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International Kindereien an den Säulen des Herakles

Schikanen, Säbelgerassel und Prozessdrohungen: Seit Wochen streiten sich die beiden EU-Partner Spanien und Grossbritannien um Gibraltar, den felsigen Zipfel Europas, gleich gegenüber von Afrika. Nun drängt der britische Premierminister die Brüsseler Kommission zum Eingreifen.

Der Felsen Gibraltar vom Meer aus gesehen.
Legende: Streit um Gibraltar. Premierminister David Cameron ruft den grossen Bruder zu Hilfe – Brüssel soll es richten. Keystone

Die Spielregeln des Streits stammen direkt aus dem Pausenhof eines Kindergartens. Die roten Kinder legen den Fischteich trocken, die Gelben führen schikanöse Kontrollen für alle Besucher des Pausenhofes ein, die Roten schicken eine Flotte zum Fischteich und konsultieren die Juristen, die Gelben drohen mit Gebühren für die Benutzung des Pausenhofs – und so weiter. So ungefähr verlief bisher das Scharmützel zwischen den beiden Königreichen, die einst die halbe Welt regierten, um die sechseinhalb Quadratkilometer Fels, die vor 300 Jahren feierlich an die Briten abgetreten wurden: Gibraltar.

Der grosse Bruder soll helfen

Die neueste Démarche Londons folgt dem kindischen Drehbuch: die Zeit scheint gekommen, den grossen Bruder zu Hilfe zu rufen. Premierminister David Cameron griff deshalb gestern zum Telefonhörer, um den Präsidenten der EU-Kommission, José Manuel Barroso, zum unverzüglichen Eingreifen zu ermahnen. Die spanischen Grenzkontrollen seien politisch motiviert und gänzlich unverhältnismässig. Sie widersprächen folglich den Regeln des freien Personenverkehrs in der Europäischen Union.

Der grosse Bruder hörte offenbar geduldig zu, liess anschliessend allerdings verlauten, die Streithähne sollten sich lieber untereinander einigen. Die Kommission hat schon lange versprochen, sie werde sich die Lage im September vor Ort anschauen. Camerons Anruf sollte diese Inspektion bloss beschleunigen.

Derweil schwitzen die Pendler vor Gibraltar in der brütenden Sonne, aber aus der britischen Drohung mit einer Rechtsklage vor dem Europäischen Gerichtshof ist noch nichts geworden.

Europa ist für Hilfe gut genug

Das Paradox indessen, dass der euroskeptische Cameron ausgerechnet alle Hebel der Europäischen Union in Bewegung setzt, scheint niemandem aufgefallen zu sein. Dafür wissen jetzt alle Briten Bescheid über die spanischen Kolonien in Marokko und halten Vorträge im Pausenhof über Heuchelei.

Völkerrechtlich sind die widersprüchlichen Ansprüche auf den Affenfelsen durchaus einsichtig: Spanien pocht auf den Grundsatz der territorialen Integrität, die Briten stützen sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Bewohner von Gibraltar. Man könnte natürlich vernünftig miteinander reden und einvernehmlich eine Übereinkunft finden. Aber das Leben im Pausenhof würde dadurch bestimmt langweilig und öd. So streiten die beiden lieber weiter, bis der Herbst den politischen Alltag wiederbringt und die Kinder in die Primarschule müssen.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Merkel hat wohl den Spaniern und Briten dazu geraten, etwas zu tun, um so etwas Druck von den Spaniern zu nehmen, die vielen Vorschriften und Auflagen termingerecht erfüllen zu müssen. Gibraltar eignet sich dazu ausgezeichnet, das sowieso stark angeschlagene Selbstvewusstsein und den Nationalstolz der Spanier wieder etwas anzuheben, vereint im Kampf geht es immer besser. Der Schuss könnte allerdings nach hinten losgehen, die Briten stehen davor, demnächst über sich und die EU abstimmen zu dürfen
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  • Kommentar von Enzo Cefaloni, Zürich
    Streit um den Affenfelsen - zwischen zwei EU-Ländern. Und da wird immer gesagt, wir Schweizer seien so richtige Bünzli - jänudehalt, lieber weltoffener Bünzli als diese lächerlichen Streitereien zwischen EU-Ländern. Und wetten, es geht GB und Esp letztlich darum, von der (auch selbstverschuldeten) eigenen Wirtschaftsmisere abzulenken?.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Gibraltar ist den freien Warenverkehr betreffend nicht Teil des EU-Binnenmarktes. Das Schengenrecht findet in Gibraltar grundsätzlich keine Anwendung, da kein gesonderter Anwendungsantrag gestellt wurde. Somit ist Gibraltar wohl Britisch, jedoch faktisch nicht in der EU.
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    2. Antwort von Hansi Dragoner, Drachenstein
      Cefaloni: Je größer die EU wird, desto größer wird das das Potential, das eidgenössische Spießer, natürlich wie immer ohne näheres Hinsehen, als EU-verschuldet verunglimpfen. Darüber lachen doch mittlerweile die Hühner, im Viereck. Informieren Sie sich immer zuerst mal etwas genauer und plappern nicht irgendwelche volksverdummenden Parolen Ihrer volkspopulistischen Partei, welche die EU als Belzebub hinstellt, nach.
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  • Kommentar von Nico Basler, Basel
    Mit einem Wort - Kindergarten!
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