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Katalonien-Referendum Regionalbehörde: 90 Prozent der Stimmenden für Abspaltung

Legende: Video Katalonien am Tag danach abspielen. Laufzeit 01:41 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 02.10.2017.
  • Nach Angaben der regionalen Behörden haben 90 Prozent der Abstimmenden für die Unabhängigkeit Kataloniens gestimmt. 2,26 Millionen Wähler nahmen teil.
  • Das spanische Verfassungsgericht hat die Abstimmung als illegal eingestuft. Spaniens Regierungschef bezeichnet sie als ungültig.
  • Die Katalanen hätten das Recht auf einen unabhängigen Staat gewonnen, sagt dagegen der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont.

Die Regionalregierung von Puigdemont zog die Abstimmung trotz eines Verbots durch das Verfassungsgericht und gegen den Widerstand der Zentralregierung in Madrid durch. Wie die katalanische Regionalregierung mitteilte, haben rund 90 Prozent der Stimmenden die Unabhängigkeit befürwortet.

Für Montagvormittag hat Puigdemont eine Sondersitzung der Regierung einberufen. Das Treffen soll gemäss spanischen Medien hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Insgesamt hätten bei der Abstimmung 2,26 Millionen Wähler ihre Stimme abgegeben, das sind 42,3 Prozent der stimmberechtigten Katalanen, so die katalanische Regionalregierung. Gemessen an der Gesamtzahl der Stimmberechtigten kommen die Separatisten also nicht auf 90 Prozent Zustimmung zu einer Abspaltung, sondern nur auf 38 Prozent.

Rund zwei Stunden nach Schliessung der Wahllokale riefen mehrere Gewerkschaften und separatistische Gruppen für Dienstag zu einem Generalstreik in Katalonien auf.

Die staatlichen Polizeieinheiten Guardia Civil und Policía Nacional gingen am Sonntag zum Teil mit brutaler Härte gegen friedliche Wähler und Demonstranten vor. Ein Sprecher der katalanischen Regierung bezeichnete die «Unterdrückung durch den spanischen Staat» als «Schande Europas» und als «internationalen Skandal».

Laut den katalanischen Behörden sollen mehr als 800 Personen von der spanischen Polizei verletzt worden sein. Auch rund 30 Polizisten sollen verletzt sein.

Das Innenministerium in Madrid teilte mit, Demonstranten hätten Polizisten mit Steinen beworfen. Neun Polizisten und drei Gendarmen der Guardia Civil seien verletzt worden. Der spanische Innenminister Juan Ignacio Zoido nannte den Polizeieinsatz «verhältnismässig» und forderte die katalanischen Behörden auf, dem «echten Irrsinn» ein Ende zu setzen.

Rajoy: «Kein Referendum, sondern eine Inszenierung»

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hat das umstrittene Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien scharf verurteilt. Es habe am Sonntag «kein Referendum, sondern eine Inszenierung» gegeben, erklärte der konservative Politiker vor Journalisten in Madrid. Er appellierte an die katalanische Regionalregierung, nicht weiter diesen Weg zu gehen, der nirgendwo hinführe.

Die Einheit Spaniens müsse so rasch wie möglich wieder hergestellt werden, so Rajoy. Er kündigte an, ein Treffen aller politischen Parteien einzuberufen und die gemeinsame Zukunft zu erörtern.

Bürgermeisterin spricht von feiger Regierung in Madrid

Barcelonas Stadtpräsidentin Ada Colau warf der «feigen» Regierung in Madrid auf Twitter vor, die Stadt mit Polizisten zu «fluten». Auch vor den Medien sagte sie später, Rajoy sei «feige» und müsse zurücktreten.

In Barcelona demonstrierten Hunderte von Rechtsextremisten gegen die Abspaltung Kataloniens. In Madrid gingen etwa tausend Menschen für Spaniens Einheit auf die Strasse.

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