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Krise in Spanien «Es lebe Spanien, es lebe Katalonien»

Legende: Video Ex-Regierungschef ruft zum Widerstand auf abspielen. Laufzeit 1:30 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.10.2017.
  • Katalonien hat offiziell keine autonome Regierung mehr. Die Region steht nun unter der Kontrolle von Madrid.
  • Der bisherige Regierungschef Carles Puigdemont kündigt die Fortsetzung der Unabhängigkeitsbestrebungen an.
  • Nach der Entlassung der katalanischen Polizeichefs hat die Regionalpolizei ihre Beamten zur Neutralität im Unabhängigkeitsstreit aufgefordert.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy hat am frühen Samstag offiziell die Amtsgeschäfte des abgesetzten katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont übernommen. Auch die übrigen Mitglieder der nach Unabhängigkeit strebenden Regierung in Barcelona wurden mit der offiziellen Veröffentlichung im Amtsblatt für abgesetzt erklärt.

Der abgesetzte katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hat unterdessen die Fortsetzung der Unabhängigkeitsbestrebungen verkündet. In einer TV-Rede rief er am Samstag in Barcelona die Bürger der Region zum friedlichen Widerstand gegen die von Madrid beschlossenen Zwangsmassnahmen und zur «Gründung eines freien Landes» auf. Seine Regierung wolle weiterarbeiten, trotz der aktuellen Schwierigkeiten.

Mehrere Tausend Menschen haben in Madrid friedlich für die Einheit des Landes demonstriert. In die Fahnen Spaniens gehüllt oder fahnenschwenkend riefen sie «Es lebe Spanien» und «Es lebe Katalonien». Die Kundgebung fand am Mittag auf dem zentralen Plaza Colón statt. Viele hatten erst am Morgen im Radio von der spontan angesetzten Kundgebung gehört.

Legende: Video Einschätzungen von Erwin Schmid abspielen. Laufzeit 0:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.10.2017.

Die Demonstranten liessen Ministerpräsident Rajoy hochleben, für den abgesetzten katalanischen Regierungschef Carles Puigdemont gab es dagegen Buhrufe, wenn er in Reden erwähnt wurde. Die Menge skandierte sogar «Puigdemont – Verräter!». Zum Ende der Demonstration tanzten die Menschen auf den Strassen.

150 Regierungsmitarbeiter müssen gehen

Der spanische Senat hatte mit der Billigung des nie zuvor angewandten Verfassungsartikels 155 am Vortag den Weg für die Entmachtung der Regierung und für Neuwahlen am 21. Dezember freigemacht. Die Regierung hat auch erste Details zu den geplanten Wahlen veröffentlicht.

Demnach beginnt der Wahlkampf am 5. Dezember. Nach Informationen der Zeitung «El Pais» hat Rajoy Vizepräsidentin Soraya Sáenz de Santamaría mit der Übernahme der Verantwortung für die täglichen Amtsgeschäfte betraut. Sie hat offiziell den Posten des abgesetzten katalanischen Vizes Oriol Junqueras übernommen. Insgesamt mussten 150 Mitarbeiter der Regierung gehen.

Die spanische Generalstaatsanwaltschaft hat unterdessen ein Verfahren gegen Carles Puigdemont wegen «Rebellion» angekündigt. Die Behörde werde nächste Woche Anklage erheben, sagte ein Sprecher. Auf «Rebellion» steht eine Höchststrafe von 30 Jahren Haft.

Auch die beiden Chefs der katalanischen Polizeieinheit Mossos d'Esquadra, Pere Soler und Josep Lluís Trapero, wurden abgesetzt. Im Fall Trapero war zunächst vermutet worden, dass er seinen Posten behalten könne. Soler hat seinen Posten nach Informationen der Zeitung «El Mundo» bereits widerstandslos geräumt. Er habe sich in einem Schreiben von seinen Mitarbeitern verabschiedet.

Die katalanische Regionalpolizei Mossos d'Esquadra ist in der Region verwurzelt. Bei dem auch gewaltsamen Vorgehen gegen Demonstraten bei dem Referendum am 1. Oktober hatte sie sich zurückgehalten. Für die Gewalt wurde in erster Linie die spanische Guardia Civil verantwortlich gemacht.

