Kolumbien: «Riesenschritt in Richtung Frieden»

Im jahrzehntelangen Konflikt zwischen Rebellen und Regierung Kolumbiens hat es eine bedeutende Annäherung gegeben. Beide Seiten einigten sich in Havanna auf umfassende Minenräumungen in den von den Kämpfen betroffenen ländlichen Regionen.

Eine Gruppe von Menschen vor einem Mikrofon.

Bildlegende: Flankiert von Delegationsmitgliedern verkündete Humberto de la Calle die bahnbrechende Einigung in Havanna. Reuters

Die kolumbianische Regierung und die linksgerichtete Guerillaorganisation Farc haben sich auf eine Räumung der Antipersonenminen in dem südamerikanischen Land geeinigt.

Der Chefunterhändler Bogotás, Ex-Vizepräsident Humberto de la Calle, bezeichnete die Vereinbarung als «ersten Schritt» auf dem Weg zu einer Beendigung des Konflikts und als einen «Riesenschritt in Richtung Frieden». FARC-Chefunterhändler Iván Márquez begrüsste die «humanitäre Verständigung».

Minensucher mit Sonde und Schutzkleidung.

Bildlegende: Gefährlich und zeitraubend: Minensuche im kolumbianischen Kriegsgebiet. Keystone

Tausende Opfer durch Landminen

Nach Hinweisen der Rebellen auf die Lage der Minen werden Spezialisten der Streitkräfte die Sprengsätze entschärfen, sagte der Chefunterhändler der Regierung, Humberto de la Calle, in Havanna. Koordiniert werde die gemeinsame Aktion von der auf Minenräumung spezialisierten Nichtregierungsorganisation Norwegian People's Aid.

In den vergangenen 25 Jahren wurden nach Angaben des staatlichen Anti-Minen-Programms in Kolumbien über 11'000 Menschen Opfer von Landminen und Blindgängern.

Ranghohe Militärs am Verhandlungstisch

Die seit November 2012 mit Unterbrechungen laufenden Gespräche in Havanna sollen den 50-jährigen Konflikt zwischen der Regierung und der linken Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) beenden. Bisher einigten sich die Verhandlungsparteien auf einige Kapitel. Schlüsselfragen wie die Entwaffnung der Rebellenmiliz sowie die Ratifizierung des künftigen Abkommens sind aber noch offen.

Die Verhandlungen in Havanna waren am Donnerstag wieder aufgenommen worden, erstmals sassen sich dabei auch ranghohe militärische Vertreter der kolumbianischen Armee und der FARC gegenüber. Die Rebellen hatten im Dezember eine einseitige Waffenruhe verkündet. Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos will einem beiderseitigen Waffenstillstand erst zustimmen, wenn ein Friedensabkommen vorliegt.

220'000 Tote, 5 Millionen Flüchtlinge

Die FARC-Rebellen kämpfen seit 1964 gegen Grossgrundbesitzer und die Regierung. Die Guerilla hat noch etwa 8000 Kämpferinnen und Kämpfer unter Waffen.

Amtlichen Angaben zufolge wurden in dem längsten bewaffneten Konflikt Lateinamerikas etwa 220'000 Menschen getötet; mehr als fünf Millionen Menschen ergriffen vor den Kämpfen die Flucht.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Vertreter der kolumbianischen Regierung und der FARC bei Friedensgesprächen in Havanna

    Waffenstillstand in Kolumbien

    Aus Echo der Zeit vom 20.12.2014

    Die FARC-Guerilla, die in Kuba mit der Regierung Kolumbiens über ein Friedensabkommen verhandelt, hat eine einseitige und unbefristete Feuerpause angekündigt. Präsident Juan Manuel Santos muss nun beweisen, dass er seine Militärs unter Kontrolle hat.

    Ulrich Achermann

  • Eine Farc-Guerillera fotografiert eine Pressekonferenz

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    Bei der Stichwahl in Kolumbien geht es nicht nur ums Präsidentenamt. Mit ihrer Entscheidung geben die Stimmberechtigten auch vor, wie der Staat künftig mit der Guerilla-Organisation FARC umgehen soll. Gespräch mit Südamerika-Korrespondent Ulrich Achermann.

    Ursula Hürzeler

  • Die weltweit 300 Juan-Valdez-Coffeeshops gehören den Kaffeezüchtern; das sind fast 600‘000 Kleinbauern, erklärt Maria Fernanda Concha, die Sprecherin des Branchenverbandes.

    Kolumbien: Moderne Wirtschaft vs. konservative Polit-Elite

    Aus Echo der Zeit vom 22.5.2014

    Kolumbien wählt am Sonntag einen neuen Präsidenten.

    Dass der amtierende Präsident Santos mit der Farc-Guerilla über Frieden verhandelt, kann nicht über die Zerrissenheit des Landes hinwegtäuschen: Auf der einen Seite steht eine moderne Volkswirtschaft, auf der anderen eine reaktionäre politische Elite und mittelalterliche Verhältnisse in der Verwaltung.

    Ulrich Achermann