Zum Inhalt springen

International Kummer-Nummer: Putin schliesst am Bürgertelefon 3. Amtszeit aus

Wie jedes Jahr im Frühling inszeniert der russische Präsident Wladimir Putin Bürgernähe – im ganz grossen Stil. Dafür setzt er sich in ein opulent ausgestattetes Fernsehstudio und beantwortet mehrere Stunden ausgewählte Fragen seiner Bürger. Auf Überraschungen wartet man vergeblich.

Legende: Video Putin bestreitet Verwicklung in Panama Papers abspielen. Laufzeit 4:52 Minuten.
Aus 10vor10 vom 14.04.2016.

Das Happening erinnert an eine Casting-Show: ein riesiges Studio in Feierlaune und in der Mitte, an einem immensen Tisch, der Landesvater mit verständnisvoll gefalteter Stirn. Alljährlich zelebriert der russische Präsident Putin hier Bürgernähe und beantwortet während mehrerer Stunden die Anliegen eines ganz offensichtlich handverlesenen Frage-Publikums.

Junge Manager sollen das Land regieren

Fragen und Antworten der Show scheinen abgekartet und Teil der bekannten Propaganda-Maschinerie. In dieser Hinsicht sticht allerdings eine von Putins Aussagen heraus: Seine Stellungnahme zu den Gerüchten, wonach man im Kreml fieberhaft nach einer Lösung suche, um die Verfassung zu umgehen und ihm selbst eine dritte Amtszeit zu ermöglichen.

«Meine Aufgabe ist es, die Bedingungen für die langfristige Entwicklung dieses Land zu schaffen, damit junge und gebildete Manager das Land regieren werden. Ich halte es deshalb nicht für angemessen, Änderungen der Verfassung einzuleiten», beantwortete Putin eine entsprechende Bürgerfrage.

Was Putin sonst noch sagte – in aller Kürze

  • Die Anschuldigungen rund um die sogenannten «Panama Paper» sind eine westliche Verschwörung. Sein millionenschwerer Freund und Cellospieler Sergei Roldugin ist völlig integer. Er hat mit dem Geld «teure Instrumente für Russland gekauft.»
  • Die russische Wirtschaft wird auch 2017 weiter stottern. Auch daran sind bekanntlich andere schuld, wenngleich der Präsident auch einräumt, dass sich die Struktur der oft noch sowjetisch geprägten russischen Wirtschaft ändern müsse.
  • In Syrien identifiziert der russische Präsident ebenfalls andere als eigentliches Problem. Dort seien es die «sogenannte gemässigte Opposition» und die «extremistische Al-Nusra-Front», die den Frieden verhinderten.
  • Ein Schuss vor den türkischen Bug darf nicht fehlen: Zwar seien sein Land und die Türkei noch immer «Freunde». «Wir haben nur Probleme mit einigen türkischen Politikern, deren Verhalten wir als unangemessen werten.»
  • Ebenso wenig fehlt eine Mahnung an die westlichen Staaten. Es dürfe nicht sein, so der russische Präsident, dass sie aus einer Position der Stärke heraus dem russischen Volk Bedingungen diktierten. Die Rede ist wohl von den schmerzlichen Wirtschaftssanktionen im Zuge des russischen Umgangs mit den Geschehnissen in der Ukraine.
  • Putin verteidigt die Lieferung eines Luftabwehrraketen-Systems an den Iran mit dem Hinweis, die Waffen dienten der Verteidigung, weshalb sich Israel nicht zu fürchten brauche. Immerhin fügt er an, der Iran habe im Fall einer Lieferweigerung mit einer 4-Milliarden-Schadenersatzklage gedroht.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

28 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Susanne Lüscher (Lol)
    Für so eine miserable Berichterstattung müssen wir Gebühren zahlen! Kein Wunder bezeichnet P.C. Roberts die westlichen Medien als "Presstitutes".
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Roberts gibt seit Jahren ständig irgendwelchen Stuss von sich. Schade, denn vor dem Jahrtausendwechsel hatte das, was er sagte, noch Hand und Fuss
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Roland Haechler (haechlro)
      PCR bringt es immer wieder auf den Punkt ... Von welchem Stuss sprechen Sie ... Haben Sie ein Beispiel ? (Und ach ja .. Gold und Silberpreise sind ja auch nicht manipuliert) lol
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      @ M. Koller: Was für Sie als Stuss erscheint entspricht leider der Realität seit ein paar Jahren. Oder wie würden Sie die Situation bezeichnen, dass nun erneut ein grosser, sogar atomarer Krieg zu einer erneuten realen Gefahr geworden ist? Sei es durch ein Unfall provoziert? Die Weltlage hat sich rasch katastrophal verschlechtert. PCR benennt die Gründe. Ja, das ist unglaublich was da verbrochen wurde.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      ...und heute noch verbrochen wird. Die amerikanische Regierung droht den Russen mit einer Eskalation in Syrien, sollte der Friedensprozess scheitern. Die CIA will die islamistische Söldner mit High-Tech-Waffen und Raketen ausstatten, um die syrische Regierung militärisch zu besiegen. Quelle: das aus Geheimdienstkreisen stets gut unterrichtete "Wall Street Journal". Die Rebellen wiederum sind der Al-Nusra-Front sehr nahe, die bereits über Flugabwehrraketen verfügen - woher auch immer.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Man muss sich nur mal "War Is On The Horizon" zu Gemüte führen. Es trieft regelrecht vor Verachtung und natürlich sind die USA an allem Bösen auf der Welt schuld. Wahrscheinlich auch an seinen Falten. Er hat eine sehr einseitige Sichtweise und seltsame Theorien, welche er als Fakten darbietet. Ich lese oft polarisierende Meinungen aber bei ihm krieg ich seit Jahren Probleme mit dem Augenrollen. Wie immer gibt es natürlich auch Dinge, wo ich zustimmen kann. Es gibt nicht nur schwarz und weiss!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bruno Janthiang (Bruno Janthiang)
    beantwortet mehrere Stunden ausgewählte Fragen seiner Bürger. ---- Diese Kritik ist von SRF fehl am Platz. Denn genau auch das SRF hat ihrem obersten General auch nur ausgesuchte Fragen aufgetischt. Und meinen sie, dass ein Maler, Sommaruga etz. eine solche Fragestunde aus dem Stegreif machen würden? Putinbashing, mehr nicht von SRF.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
    Wertes SRF: Lernen Sie wieder Bericht+Kommentar sauber zu trennen. Das ist die Grundlage eines glaubwürdigen Journalismus. Nicht die Macht gebrauchen um die Beiträge mit der eigenen politischen Haltung zu filtern. Nicht Fehler heimlich ausbessern, sondern offen eingestehen. In Redaktionskonferenzen über Inhalte und nicht über bestimmte Positionen reden. Auf die Kritiker hören. Nichts weglassen was das Gesamtbild verzerrt. Nicht seine Haltung vermitteln, sondern einfach nur berichten. Danke.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen