Kolumbien: Regierung leitet Friedensgespräche mit Guerilla ein

Im Hinblick auf seine Wiederwahl verdoppelt Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos den Einsatz: Der rechtsliberale Staatschef will nun auch Friedensverhandlungen mit der zweiten im Land aktiven Guerilla führen. Offenbar verspricht sich Santos davon den Sieg bei der Stichwahl.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos

Bildlegende: Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos will die Stichwahl am Sonntag für sich entscheiden. Keystone

Die kolumbianische Regierung hat Friedensverhandlungen mit der Guerillagruppe Nationale Befreiungsarmee (ELN) eingeleitet. Es seien Gespräche über die Opfer des Konflikts und die gesellschaftliche Teilhabe der Rebellengruppe vereinbart worden, teilten beide Seiten am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mit.

«Über die anderen Themen muss noch Einigkeit erzielt werden», hiess es. Wann die Gespräche offiziell beginnen sollen, blieb unklar. Die linke ELN ist mit rund 2500 Kämpfern nach den Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) die zweitgrösste Guerillagruppe Kolumbiens.

Der Mitteilung zufolge haben sich die Unterhändler von Regierung und ELN seit Januar getroffen, um Einzelheiten der Verhandlungen zu besprechen, mit denen der Konflikt beendet und eine friedliche Lösung gefunden werden sollen.

Wichtige Botschaft für den Frieden

Die Farc begrüssten am Dienstag die Ankündigung der Gespräche. «Das ist eine sehr wichtige Botschaft für den Frieden in Kolumbien», sagte Kommandant Andrés Paris. Er hoffe, dass die Vereinbarung nicht nur aus wahltaktischen Gründen zustande gekommen sei. Am kommenden Samstag findet in Kolumbien die Stichwahl um das Präsidentenamt statt.

Seit November 2012 laufen in Kuba Friedensgespräche zwischen der Farc und der kolumbianischen Regierung. Die Hälfte der sechs Kapitel umfassenden Verhandlungsagenda ist bereits abgearbeitet.

Die Farc sind die älteste aktive Guerillagruppe Kolumbiens. Die im Jahr 1964 im Kampf gegen Grossgrundbesitzer gebildete Bewegung hat heute noch bis zu 8000 Kämpfer.