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Katalonien will Unabhängigkeit Historiker befürchtet neue Gewaltspirale in Spanien

Der renommierte deutsch-spanische Historiker Carlos Collado Seidel geht davon aus, dass der gewalttätige Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen der Zentralregierung in Madrid und den Separatisten in Barcelona erst noch aussteht. «Es könnten bald Panzer auffahren», sagt er in der «Rundschau».

Legende: Video Der Historiker Collado Seidel im Gespräch mit der «Rundschau» abspielen. Laufzeit 07:50 Minuten.
Aus Rundschau vom 04.10.2017.

Das Verhalten beider Seiten, also Spaniens und Kataloniens, sei «unverantwortlich», so der deutsch-spanische Historiker Collado Seidel. Bildlich gesprochen sehe man seit Wochen zwei Züge mit immer höherer Geschwindigkeit aufeinander zurasen, aber der Zusammenstoss sei wohl noch nicht erfolgt.

Es sei zu befürchten, dass man noch ganz andere Bilder sehen werde, wenn Katalonien tatsächlich die Unabhängigkeit ausrufe. Er habe bis vor kurzem ausgeschlossen, dass Panzer in Barcelona auffahren würden. «Heute kann ich nur noch hoffen, dass dies nicht geschieht», sagt Buchautor Collado Seidel.

«Berechtigte Erinnerungen an Franco-Zeit»

Vergleiche zwischen dem faschistischen Franco-Regime und dem heutigen Vorgehen von Ministerpräsident Rajoy erachte er jedoch als «nicht zulässig». Spanien lebe in einer freiheitlichen und demokratischen Ordnung.

Er verstehe aber durchaus, so Collado Seidel, dass Erinnerungen an den Bürgerkrieg zwischen 1936 und 1949 geweckt würden. «Schliesslich haben die Katalanen nur ihr demokratisches Ur-Recht wahrnehmen wollen.» Mit der Gewalt durch die Guardia Civil, die auf Stimmende eingeprügelt habe, seien nun aber «leider berechtigte Erinnerungen» an die Franco-Zeit aufgekommen.

Finanzausgleich sinnvoll und vertretbar

Der gestrige Aufruf von König Felipe an die Einheit der Nation werde seine Wirkung verfehlen. «Die Katalanen sind davon unbeeindruckt», sagt Collado Seidel. «Für sie ist er nicht der König.»

Kritisch äussert sich der Spanien-Experte auch zur Forderung der Separatisten, kein Geld mehr nach Madrid abführen zu wollen. Es sei nachvollziehbar, dass Barcelona die Optik vertrete, kein Geld «an Fremde» überweisen zu wollen. Schliesslich verstehe man sich nicht als Teil von Spanien. Aus Perspektive eines föderalen Spaniens sei aber ein Finanzausgleich «sinnvoll und vertretbar».

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