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International Japanische Walfänger werden zurückgepfiffen

Australien wollte nicht länger zuschauen, wie japanische Walfänger angeblich im Namen der Wissenschaft im Südpolarmeer Jahr für Jahr Hunderte Grosswale töten. Das Land klagte 2010 vor dem Internationalen Gerichtshof. Und bekam jetzt Recht.

Legende: Video UNO-Gericht verbietet Japan den Walfang abspielen. Laufzeit 01:30 Minuten.
Aus Tagesschau vom 31.03.2014.

Japan verstosse mit der Jagd auf die Meeressäuger gegen ein Moratorium von 1986, entschied das höchste UNO-Gericht in Den Haag. Japan muss sein umstrittenes Forschungsprogramm in dem antarktischen Gebiet vorerst einstellen.

Die Jagd nach Walen diene «keinem wissenschaftlichen Zweck», erklärte Gerichtspräsident Peter Tomka. Japan bezieht den grössten Teil des Fleisches, das in gewissen Kreisen als Delikatesse gilt, aus dem Schutzgebiet um den Südpol. Das Urteil der 16 Richter am UNO-Gericht ist bindend, eine Berufung ist nicht möglich.

«Es wird aber weiterhin Walfang vor den Küsten Japans geben», sagt Asienkorrespondent Martin Fritz. Das sei dort Tradition. Aber die Fangflotten, die von Steuergeldern bezahlt in die Antarktis losziehen, würden eingestellt, so Fritz.

Australien hatte Japan 2010 verklagt, da es trotz des internationalen Verbotes weiterhin kommerzielle Jagd auf Grosswale betreibe. Japan hatte sich aber auf eine Ausnahmeregel berufen, die die Jagd für wissenschaftliche Zwecke erlaubt. Doch das Gericht erklärte, dass weitaus mehr Tiere getötet wurden, als dafür nötig seien. Japanische Jäger hatten im Südpolarmeer jährlich Hunderte der Tiere getötet.

Ein Japaner bearbeitet einen abgetrennten Walkopf.
Legende: Walfleisch gilt in Japan als Delikatesse. Keystone

«Starkes Signal aus Den Haag»

«Das bedeutet, dass wir keine Harpunen mehr im Südlichen Ozean sehen werden», sagte der ehemalige australische Umweltminister Peter Garrett dem Sender ABC. Er sei überglücklich über der Entscheidung. Er hatte das Gerichtsverfahren angestossen.

Das Urteil sei längst überfällig gewesen, erklärte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. «Wir freuen uns über dieses starke Signal aus Den Haag, das dem sinnlosen Töten in der Antarktis – unter fadenscheinigen Gründen und Nutzung rechtlicher Lücken – nun hoffentlich auch langfristig Einhalt
gebietet.»

Unter dem Deckmäntelchen der Forschung habe Japan in den vergangenen 20 Jahren mehr als 10'000 Grosswale getötet, darunter Finn-, Sei-, Zwerg-, Bryde- und Pottwale.

Umweltorganisationen reagierten erfreut auf das Urteil. Es zeige, dass Sea Shepherd mit seinen Antarktis-Kampagnen Recht hatte, sagte der Sprecher der US-Organisation, die sich besonders dem Schutz der Meere verschrieben hat, gegenüber SRF.

Der WWF sprach von einer «Sternstunde für den weltweiten Walschutz». Und Greenpeace erklärte: «Jeder weitere Versuch der japanischen Regierung, das Walfangmoratorium zu umgehen, wäre unethisch, unzeitgemäss und unwirtschaftlich.»

Tokio «zutiefst enttäuscht» von Urteil

Japan hat sich «zutiefst enttäuscht» über das Verbot seiner Walfang-Aktivitäten in der Antarktis gezeigt, will sich aber daran halten.

«Als Staat, der sich an Recht und Gesetz hält, und als verantwortungsvolles Mitglied der Weltgemeinschaft, wird Japan die Entscheidung des Gerichts befolgen», sagte der japanische Verhandlungsführer Koji Tsuruoka am Montag in Den Haag.

Nicht nur Japan fängt Wale

Neben Japan bekennen sich auch Norwegen und Island zur Jagd auf die Meeressäuger. Sie betreiben kommerziellen Walfang und berufen sich dabei auf ihre Traditionen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Man sollte generell die Überfischung stoppen, denn nicht nur Wahle sind bedroht. Hochachtung für die Organisation "Sea Shepherd" & Australien. Es braucht mehr solche Menschen & Länder, um die Artenvielfalt der Meere zu erhalten.
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Sorry: Natürlich Wale! Und...., auch dieses Abschlachten von Delphinen sollte unbedingt verboten werden. Barbarische Traditionen, wo Tiere so leiden müssen.
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    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Da sind wir zwei uns tatsächlich einmal einig. Es fällt auf, dass gerade Länder, die sich auf "Hochkulturen" berufen, in Sachen Tierschutz und Tierrettung immer noch gewaltig hinterherhinken und sich billig auf "Traditionen" berufen - nicht nur auf See, sondern auch auf dem Land. Aber man darf nicht alles so deutlich formulieren, sonst gilt man gleich als ein Rassist. Woher sollen die angeblichen Potenzmittel kommen, wenn es einmal keine Wale, Delphine, Nashörner usw. mehr gibt?
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  • Kommentar von B. Küng, Biel
    Sehr gut, dass endlich ein Gericht den Japanern auf die Finger klopft. Und vielen Dank an Australien, die Japan verklagt haben. Es wäre gut, wenn noch die anderen Länder, die Walfang betreiben, angeklagt werden. Der Walfang sollte in allen Weltmeeren verboten werden.
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  • Kommentar von Heiri Kugler, Udon Thani
    Mit ein Verdienst von "Sea Shepherd". Die unermüdliche, harte Arbeit dieser Leute führt endlich zum Erfolg. Meine uneingeschränkte Hochachtung gilt Paul Watson. Bleibt zu hoffen, dass die Nisshin Maru und dergleichen umgehend verschrottet werden. Der Kampf geht leider auf den Färöer-Inseln weiter. Was sich die Bestie Mensch dort "aus Tradition" leistet, ist für normale Augen unerträglich. Viel Glück und Erfolg "Sea Shepherd"!
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      Die letzten Grindwale wurden von Fischern der Färöer-Inseln 2009 erlegt u. auch nie die Mengen, welche von Japan gefangen wurde. Ausserdem raten die Gesundheitsbehörden vom Verzehr von Grindwale ab, da relativ hohe Konzentrationen an Umweltgiften bei den damals erlegten Tieren nachgewiesen wurde. Die eingeborenen Völker in Ostsibirien ist der Wahlfang vor deren Küsten erlaubt aber nur für den Eigenverbrauch. Das heisst einige Wale, welche aber den aktuellen Bestand kaum beinträchtigen.
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    2. Antwort von Rolf Isenschmid, Steinmaur
      Auf den Färöer Inseln wurden 2009 bei 6 Grindadraps 415 Grindwale abgeschlachtet. 2010 bei 16 Grinds waren es 1107 Wale 2011 bei 9 Grinds waren es 726 Wale 2012 bei 12 Grinds waren es 716 Wale 2013 bei 12 Grinds waren es 1534 Wale Quelle : http://www.heimabeiti.fo/ Es wird nicht vom Verzehr abgeraten, es wird als Delikatesse propagiert. Es kann bei weitem nicht alles gegessen werden ,darum wird das "Vorige" einfach wieder ins Meer geworfen.
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