Zum Inhalt springen

Kein Grossflughafen bei Nantes Ein Sieg für Frankreichs Umweltschützer

Über 40 Jahre haben Aktivisten gegen den Bau des Flughafens gekämpft. Jetzt zieht Macron die Notbremse – und gibt nach.

Das seit Jahren besetzte Gelände: An Zelten sind grosse Transparente angebracht mit der Aufschrift: «L' abandon c'est maintenant!» (Aufgabe ist jetzt).
Legende: Der Flughafen Notre-Dame-des-Landes in Nantes ist zum Symbol für den Kampf der französischen Umweltbewegung geworden. SRF/Charles Liebherr

Bereits ein halbes Jahrhundert modert das Projekt für einen neuen Flughafen in Nantes in den Schubladen unzähliger französischer Amtsstuben. Schon Charles de Gaulle war von der Idee angetan. Sein Nachfolger Georges Pompidou versprach der Bretagne, dass bald die Concorde von Nantes in Überschall-Geschwindigkeit die ganze Welt erschliessen würde. Der aktuelle Premierminister Frankreichs, Edouard Philippe, war da noch nicht einmal geboren.

Polizisten in Kampfmontur drücken eine schreiende Frau mit heruntergerissener Skibrille auf den Boden.
Legende: Immer kam es wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Flugplatzgegnern: Wie etwa im November 2012. Reuters

Geänderte Rahmenbedingungen

Trotzdem sollte es Philippe vorbehalten bleiben, die hochfliegenden Träume für einen neuen Flughafen in Nantes auf den Boden der politischen Realität zurückzuholen. «Ich stelle fest, dass die Rahmenbedingungen für einen neuen Flughafen nicht mehr gegeben sind.» Darum wolle die französische Regierung den bestehenden Flughafen ausbauen.

Es sei ein logischer Entscheid, um einen Weg aus der Sackgasse zu finden, meint der Premierminister. Der Entscheid könne aber gleichzeitig nur falsch sein, hat Philippe bereits im Vorfeld des Beschlusses gesagt. Denn Befürworter und Gegner eines Neubaus kämpfen seit Jahrzehnten mit allen politischen und rechtlichen Mitteln für ihre gegensätzlichen Interessen.

Weg des geringsten Widerstands

Drei unabhängige Experten hatten im Dezember einen Ausweg aus der Sackgasse eröffnet. Die Mediatoren konsultierten alle Seiten und kamen zum Schluss, dass beide Optionen – Neubau oder Ausbau – gleichwertig seien. Die Regierung hat sich nun für den politisch weniger heiklen Weg entschieden.

Ein Bauer mit einer Sichel und einem Handy am Ohr. Im Hintergrund ein Stoppschild mit einem Flugzeug drin auf eine Scheune gemalt.
Legende: Rund 200 Bewohner von Notre-Dame-des-Landes schlossen sich dem Protest an: Sie wollten ihr Land nicht hergeben. Reuters

Seit Jahren besetzen Umweltaktivisten zusammen mit einer Handvoll Bauern, die sich nicht enteignen lassen wollten, das für den Bau des neuen Flughafens reservierte Gelände im Norden von Nantes. Damit sich diese nun nicht als Sieger fühlen können, will die Regierung das Gelände in ein paar Wochen räumen lassen. Ehemalige Landbesitzer sollen ihre Felder und Bauernhöfe wieder beziehen können.

Ein hoher Preis

Der Ausbau des bestehenden Flughafens kann rasch beginnen. Der Regierung stehen allerdings komplizierte Verhandlungen bevor. Denn die Betreiberfirma des aktuellen Flughafens hätte auch den neuen Flughafen bauen sollen.

Es ist damit zu rechnen, dass sie für die jahrelange Planung finanziell entschädigt werden will – wahrscheinlich also, dass die aktuelle französische Regierung für grosse Versprechen aus vergangenen Zeiten einen hohen Preis bezahlen muss.

Legende: Die Umweltschützer haben den Bau eines Flughafens in Notre-Dame-des-Landes verhindert. SRF

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.