IWF fordert mehr Schuldenerleichterungen für Griechenland

In den kommenden zwei Jahren würden die Schulden des Landes auf fast 200 Prozent der Wirtschaftsleistung klettern. Das sei «absolut untragbar», so der Internationale Währungsfonds (IWF). Er schlägt drei Optionen vor: Ein Schuldenerlass für die Hellenen ist eine davon.

Ein Mann geht an einem Graffiti in Athen vorbei

Bildlegende: Was nun? Der IWF warnt vor einem Anstieg der griechischen Schulden, falls nicht mehr Erleichterungen stattgegeben wird. Reuters

Die Eurozone muss laut einer neuen Analyse des Internationalen Währungsfonds ihre Schuldenerleichterungen für Griechenland deutlich ausweiten. In einem am Dienstag veröffentlichten Bericht bezeichnet der Internationale Währungsfonds (IWF) Griechenlands Schuldenlast als «absolut untragbar».

«Griechenlands Schulden können nur mit Massnahmen zur Schuldenerleichterung tragfähig sein, die viel weiter gehen, als Europa bislang vorgesehen hat», heisst es in dem in Washington veröffentlichten Bericht. Dieser war bereits am Samstag den Regierungen der Euro-Länder vorgelegt worden.

Liege die Schuldenquote des Krisenlandes jetzt bereits bei rund 175 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), so werde sie sich in den kommenden beiden Jahren den 200 Prozent nähern, heisst es in dem IWF-Papier weiter. Das sei «absolut untragbar».

Unterstützung von Frankreich und Grossbritannien

Sowohl der französische Finanzminister Sapin als auch der britische Premierminister David Cameron sprachen sich für die Forderungen des IWF aus. Frankreich unterstütze in der Frage von Schuldenerleichterungen für Griechenland die Linie des IWF, betonte Sapin. Dabei stünden Schuldenerleichterungen zur Debatte, jedoch kein «Haircut» im Sinne eines klassischen Schuldenschnitts – ein Erlass von Verbindlichkeiten käme nicht infrage.

David Cameron meinte am Mittwoch vor dem britischen Parlament, der IWF habe recht, wenn er im Falle Griechenlands einen Schuldenerlass fordere.

IWF schlägt drei Optionen vor

Der IWF schlägt daher drei Möglichkeiten vor: die Verlängerung der Zeit, in der das Land keine Schulden an die europäischen Partner zurückzahlen muss, von zehn auf 30 Jahre. Zweitens jährliche Transferleistungen an Griechenland. Und drittens schlicht und einfach einen Schuldenerlass. Die Entscheidung zwischen den genannten Optionen liege «bei Griechenland und seinen europäischen Partnern».

Der IWF warnt überdies davor, dass im Falle einer weiteren Verschlechterung der griechischen Wirtschaftslage der Finanzbedarf des Landes für die kommenden Jahre noch höher ausfallen könnte als bislang von den Euro-Partnern angenommen.

Möglichkeit weiterer Schuldenerleichterungen in Athen

Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone hatten am Montag grundsätzlich grünes Licht für Verhandlungen über ein drittes Hilfsprogramm für das von der Staatspleite bedrohte Griechenland gegeben. Sie knüpften dies aber an umfangreiche Bedingungen, welche das griechische Parlament schon ab Mittwoch umsetzen soll.

Die Möglichkeit weiterer Schuldenerleichterungen für Athen wurde in der Einigung lediglich angedeutet. Bereits vor der Einigung auf ein weiteres Hilfspaket hatte der IWF dafür geworben, Griechenland zumindest durch eine Umschuldung zu entlasten.