Zum Inhalt springen

International Korrupte Waffendeals an der Tagesordnung

Schmiergelder beim Kauf und Verkauf von Waffen sind die Regel, nicht die Ausnahme. Gemäss einer Studie fliessen in zwei Drittel der untersuchten Staaten erhebliche Schmiergeldsummen ins Waffengeschäft. Gute Noten erhalten lediglich Deutschland und Australien.

Jedes Jahr fliessen weltweit mindestens 20 Milliarden Dollar in dunkle Kanäle. Das schätzen Autoren einer Studie von Transparency International. Die Anti-Korruptions-Organisation hat erstmals Korruption im Rüstungswesen untersucht.

 Dieser Wirtschaftszweig habe damit mehr Geld zur Verfügung, als die Welt jährlich für die Bekämpfung des Hungers ausgibt, erklärt Anne-Christine Wegener. Sie ist eine Ko-Autorin der Studie.

Ein ernüchterndes Ergebnis

Untersucht wurden 82 Staaten. Mit einem ernüchternden Ergebnis: Nur Deutschland und Australien erhalten gute Noten; akzeptable gibt es für sieben weitere Länder. In allen übrigen untersuchten Staaten sieht Transparency International eine erhebliche oder gar gravierende Korruption im Rüstungswesen. Die Schweiz wurde bei dieser Untersuchung nicht berücksichtigt.

Aufgereihte Panzer die bereit stehen zum Einsatz.
Legende: Korruptionsgründe: Riesige Summen, mangelnde Transparenz. Keystone

Es gebe einen doppelten Grund dafür, weshalb die Rüstung eine der korruptesten Branchen sei, erklärt Wegener weiter. Zum einen gehe es sehr oft um sehr wenige, sehr teure Käufe und Verkäufe. Es sei also verlockend, auch nur ein paar Prozente der Beträge in die eigene Tasche zu stecken.

Zum anderen seien die allermeisten Länder im Rüstungssektor nicht transparent. Wenger: Vieles wird unnötig als geheim deklariert. Es gibt versteckte Budgets, dubiose Beschaffungen und es mangelt an parlamentarischer Kontrolle. Zudem fehlt vielerorts der Schutz für sogenannte Whistleblowers, also für jene, die korrupte Akteure überführen und Missstände aufdecken.

Korruption schmälert Vertrauen in die Armee

Als Folge der Rüstungskorruption zahlen Steuerzahler zu viel für ihre Sicherheit. Ausserdem erhalten Armeen für zu viel Geld unzureichendes Material. Hier nennt Wegener ein Beispiel: Malaysia hat für eine Milliarde Dollar neue U-Boote gekauft, die schliesslich gar nicht ordnungsgemäss abtauchen konnten. Angesicht solcher Skandal-Deals würden die Bürger immer mehr das Vertrauen in eigene Sicherheitskräfte verlieren.

Wie korrupt es beim Waffengeschäft zugeht, sei in den meisten Hauptstädten durchaus allgemein bekannt, erklärt Wegener weiter. Trotzdem werde sehr wenig dagegen unternommen. Das ist für die Autoren der Studie besonders irritierend.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Das kommt nicht nur beim Waffenhandel vor. Das selbe gilt für die Lebensmittelindustrie, dem Immobilienmarkt, der Rohstoffversorgung usw. Je mehr wir Gelder für soziale Projekte benötigen, muss es die andere Seite, auch über Leichen, wieder einbringen. Beide Seiten müssen mit ihren Ansprüchen zurückfahren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jürg Sand, Zürich
    Ja, hat denn die U-Boote die Schweiz an Malaysia verkauft? Und wenn ja, wäre dies nicht ein hoch pazifistisches Geschäft gewesen, zum Nutzen der Menschheit und der Schweiz? Und nun soll auch plötzlich den Whistleblowern Schutz geboten werden! Wo doch dies bis vor Kurzem, im Sozialwesen und bei Insiderhandel an höchster Stelle, zutiefst verpönt war! Ich glaube, wir müssen die SVP abschaffen, sonst verwirren und verhaspeln sich unsere Medienschaffenden noch völlig!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von A. Planta, Chur
      Keine Angst, die $VP schafft sich schon selber ab, sobald der Herrliberger nicht mehr massgebend ist.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Wer was anderes erwartet ist schlicht Blauaeugig... wer Dinge macht, die toeten muss schon etwas skrupelloser sein als der Durchschnitt. Denn jeder Waffenproduzent weis was seine Geraete anstellen ... sehr genau!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen