Lärm und Plastik setzen den Weltmeeren zu

Das Leben des Planeten Erde entstand einst in den Ozeanen. Mittlerweile hat der Mensch die Weltmeere derart stark verschmutzt, dass das Leben im Meer gefährdet ist. Darauf macht der Welt-Ozean-Tag aufmerksam.

Ein Mann sammelt an einem Strand auf den Philippinen Plastik aus dem angeschwemmten Müll.

Bildlegende: Neun Millionen Tonnen Plastik landen im Meer. Und das jedes Jahr. Reuters

SRF News: Nicht nur Plastik, auch Lärm verschmutzt das Meer immer stärker. Was muss man sich unter mariner Lärmverschmutzung vorstellen?

Sigrid Lüber: In den letzten 60 Jahren hat sich der Lärm in den Meeren in jeder Dekade verdoppelt. Verschiedene Ursachen wie die Schifffahrt oder das Militär sind dafür verantwortlich. Aber auch die Erdölindustrie: Wenn nach Ölreserven unter dem Meeresboden gesucht wird, benutzen die Firmen dazu Druckluftkanonen. Die Lärmverschmutzung in den Meeren ist derart stark geworden, dass es dringend eine Gesetzgebung braucht. Es sollten Lärmobergrenzen definiert werden oder eine Art Lärmbudget, welches nicht überschritten werden darf.

Gibt es denn keine griffigen Umweltgesetze, welche den Erdölfirmen Grenzen setzen?

Es gibt Richtlinien, die von verschiedenen internationalen Gremien verabschiedet worden sind. So hat etwa die EU kürzlich einer Richtlinie zugestimmt, welche ein Umweltgutachten zwingend vorschreibt. Erdölfirmen müssen künftig zuerst ein Assessment durchführen um zu klären, welchen Schaden sie mit dem Lärm bei der Suche nach Öl anrichten könnten. Leider tritt dies erst 2017 verbindlich in Kraft. Bis dahin fehlt eine griffige Handhabe.

Man hört immer wieder von gestrandeten Walen. Sind diese Säugetiere von der Lärmverschmutzung besonders betroffen?

Tatsächlich sind die meisten Strandungen von Walen auf den Lärm zurückzuführen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn mehrere Tiere gleichzeitig stranden. Lärm unter Wasser heisst: Es entsteht eine Schallwelle, welche bei den Tieren Drucktraumata verursachen können. Die Folgen sind Blutungen in Organen, Augen oder im Gehör. Dies kann die Tiere töten oder zumindest orientierungslos machen, wodurch einige von ihnen dann stranden. Die angelandeten Tiere sind dabei nur die Spitze des Eisbergs, denn sehr viele Tiere sind auf offener See von Lärm betroffen und sinken einfach auf den Grund, ohne jemals an einen Strand gespült zu werden.

Das andere grosse Thema am Welt-Ozean-Tag ist die Verschmutzung durch Plastik. Wie gross ist dieses Problem?

Es ist immens. Jedes Jahr werden schätzungsweise neun Millionen Tonnen Plastik ins Meer gespült. Der Plastik zersetzt sich dort nur sehr langsam; das kann vierhundert Jahre und mehr dauern. Zudem löst sich der Plastik nicht auf, er zerfällt in immer kleinere Teile. Sogenannte Mikroteile – das sind Plastikteilchen unter 5 Millimeter Grösse – schweben in allen Wasserschichten des Meeres und werden von vielen Tieren gefressen, weil sie den Plastik mit Nahrung verwechseln.

Wie lässt sich der Abfall denn wieder aus den Meeren herausfischen?

Im Moment gibt es noch keine Technik, wie der Plastik wieder aus dem Meer entfernt werden könnte. Man kann nicht einfach das Meerwasser filtern, denn dann würden auch die Kleinstlebewesen in den Filtern hängen bleiben. Das wäre eine Katastrophe. Denn diese Tierchen würden dann in der Nahrungskette fehlen, und es ist sehr wichtig für alle Meerestiere, dass diese intakt bleibt.

Sigrid Lüber

Sigrid Lüber

Die gebürtige St. Gallerin Sigrid Lüber ist Mitbegründerin von OceanCare und seit 1993 Präsidentin der Organisation. Unter anderem ist sie seit 1992 unabhängige Beobachterin an den Konferenzen der internationalen Walfang, seit 1997 Beobachterin beim Washingtoner Artenschutzabkommen CITES.

Welt-Ozean-Tag

Das Motto lautet in diesem Jahr: «Gesunde Ozeane, gesunder Planet». Der UNO-Tag der Ozeane wird seit dem Erdgipfel in Rio de Janeiro 1992 jedes Jahr am 8. Juni begangen. Ziel des Tages ist es, weltweit Aufmerksamkeit für aktuelle Herausforderungen im Zusammenhang mit den für alles Leben essenziellen Ozeanen zu erlangen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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    Aus 10vor10 vom 11.12.2014

    Die Meeresschutzorganisation Oceana nimmt an, dass stündlich 685 Tonnen Abfall in die Weltmeere gekippt werden. Auch Schweizer Seen und Flüsse sind mit Plastikabfall belastet. Deshalb hat der Bund eine Untersuchung der grössten Gewässer in Auftrag gegeben. Die Resultate wurden nun veröffentlicht.

  • Kampf dem Plastikgüsel im Meer

    Aus Einstein vom 23.10.2014

    Jährlich verdrecken 150 Millionen Tonnen Plastik unsere Weltmeere. Ein 19-jähriger Holländer will mit riesigen, schwimmenden Barrieren die Ozeane nun kontinuierlich vom Plastikmüll befreien und dabei sollen ihm die Meeresströmungen helfen. Mit viel Kreativität setzt er in die Tat um, was bisher noch keinem gelang. Wir zeigen, wie der junge Hobbytaucher, Studienabbrecher und Unternehmer dieses ehrgeizige Grossprojekt mit unkonventionellen Mitteln vorantreibt.

  • Mikroplastik in Lebensmitteln: Kosmetikprodukte unter Verdacht

    Aus Kassensturz Espresso vom 21.1.2014

    Forscher haben in Trinkwasser, Honig und Milch kleinste Plastikteilchen gefunden. Sie vermuten, diese Mikroplastik stammt aus Zahnpasta, Duschgels oder Peelingcremes und gelangt über das Abwasser in die Umwelt. «Kassensturz» nennt die Produkte mit Plastik beim Namen und konfrontiert die Hersteller.

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    Eine neue Untersuchung der ETH Lausanne zeigt: Plastikabfall gibt es nicht nur in den Weltmeeren zuhauf, es gibt ihn auch im Genfersee, im grössten westeuropäischen Binnengewässer. Das Bundesamt für Umwelt reagiert beunruhigt.