort von Christa Wüstner, Reinach
      @M.Hediger. Das gleiche schrieb ich im anderen Beitrag. z.B. Sollte der Libanon unterstützt werden. Dort sehe ich einen Ansatzpunkt. Die Flüchtlinge blieben in ihrem Kulturkreis und ihnen bliebe auch die schwierige Integration in unsere Kultur erspart. Und das hat absolut nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun.
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    4. Antwort von G.Beretta, Bern
      Wüstner: Der Libanon hat rund vier Millionen Einwohner - und mehr als eine Million Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen
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    5. Antwort von Christa Wüstner, Reinach
      Herr Beretta, das haben Sie mir schon in dem anderen Beitrag mitgeteilt und ich habe Ihnen auch geantwortet. Sie müssen nur lesen ! Und ich habe Ihre Antwort auch verstanden. Vielleicht hat sich das jetzt erledigt
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