Kampf um Ölreserven in der Arktis – Eindringling Greenpeace stört

Vergangene Wochen haben sich gefährliche Szenen in der Arktis abgespielt, als russische Sicherheitskräfte ein Greenpeace-Schiff gestürmt haben. Nun sitzen sie in Murmansk in Untersuchungshaft. Vordergründig geht es dabei um einen Protest – es geht aber vor allem um grosse Öl- und Gasvorkommen.

Gefangen jenseits des Polarkreises: In der nordrussischen Stadt Murmansk mussten rund 30 Greenpeace-Aktivisten die vergangenen zwei Nächte in Untersuchungshaft verbringen. Der Vorwurf der russischen Justiz: Piraterie. Dafür kann es in Russland bis zu 15 Jahre Lagerhaft geben.

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Umstrittene Ölbohrungen in der Arktis

4:10 min, aus 10vor10 vom 25.9.2013

Rückblende: Am 18. September waren die internationalen Greenpeace-Aktivisten in der arktischen Petschorasee unterwegs. Ihr Ziel: Eine Protestaktion auf der Ölplattform Prirazlomnaya des Staatskonzerns Gazprom – mit dabei auch ein Schweizer.

Mit dieser Ölplattform will die russische Gazprom bald kommerziell Öl fördern, und dies Offshore im Nordpolargebiet – eine Neuheit und eine grosse Umweltgefahr in dieser sensiblen Region, meint Greenpeace. Die Umweltschützer haben versucht, ein Protestplakat aufzuhängen, die russische Reaktion war aber massiv: Die Grenztruppen des Geheimdienstes schritten ein, es fielen Warnschüsse. Und die Aktivisten wurden mit Waffen bedroht.

Internationales Recht gebrochen

Präsident Putin verteidigte am Mittwoch bei einer Arktis-Konferenz in der nordwestsibirischen Stadt Salechard das rigorose Vorgehen der Sicherheitskräfte. «Unsere Sicherheitstruppen vor Ort wussten ja nicht im Voraus, wer genau diese Ölplattform besetzen will. Es kann sich ja jeder als Greenpeace vorstellen. Wir haben erst gerade blutige Terrorakte in Kenia gesehen. Es ist doch offensichtlich, dass die Greenpeace-Leute internationales Recht gebrochen haben.»

Russland habe in der Arktis grosse wirtschaftliche und strategische Ambitionen, darum die heftige Reaktion, heisst es bei Greenpeace Schweiz. «Der Klimawandel, der ja hauptsächlich durch Ölkonzerne verursacht wird, wird durch die Ölförderung weiter angekurbelt», sagt Yves Zenger von Greenpeace Schweiz und fügt an: «Die Arktis wird mehr oder weniger eisfrei werden, das ebnet den Weg zu den Ressourcen der Arktis – zu den Ölvorkommen, Gasvorkommen, zu Diamantenvorkommen. Und die Russen möchten sich so natürlich positionieren, Präsenz markieren und der Welt zeigen: Die Arktis gehört uns.»

Putin zeigt sich bereit zum Dialog

Russland beansprucht einen grossen Teil der Arktisregion zwischen seinem Festland und dem Nordpol für sich. Es verlangt entsprechende Besitzgarantien von den Vereinten Nationen. Das wollen aber auch Länder wie Dänemark oder Kanada.

Das Schiff "Arctic Sunrise" von Greenpeace liegt am Hafen von Murmansk.

Bildlegende: Das Greenpeace-Schiff ist gezwungernermassen in der Hafenstadt Murmansk stationiert. Reuters

Vor einer Woche berichteten russische Medien, dass erstmals seit dem Sowjet-Ende Kriegsschiffe in der Arktis patrouillieren. Russland will den Rohstoffabbau in den Nordmeeren notfalls militärisch durchsetzen.

Putin sagte zudem, betreffend Umweltbedenken sei er zum Dialog mit den Umweltschützern jederzeit bereit, aber diese müssten auf illegale PR-Aktionen verzichten. «Die Greenpeace-Vertreter wären doch besser heute hier in dieses Arktis-Forum gekommen, dann könnten wir über alle diese Probleme diskutieren.»

Greenpeace-Aktivisten doch keine Piraten?

Yves Zenger sagt: «Das oberste Prinzip von Greenpeace ist absolute Gewaltfreiheit. Man wird den Aktivistinnen und Aktivisten nicht gerecht, wenn man sagt, es sei eine PR-Aktion.» Und: «Die Leute setzen ihre persönliche Freiheit aufs Spiel, um die Arktis zu erhalten und schützen», sagt er.

Die Umweltaktivisten von Greenpeace seien sicher keine Piraten, sagte auch Putin. Damit könnte ihnen eine Gefängnisstrafe erspart bleiben. Aber: Der Konflikt um den Rohstoff-Abbau in der Arktis geht weiter.