Bei einer Demonstration von ultrarechten Gruppen gegen den Unabhängigkeitsbeschluss beschädigten Teilnehmer am späten Freitagabend Glastüren und Fenster des Radiosenders Catalunya Radio. Nach Berichten der Zeitung «El Diario» und anderer Medien wurden auch Passanten attackiert.

Daten und Karte Kataloniens

Protest auch in Bern

Rund 200 Personen haben am Samstag in Bern für die Anerkennung Kataloniens demonstriert. Sie forderten auch Freiheit für «politische Gefangene» in Spanien. Organisiert wurde die Kundgebung vom Schweizer Ableger der Assemblea Nacional Catalana (ANC). Ihr Chef Jordi Sànchez sitzt in Spanien im Gefängnis.

74 Kommentare

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  • Kommentar von M. Berger (Mila)
    Herr Schink - Wieso sollte Franco die spanische Sprache verbieten? Ihr Statement ist ebenso absurd, wie wenn Sie erwähnten, Hitler hätte die deutsche Sprache nicht verboten! Der Diktator Franco hatte neben katalanisch auch baskisch und galizisch verboten, dies obwohl er selbst Galizier war. Etwas Statistik: Nach dem Bürgerkrieg (1936-1939) wurden in Katalonien 40% der IN (Instituto National) investiert (SEAT), 20% im Baskenland und weitere 20% in Madrid, Der Rest von 20% im Resten Spaniens.
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  • Kommentar von M. Berger (Mila)
    Immer wieder wird auf Franco verwiesen und genau das wird gezielt propagiert von den kat. Independisten mit ihren Geschichtsfälschungen. Ihr tut Spanien unrecht! Franco hat mit seiner Truppe die spanischen Regionen überfallen und den Bürgerkrieg ausgelöst. Betroffen waren all die Regionen und nicht nur Katalonien, wie immer wieder behauptet wird. Kein Normalbürger möchte diese Schreckenszeit wieder heraufbeschwören. Fast jeder hat Familienangehörige verloren im Krieg+während der Francodiktatur.
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    1. Antwort von László Schink (Schink)
      Jetzt verharmlosen Sie aber gewaltig M.Berger, die katalonische Sprache und deren Kultur wurde unter Franco bis 1975 verboten, im Gegensatz zum Spanischen (Kastilisch).
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    2. Antwort von Peter Gemperle (PGT)
      Herr Schink. Waren Sie vor zwanzig Jahren auch einmal in Katalonien. Waren Sie mal in einem Museum, einem Botanischen Garten, geschichtsträchtigen Stätten. Haben Sie da mal etwas in Spanisch angeschrieben gesehen, alles in Katalanisch. Das war noch lange bevor sich die Separatisten auflehnten. Da lebten Katalanen und Spanier eigentlich "normal" nebeneinander. Schon damals (bis jetzt) war dies pure Arroganz den Andern gegenüber. Oder können Sie katalanisch Herr Schink , doch eher Spanisch.
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    3. Antwort von László Schink (Schink)
      Können Sie nicht lesen Herr Gemperle? Ich sprach von der Zeit bis 1975. Wenn Sie auf die Gemeindebehörde von Moutier oder Lausanne gehen, müssen Sie auch in der hiesigen Amts- und Umgangssprache kommunizieren. In der Franco Zeit konnten sich die Separatisten gar nie zu Wort melden. Pure Arroganz und Dummheit ist wohl eher das Verhalten von Rajoy, der die maximale Autonomie der Katalanen wieder beschnitten hatte.
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Und dann bilden sich diese Seperatisten auch noch ein, der Rest der Welt wartet darauf, dass Katalonien Spanien "verlässt" und ein eigener Staat wird. Hahnebüchen. Diese angestrebte "Kleinstaaterei" ist einfach lächerlich. Der Studienabbrecher Puigdemont wird sich für den angerichteten Mist noch verantworten müssen.
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    1. Antwort von László Schink (Schink)
      Der Kosowo ist aber noch kleiner als Katalonien, geschweige denn Montenegro, wo aber diese Art von Kleinstaaterei dann für den Rest der Welt keine Rolle spielt. Aber in Irland hat man auch nicht zu bestimmen was für die Katalanen gut ist und was nicht.
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    2. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      Der Vergleich hinkt aber ganz gewaltig.
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    3. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      @K. K. Es gibt aber viele kleine Staaten, die bestens funktionieren. Beispiele sind die Schweiz, das Fürstentum Liechtenstein, Monaco usw. Nicht alles was gross ist, ist auch besser.
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